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STANS: Wo (Antiquitäten-)Berge sich erheben

Als Peter Baggenstos die «Antik Fundgrube» schloss, löste er Bedauern aus. In seinen Lagern aber birgt der Sammler noch ungezählte Schätze.
Peter Baggenstos mit Lettern, die in früherer Zeit auf dem heutigen Regierungsgebäude die Nidwaldner Kantonalbank ankündeten. (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

Peter Baggenstos mit Lettern, die in früherer Zeit auf dem heutigen Regierungsgebäude die Nidwaldner Kantonalbank ankündeten. (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

«Auf diesen Stühlen haben die junge belgische Königin Astrid und ihr Gemahl König Leopold wohl gesessen, bevor sie am 29. August 1935 im ‹Packard Cabriolet› zu ihrem verhängnisvollen Ausflug aufbrachen», sagt Peter Baggenstos sinnierend. Die beliebte Königin starb damals bei einem tragischen Autounfall in Küssnacht am Rigi. Doch wie kommt der Antiquar Baggenstos zu solchen Stühlen?

«Ich kaufte sie der Tochter des Gärtners ab, der damals in der Villa Haslihorn St. Niklausen (Sommerresidenz des belgischen Königspaares) arbeitete», erzählt der Stanser. Ein Kauf wie dieser ist ganz typisch für die Art und Weise, wie Baggenstos zu seiner Sammlung von Tausenden und Abertausenden kleinen, grossen, älteren und neueren, aber stets gebrauchten Gegenständen kam. «Diese Stühle sind schön, aber einen antiquarischen Wert haben sie nicht», sagt er. «Ich habe sie wegen ihrer Geschichte gekauft!»

Wenn Handeln Leidenschaft wird

Aufgewachsen ist Peter Baggenstos neben dem früheren Restaurant Winkelried in Stans als jüngster Sohn des Handwerkers, Fasnächtlers und Laienspielers Beppi Baggenstos. «Als kleine Knirpse haben wir unserem Vater oft bei Spenglerarbeiten geholfen», erzählt er. «Durch Dachluken reichten wir ihm Rohre, dabei entdeckte ich in Dachkammern oft staubige Kisten mit faszinierenden alten Sachen: Bücher, Bäbi, Möbel, Spielwaren.» Damals sei wohl seine Neugier für Antiquitäten geweckt worden. Nach der Lehre als Elektriker arbeitete Baggenstos im Aussendienst einer grossen Firma. «In freien Stunden klapperte ich Brockenhäuser in der ganzen Schweiz ab, da wurde aus der Neugier eine Leidenschaft», erinnert sich Baggenstos.

Mit der Zeit habe er gemerkt, dass er auch Spass am Handeln habe. Eine Geschichte dazu: Baggenstos hatte erfahren, dass ein Antiquar in Bern möglichst schlecht gezeichnete, witzige Porträts sammelte. Da suchte er überall in der Schweiz danach. Da sie niemand haben wollte, kaufte er sie für wenig Geld. Der Berner bezahlte ihn nicht bar. Viel mehr liess er ihn Antiquitäten auslesen. «Das war der Beginn meiner grossen, ja heute unübersichtlich riesigen Sammlung», schmunzelt Baggenstos. «Ich war auch auf gebrauchte Nullachtfünfzehn-Antiquitäten aus», sagt der Sammler. Und er versichert: «Ihnen gab ich gegenüber toprenovierten Wertgegenständen, die ich langweilig finde, stets den Vorzug.»

Sogar Luzerner Theater klopft an

Als sich seine Lagerräume mehr und mehr zu füllen begannen, mietete der Stanser 1998 in der Oberstmühle eine Werkstätte und einen Ladenraum. «Ab 2000 hängte ich dann meinen Beruf an den Nagel und lebte nur noch von den Einkünften meiner ‹Antik-Fundgrube›.»Bald schon sprach es sich herum. Bis über Nidwaldens Grenzen hinaus. Bei Baggenstos durfte man stöbern. Konnte man praktisch alles finden. Und dazu günstig erwerben. Ein treuer Abnehmer wurde etwa Peters Bruder Beppi, der für seine «Theatermacherei» alles Mögliche und Unmögliche brauchte.

Laienbühnen klopften an. Ja sogar die Requisiteure des Luzerner Theaters fanden den Weg nach Stans. Von alten Motorrädern über Velos bis zu Oldtimern – einen Ford Vedette, einen Rosengart oder den Desoto – findet man einfach alles. Auch Lampen, Möbel, Schmuck, Nippsachen, Bilder, Bücher und, und, und. «Meine Autos sind nicht fahrtüchtig und viele Sachen kaputt», lacht Baggenstos. Nicht zuletzt, weil er in den nächsten Jahren auch ans Reparieren gehen will, hat er vor drei Monaten sein Geschäftslokal geschlossen. «Ich will nicht mehr stundenlang untätig im Laden stehen», sagt der Mann, der langsam aufpassen muss, dass er von den Bergen alter Dinge nicht erdrückt wird.

Auf Anruf oder über ricardo.ch bleibe er für seine treuen Kunden nach wie vor erreichbar. Und die Lager sind noch lange nicht leer! Zudem führt der rührige Stanser, zusammen mit seiner Partnerin, das wunderschön antik eingerichtete Kulturlokal «Backstube» an der Stanser Engelbergerstrasse 6. «Eine wahre Liebhaberei von uns, dort mindestens jeden Monat einmal zu einer Veranstaltung einzuladen», sagt Baggenstos.

Geschichte vom Babysitter-Boogie

Wer mit alten Dingen handelt, kann was erzählen! Das gilt für Peter Baggenstos wie für keinen Zweiten. Einmal habe ihn ein netter, älterer Herr nach «Single-Platten» gefragt. «Ich ermunterte ihn, im Lager zu wühlen», erinnert sich Baggenstos. Plötzlich sei der Mann wieder vor ihm gestanden. «Wissen Sie, junger Mann, von wem diese Platte ist?» habe er gefragt. Baggenstos sagte, das sei der «Babysitter-Boogie» von Ralph Bendix. Darauf der Mann: «Der bin ich persönlich, ich wohne jetzt in Fürigen!» Den Franken für die Platte habe Bendix ausgelegt. Fragt man Peter Baggenstos nach seiner Zukunft, zuckt er nur mit den Schultern: «Ich lasse mich treiben, setze keine Ziele, weiss aber aus Erfahrung, dass ich immer irgendwo ankomme.»

Romano Cuonz

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