Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

STANS: Zwei Frauen lieben einen legendären Mann

Junge, ambitionierte Sängerinnen und Instrumentalisten bekundeten im Chäslager mit einer Auswahl aus Orfeo-Opern ihre Vertrautheit mit der barocken Musiksprache. Und transportieren starke Emotionen.
Das Chäslager in Stans. (Bild: PD)

Das Chäslager in Stans. (Bild: PD)

Der Mythos vom Sänger Orpheus, der Mensch und Tier durch seine betörende Musik verzaubern kann und seine Geliebte Eurydike aus dem Totenreich erretten will, gehört zu den bekanntesten Opernstoffen. Grosse Resonanz hat er durch die Oper «Orpheus und Eurydike» des Opern-Reformators Christoph Willibald Guck gefunden.

Genau diese Oper aber fehlte in dem Pasticcio (Mix aus verschiedenen Werken), das eine Truppe von jungen Sängerinnen und Instrumentalisten am Freitagabend im Chäslager in Stans zu Gehör brachte. Unter dem Titel «La storia senza Orfeo» ist ein Projekt entwickelt worden, das nicht von der Gluck-Oper, sondern von G. Ph. Telemanns Oper «Die wunderbare Beständigkeit der Liebe oder Orpheus» ausgeht, die in neuerer Zeit verschiedentlich wieder den Weg auf die Bühne gefunden hat.

In dem 1726 in Hamburg uraufgeführten Stück sind einige typisch italienische Bravour-Arien und im französischen Stil komponierte Nummern und werden auch in der jeweiligen Sprache innerhalb der ansonsten deutschsprachigen Oper gesungen. Vor allem aber wird in diesem Werk der Orpheus-Stoff um die schillernde Figur der Königin Orasia erweitert. Sie ist wie Eurydike ebenfalls in Orpheus verliebt.

Im Zustand zwischen Träumen und Wachsein

Aus dieser Dreieck-Konstellation entwickelt sich das Pasticcio, wobei noch andere, meist unbekannte Orpheus-Vertonungen und andere Barock-Werke von G. F. Händel (1685–1759), Antonio Sartorio (1630–1680) und Jean Baptiste Stuck (1680–1755) einbezogen werden. Eurydice und Orasia warten auf ihren Liebsten, doch dieser lässt auf sich warten.

Während des langen Wartens verfallen beide Frauen in einen Zustand zwischen Träumen und Wachsein. In Träumen ist alles möglich, und manchmal scheinen sie realistisch, sodass ein seltsames Gefühl zurückbleibt, wenn man aufwacht. Zugleich kennt jede auch das Tagträumen. Eurydice und Orasia sind einerseits sehr verschieden, befinden sich aber in der gleichen Situation. Beide begeben sich in ihre «Unterwelt», wobei Orasia zerbricht an dieser unerfüllten Liebe.

Hautnah bei den Interpreten

Im geräumigen Dachstock des Chäslagers sitzen die Zuschauer hautnah bei den zwei Sängerinnen, zu denen sich ab und zu in Person der künstlerischen Leiterin Francesca Luise Schenk eine Tänzerin gesellt. Und auch bei den Musikern Daniel Frankenberg, Pietro Fabris (Barock-Violinen), Bas Bartels (Barock-Viola), Alma Tedde (Barock-Violoncello) und Natsumi Fujita (Cembalo).

Von den ersten Klängen an spürt man, dass die jungen Frauen und Männer mit der barocken Spielpraxis und Gesangstechnik eng vertraut sind. Die Spieler verwenden alte Instrumente mit Darmsaiten und Barockbögen und ergänzen die Gesangsdarbietungen bald mit farbig-expressivem, bald mit lieblich-lyrischem Ton. Sie begleiten nicht nur die Gesangsvorträge der beiden Sopranistinnen Aurelia Würsch und Orsolya Nyakas, sondern spielen zwischen den Rezitativen, Arien und Duetten auch Ouvertüren, Tänze und andere rein instrumentale Stücke.

Die Aufführung als Ganze kann man als halbszenisch bezeichnen, wobei sich das Szenische hauptsächlich auf fortwährenden Kostümwandel, auf Schminken und auf bald gleitende, bald starre Bewegungen beschränkt. Auffallendste Requisiten sind die beiden die Unterwelt repräsentierenden Betten, in die sich die beiden Rivalinnen abwechslungsweise verkriechen. Ein roter Faden ist schwer auszumachen, da die einzelnen Szenen nur lose aneinandergereiht werden. Umso mehr konzentriert man sich auf die Emotionen, die bald tiefe Trauer und Schmerz, bald überschäumende Freude, unbändige Leidenschaft oder wilde Eifersucht ausdrücken, auch wenn sie nur häppchenweise dargeboten werden.

Ein Schauplatz mit Zukunft?

Es ist das erste Mal, dass im Chäslager eine Oper aufgeführt wurde, wobei diese hier aus Musik verschiedener Komponisten zusammengestellt wurde, was im Barock-Zeitalter ein gängiges Verfahren war. In einer Ecke der Dachkammer stand ein Steinway-Flügel, der am 16. März mit einem Klavierabend von Adrian Oetiker eingeweiht wird. Mausert sich das Chäslager Stans zu einem Ort für klassische Musik?

Fritz Schaub

kultur@luzernerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.