STANS: Zweiter Prototyp hebt bald ab

Seit knapp einem halben Jahr laufen die Flugtests mit dem PC-24. Die bisherigen Ergebnisse stimmen positiv. Doch noch ist der Weg zur Zertifizierung ein weiter.

Oliver Mattmann
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Der PC-24 bei seinem Jungfernflug im Mai auf dem Flugplatz Buochs. (Bild: Pilatus Flugzeugwerke)

Der PC-24 bei seinem Jungfernflug im Mai auf dem Flugplatz Buochs. (Bild: Pilatus Flugzeugwerke)

Oliver Mattmann

Gross war das Interesse, als der PC-24 zum ersten Mal vom Flugplatz Buochs abhob. Gegen 2000 Zaungäste und Mitarbeiter wollten sich die Premiere aus nächster Nähe ansehen. Das war im Mai. Inzwischen sind fünf Monate vergangen, und der erste Prototyp hat zahl­reiche Flugstunden absolviert. «Bereits über 100 Stunden», wie der aktuellen Ausgabe der Hauszeitung, der «Pilatus Post», steht. Mit den bisherigen Ergebnissen ist der Flugzeughersteller offenbar «äusserst zufrieden». Doch damit biegen die Tests mit dem neusten Juwel aus den Hallen der Pilatus-Flugzeugwerke noch lange nicht auf die Zielgerade ein. Im Gegenteil: «Vor uns lie­gen noch 2200 weitere herausfordernde Flugstunden», schreibt Verkaufsingenieur Axel Römer in der «Pilatus Post».

Gegenwärtig werden unter anderem Aerodynamiktests in der Luft durchgeführt. Speziell daran: Es kommen Wollfäden zum Einsatz. Diese werden auf die Tragflächen und an das Heckleitwerk des Düsenflugzeugs geklebt. Im Flugzeug sind Kameras installiert, die das Verhalten der Fäden festhalten. Bleiben diese eher ruhig, gibt es praktisch keine Verwirbelungen entlang der Tragflächen. Anders formuliert: Die Luft umströmt die Flügel gleichmässig. Wedeln die Wollfäden hingegen wild durcheinander, ist dies ein Zeichen für turbu­lente Luftströme, welche die Gefahr eines plötzlichen Strömungsabrisses erhöhen. Insgesamt bleiben die Wollfäden für diese Tests rund drei Monate am zweimotorigen Business-Jet, anschliessend werden Ingenieure die Videoaufzeichnungen auswerten.

Erste Auslieferung für 2017 geplant

Die restlichen Testflugstunden werden von insgesamt drei PC-24 bestritten. Zurzeit hebt Prototyp Nummer 1 noch als Einziger ab, doch er sollte laut «Pila­tus Post» schon bald Schützenhilfe erhalten. «Der Bau des zweiten Prototyps ist bereits weit fortgeschritten», heisst es darin. Der Erstflug sei auf Anfang November geplant.

Der PC-24 ist das erste Düsenflugzeug der Stanser Flugzeugwerke. Diese hatten sich bisher auf Propellermaschinen spezialisiert. Das 17 Meter lange Geschäftsflugzeug mit einer Höchstgeschwindigkeit von knapp 790 km/h soll auch auf Sand- und Schotterpisten landen können. Der Listenpreis für eine Maschine beträgt rund 8,9 Millionen US-Dollar, hiess es bei der Präsentation der neusten Errungenschaft im vergangenen Jahr. Noch eine Weile dauern wird es, bis die Zertifizierung des Flugzeugs und erste Auslieferungen an die Kunden erfolgen werden. Diese sind für das Jahr 2017 geplant.