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Stanser Einbahnsystem bleibt vorerst Geschichte

Die Gemeinde Stans gibt das Einbahnsystem nach nur einem Tag vorderhand auf. Der Versuch soll später wieder aufgenommen werden. Wann, kann die zuständige Gemeinderätin Sarah Odermatt noch nicht sagen.
Interview: Matthias Piazza
Florian von Rotz von der Gemeinde Stans räumt Signale des Einbahnsystems beim Karli-Kreisel weg. (Bild: Matthias Piazza, Stans, 9. August 2019)

Florian von Rotz von der Gemeinde Stans räumt Signale des Einbahnsystems beim Karli-Kreisel weg. (Bild: Matthias Piazza, Stans, 9. August 2019)

Ein Jahr lang hätte der Versuch eines Einbahnbetriebes für Autos auf der Robert-Durrer- und der Stansstaderstrasse in Stans laufen sollen. Beim Start des neuen Systems am Donnerstag brach der Feierabendverkehr in und um Stans komplett zusammen. Nun hat der Gemeinderat die Reissleine gezogen und den Versuch vorderhand gestoppt. Seit Freitag um 14.30 Uhr gilt wieder der normale Gegenverkehr. Die entsprechenden Schilder wurden mittags abmontiert. Für die Stanser Gemeinderätin Sarah Odermatt, welche massgeblich am Projekt mitgearbeitet hat, ist klar, dass dieser Einbahnversuch, wofür die Stanser im vergangenen November an der Gemeindeversammlung einen Kredit über 125'000 Franken bewilligten, dereinst wieder aufgenommen wird.

Warum wurde der Versuch nach nur einem Tag unterbrochen?

Gemeinderätin Sarah Odermatt. (Bild: Matthias Piazza, Stans, 8. August 2019)

Gemeinderätin Sarah Odermatt. (Bild: Matthias Piazza, Stans, 8. August 2019)

Sarah Odermatt: Wir können einen weiteren Tag mit einem solchen Verkehrskollaps wie am Donnerstag nicht verantworten. Da wir davon ausgehen mussten, dass dieser wieder eintritt, auch wegen des hohen Verkehrsaufkommens aufgrund der Sperrung der Axenstrasse und der A2-Baustelle am Lopper in Hergiswil, stellten wir wieder auf die gewohnte Verkehrsführung um. Diese Verkehrssituation vom ersten Versuchstag könnten wir nicht einfach aussitzen, denn ein funktionierendes Verkehrsnetz ist für Stans und die ganze Region essenziell.

Das Einbahnsystem wurde vom Volk, auch in sozialen Medien, heftig kritisiert. Trug dies auch zu, schnellen vorläufigen Abbruch bei?

Wir bekamen verständlicherweise viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Den Entscheid des vorläufigen Abbruchs fällten wir im Gemeinderat zusammen mit der Kantonspolizei und dem kantonalen Amt für Mobilität aufgrund unserer Erkenntnisse und der Beobachtungen am Donnerstag. Es kam ja nicht nur der Autoverkehr zum Erliegen, auch die Postautos konnten ihren Fahrplan nicht mehr einhalten und die Ambulanzfahrzeuge wurden behindert.

Sie verzichteten im Vorfeld auf Verkehrsmessungen. Hat sich das jetzt gerächt?

Das ist schwierig zu sagen. Es war ein bewusster Entscheid der Gemeindeversammlung, auf teure grossflächige Verkehrszählungen und Verkehrsmodelle zu verzichten. Interessant ist, dass diese eine Axensperrung ja nicht berücksichtigt hätten. Und nun zeigte sich eben, dass das Einbahnsystem dem Anspruch nicht genügt, der momentan aussergewöhnlichen Verkehrssituation standzuhalten.

Wie ist das weitere Vorgehen?

Wir analysieren nun diesen ersten Versuchstag, auch, indem wir die Zahlen der Verkehrszählungen auswerten, die die fixen Anlagen an verschiedenen Stellen der Kantonsstrassen beim Stanser Ortseingang lieferten.

Die Tafeln sind schon wieder abmontiert. Was ist mit den Strassenmarkierungen, welche die Einbahn signalisieren?

Sie werden mit roter Markierung überzeichnet, wie man das von Baustellen kennt. Die Velostreifen hingegen bleiben vorläufig.

Mit dem Ja der Gemeindeversammlung haben Sie einen Volksauftrag. Ist dessen Umsetzung nun gefährdet?

Momentan ist der Versuch unterbrochen. Wie wir weiter vorgehen, werden wir aufgrund der Auswertungen und Beobachtungen des Versuchstags und der Entwicklung der Verkehrssituation allgemein entscheiden.

Die Erkenntnisse des Einbahnversuchs fliessen in die Sanierung der Robert-Durrer-Strasse ein. Verzögert sich nun diese?

Nein, davon gehe ich nicht aus.

Das Einbahnsystem wurde vor allem eingeführt, um die Stansstader- und Robert-Durrer-Strasse für Velofahrer attraktiver und sicherer zu machen. Wurde das System diesem Anspruch gerecht?

Nach einem Tag Versuchsbetrieb ist es zu früh, um diese Frage zu beantworten. Zudem hatten wir eine so massive Verkehrsüberlastung, dass sich die Frage ja auch etwas erübrigt.

Der VCS will funktionierende Umfahrung

(mvr) «Es besteht das Risiko, dass das Einbahnsystem jetzt, wo die Autobahn für zusätzliche Probleme sorgt, abgeschossen wird. Das Risiko steigt, je negativer darüber geschrieben wird», sorgte sich Daniel Daucourt, Präsident des VCS Ob- und Nidwalden, am Freitag Morgen in einer Stellungnahme, als noch nicht bekannt war, dass das neue Regime sistiert würde. Er kann die Situation von seinem Arbeitsplatz nahe dem Bahnhof aus gut beobachten und berichtete, dass es «auch Tage zuvor schon unschöne Situationen gab, in denen man nur mehr schleppend durchs Dorf Stans kam». Den Mega-Stau vom ersten Tag des Einbahnregimes nur diesem System zuzuschreiben, wäre darum falsch.

Nach Bekanntwerden des Unterbruchs des Einbahnsystems teilte Daucourt mit, man verstehe den Entscheid und begrüsse ihn auch. «Aus unserer Sicht soll prioritär die Umfahrung von Stans über die Autobahn A2 am Laufen gehalten werden. Dies ist nicht nur für den motorisierten Feierabendverkehr von zentraler Bedeutung, sondern auch Voraussetzung für einen pünktlichen ÖV» (Bus von und nach Stans Bahnhof). Eine funktionierende Umfahrung via A2 bringe jene Entlastung, «die überhaupt einen flüssigen Autoverkehr durch Stans erlaubt und bildet somit auch eine Bedingung für die Wiederaufnahme der Testphase.»

Für den VCS Ob- und Nidwalden sei auf jeden Fall klar, dass hauptsächlich die Rahmenbedingungen zur «Chaosphase zwischen 17 und 19 Uhr» am Donnerstag geführt hätten «und nicht die Verkehrsführungsänderung selbst.» Das Einbahnsystem verdiene darum «definitiv eine weitere Chance.» Man sollte nicht nur von den zwei Stunden reden, in denen es Probleme gab, sondern auch von den 22 Stunden ohne Stau, findet Daucourt.

Postautofahrt dauerte zehnmal so lang

(map) Vom Verkehrschaos in und um Stans am Donnerstag waren auch die Postautos betroffen. «Wir hatten keine Möglichkeit, den Fahrplan auch nur annähend einzuhalten. Zwischen 16.30 und etwa 20 Uhr lief nichts oder fast nichts mehr», sagte auf Anfrage Postauto-Mediensprecher Urs Bloch. Statt 6 Minuten brauchte das Postauto von der Kreuzstrasse bis zum Bahnhof Stans 1 Stunde. Betroffen war auch die Linie Sarnen–Stans. So habe ein Fahrer beispielsweise gemeldet, dass er seit 30 Minuten in Ennetmoos stehe und keinen Meter vorwärtskomme.
Über den Unterbruch des Einbahnversuchs sei man erleichtert. «Unser oberstes Anliegen ist stets, unsere Fahrgäste sicher und pünktlich ans Ziel zu bringen», so Urs Bloch. «Gerne stellen wir unsere Beobachtungen bei Bedarf zur Verfügung, um gemeinsam mit den Behörden und Planern eine optimale Lösung zu finden.»

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