Stanser Musiktage, Jodlerkonzerte, GV's – das Corona-Virus verunsichert Nid- und Obwaldner Veranstalter 

Das Corona-Virus greift ins gesellschaftliche Leben ein. Die Durchführung vieler Anlässe steht auf der Kippe. Täglich viele Anfragen bei den Gesundheitsämtern.

Matthias Piazza
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Das Corona-Virus hat auch Nid- und Obwalden im Griff, auch wenn es hier bislang keine bestätigten Fälle gibt. Klar ist, dass Veranstaltungen ab 1000 Teilnehmern verboten sind. Das hat der Bund am vergangenen Freitag festgelegt. Die Weisung gilt vorderhand bis am 15. März. Bei kleineren Veranstaltungen entscheiden die Kantone selber. Die Drähte bei der Gesundheitsdirektion Nidwalden laufen heiss, wie Regierungsrätin Michèle Blöchliger sagt. «Wir haben viele Anfragen von Veranstaltern, die wissen wollen, ob sie ihr Jodelkonzert, ihre Generalversammlung oder sonst einen grösseren Anlass, den sie in den nächsten Wochen planen, durchführen sollen.»

Ob es für eine Veranstaltung grünes Licht gebe, entscheide man anhand verschiedener Kriterien. So spiele auch eine Rolle, ob der Grossteil der Besucher einer Risikogruppe angehöre. «Auch appellieren wir an die Eigenverantwortung. In unseren Überlegungen spielen die Hygieneeinrichtungen der Veranstalter eine Rolle, beispielsweise, ob genügend Waschbecken zum Händewaschen und geschlossene Abfalleimer bereitstehen. Aber auch, ob’s Namenslisten zwecks Rückverfolgbarkeit der Teilnehmer gibt.»

Täglich ein Dutzend Anfragen in Obwalden

Das Corona-Virus treibt auch die Obwaldner Veranstalter um. «Wir erhalten täglich ein Dutzend Anfragen», sagt dazu Patrick Csomor, Leiter des Obwaldner Gesundheitsamtes. «Wir versuchen zusammen mit den Veranstaltern das Risiko einer Ansteckung abzuschätzen und geben ihnen konkrete Verhaltenstipps. So empfehlen wir etwa die Zahl der Teilnehmer zu verkleinern oder Sitzplätze durch Stehplätze zu ersetzen und mehr Raum für die Besucher zu schaffen.»

Auch sollen die Besucher während der Veranstaltung öfters den Saal verlassen können, indem mehr Pausen gemacht werden. Und wer sich kürzlich in Norditalien oder sonst einem Risikogebiet aufgehalten habe oder unter Grippesymptomen wie Atembeschwerden, Husten oder Fieber leide, solle den Veranstaltungen fernbleiben.

Schon seit Freitag ist klar, dass das grosse Hallenschwinget Sarnen vom 8. März nicht stattfindet. Am Anlass sind normalerweise mehr als 1000 Personen anwesend.

Gefährdet sind auch die Stanser Musiktage, die vom 21. bis 26. April über die Bühne gehen sollen. «Wir beobachten die Entwicklung und sind im Austausch mit dem kantonalen Amt für Gesundheit. Für einen Entscheid ist es noch viel zu früh», sagt Co-Festivalleiterin Esther Unternährer. Unter anderem wolle man den besagten 15. März abwarten. Zwar fasse keiner der Säle 1000 Besucher. Die erwarteten 20000 bis 25000 Besucher würden sich auf mehrere Orte und sechs Tage verteilen. «Trotzdem ist eine Absage seitens des Kantons nicht ausgeschlossen, wenn sich herausstellen sollte, dass das Ansteckungsrisiko bei einer Durchführung zu gross wäre.»

Ob man auch dieses Jahr die Abendstimmung an den Stanser Musiktagen geniessen kann, ist noch offen.

Ob man auch dieses Jahr die Abendstimmung an den Stanser Musiktagen geniessen kann, ist noch offen.

Bild: André A. Niederberger (1. Mai 2019)

Wegen des Corona-Virus lasse man sich nicht aus der Ruhe bringen. «Die Vorbereitungen laufen unvermindert weiter. Die Künstler sind schon lange gebucht, das Hauptprogramm steht und auch das Programm der Gratiskonzerte wird bald veröffentlicht.»

Ticketkäufer gehen kein Risiko ein

Sie spüre keine dramatische Stimmung, so Unternährer. Dafür gebe es keinen Grund – auch nicht bei den Konzertbesuchern. «Wer an die Stanser Musiktage will, geht kein Risiko ein, wenn er im Vorverkauf Tickets erwirbt. Er erhält das Geld vollumfänglich inklusive aller Gebühren zurück, sollten die Musiktage ins Wasser fallen.» Was dies finanziell für den Verein Stanser Musiktage bedeuten würde, könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. «Um solche Fragen kümmern wir uns, wenn der Entscheid gefallen ist. Im Moment setzen wir unsere Ressourcen für die letzten Vorbereitungen ein», so Esther Unternährer.

Der Kägiswiler Frühlingsmarkt, der am 14. März stattgefunden hätte, wurde bereits abgesagt. «In der Festwirtschaft sowie an einzelnen Marktständen würden unter anderem auch Lebensmittel offen verkauft. Dieses Hygienerisiko wollten wir nicht eingehen bei gegen 1000 Marktbesuchern», meint dazu Christina Müller vom Frühlingsmarkt-OK. Den Entscheid habe man bewusst so früh gefällt, um den Schaden der über 20 Marktbetreiber möglichst klein zu halten.

Aufs Händeschütteln wird an den Schulen verzichtet

(map) Schüler und Lehrer in Nidwalden sind am Montag unter speziellen Vorzeichen aus ihren Fasnachtsferien zurückgekehrt. «Wir haben Lehrer, Schüler und auch ihre Eltern mit einem Schreiben zum richtigen Umgang sensibilisiert mit dem Virus», sagt Patrick Meier, Leiter des Amtes für Volksschulen und Sport Nidwalden.
Insbesondere verzichte man auf das Händeschütteln, eine Hygieneregel, die auch der Bundesrat am Montag zusätzlich erlassen hat und welche für die gesamte Schweizer Bevölkerung gilt. Sollte sich jemand aus dem Umfeld der Schule mit dem Corona-Virus anstecken, würde die Nidwaldner Gesundheits- und Bildungsdirektion zusammen mit der Schule die weiteren Schritte festlegen.
Amtsleiter Patrick Meier hofft, dass es nicht so weit kommt, zumal Schüler und Lehrer im Gegensatz zu älteren Leuten ja nicht zur Risikogruppe gehören würden.
Auch im Kanton Obwalden hat am Montag die Schule wieder regulär begonnen, ebenfalls mit klaren Verhaltensregeln. «Wir appellieren an die Schüler und Lehrer, die Verhaltensregeln zu befolgen – wie regelmässiges Händewaschen – und auf das Händeschütteln zu verzichten», sagt auf Anfrage Peter Gähwiler, Sekretär des kantonalen Bildungs- und Kulturdepartementes. Zudem stehe man mit den Schulleitungen in engem Kontakt. 

Für Veranstalter in Nidwalden: 0416187602, gesundheitsamt@nw.ch; Obwalden: 0416666458.