Stanser Orgelfeuerwerk als Sternstunde

Organist Philippe Despont aus Fribourg entpuppte sich in der Pfarrkirche als Meister der Improvisation.

Kurt Liembd
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Philippe Despont aus Fribourg bewies in der Stanser Pfarrkirche sein Können.

Philippe Despont aus Fribourg bewies in der Stanser Pfarrkirche sein Können.

Bild: Kurt Liembd (Stans, 1. August 2020)

Wenn an andern Orten Feuerwerke knallen, gibt es in Stans schon seit 19 Jahren eine besinnlichere Form der 1.-August-Feier: Ein Orgel-Feuerwerk in der Pfarrkirche mit anschliessendem Apéro auf dem Dorfplatz. Zu Gast war Philippe Despont aus der Westschweiz. Der 56-jährige Despont ist Organist in der grossen Kathedrale von Fribourg und unterrichtet Orgel, Cembalo und Generalbass an der Musikhochschule in Genève. Seine Forschungen zu Basso Continuo und Improvisation führten ihn zu Experimenten im Bereich Barock und zeitgenössischer Musik, ja sogar zu Jazz, Deklamation und Choreografie.

So war es nicht verwunderlich, dass sein Konzert zum 1.August zu einem musikalischen Feuerwerk in allen Formen und Schattierungen geriet mit einem unendlichen Reichtum an Klang und Variationen. Mal klang die Musik leise und weit entfernt, dann spürte man wieder die ganze Klangkraft und das volle Potenzial der Stanser Chororgel.

«Es war eine musikalische Sternstunde», brachte es Judith Gander nach dem Konzert auf den Punkt und strahlte übers ganze Gesicht. Sie muss es wissen, denn Judith Gander ist Stanser Hauptorganistin und eine der Organisatoren dieses Konzerts.

So wie Judith Gander erging es fast allen Konzertbesuchern, wie beim anschliessenden Buirä-Apéro auf dem Dorfplatz rundum spürbar war.

Mit Corona-bedingten Abständen war die Stanser Pfarrkirche voll besetzt.

Mit Corona-bedingten Abständen war die Stanser Pfarrkirche voll besetzt.

Bild: Kurt Liembd (Stans, 1. August 2020)

Nidwaldner Hymne darf nicht fehlen

Das beeindruckendste Erlebnis bei Philippe Desponts Vorträgen bildeten zwei grosse Improvisationen, die eine im barocken Stil, die andere als freie Fantasie nach Skizzen von Jacques Vogt (1810–1869), dem legendären Titularorganisten der Kathedrale Fribourg. Vogts Skizzen tragen auch den Namen «Gewitterfantasie», was dem Organisten erlaubt und ermöglicht, seine ganze Fantasie und sein professionelles technisches Können zu entfalten.

Dies tat Philippe Despond äusserst beeindruckend und bewies dabei eine fast unheimliche Flexibilität beim Registrieren (43 Register), was er ganz allein ausführte. In diesem komplexen Klanggemälde ertönte plötzlich der «Ranz des Vaches» (Freiburger Kuhreihen) und zur Freude des Publikums gar die Nidwaldner Hymne von Heinrich Leuthold. Spontan erhob sich das Publikum und sang mit, als der Künstler sogar den Schweizer Psalm in seine Improvisationen einbaute. Nebst den Improvisationen bewies Despont auch viel Flair für Barock und Klassik mit dem «Rondo in C» von Carl Philipp Emanuel Bach, einer der Bachsöhne. Speziell daran war, dass er dieses Rondo auf dem kleinen Orgelpositiv ganz vorne in der Kirche spielte. Beeindruckend erwies sich ebenso das «Capriccio in G» von Joseph Haydn mit dem menuettartigen Thema und den Variationen und kontrapunktischen Mitteln dazu.

Improvisation passte zum Zeitgeist

Die Improvisationen passten perfekt zur aktuellen Zeit. «Improvisation ist gerade in der Coronazeit ein vertrautes Wort», sagte Gemeinderat Markus Elsener in seiner Ansprache. So vieles laufe nicht nach Programm, immer wieder müsse improvisiert werden. «Improvisation kann anstrengend sein, macht das Leben aber auch vielfältig und spannend und lässt Neues entstehen», so Elsener. Entsprechend nützte dies der Künstler als faszinierendes Ausdrucksmittel in der Musik.

Zur besinnlichen Stimmung des Konzertes beigetragen hat zudem ein kurzes Segensgebet für Volk und Land mit Pfarrerin Silke Petermann und Martino Bosoppi-Langenauer.