Stanser setzt als Architekt Zeichen in Berlin

Philipp von Matt ist Mitglied des illustren Bundes deutscher Architekten. Das Nidwaldner Museum stellt ihn vor.

Romano Cuonz
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Denkmalpfleger Gerold Kunz (rechts) stellt im Nidwaldner Museum den in Berlin bekannt gewordenen Stanser Architekt Philipp von Matt (links) vor.

Denkmalpfleger Gerold Kunz (rechts) stellt im Nidwaldner Museum den in Berlin bekannt gewordenen Stanser Architekt Philipp von Matt (links) vor.

Bild: Romano Cuonz (Stans 9.September 2020)

«Die architektonischen Impulse aus der Schweiz sind in Berlin angekommen», stellt der Nidwaldner Denkmalpfleger Gerold Kunz fest. Im Auge hat er dabei vorab auch Arbeiten, die der in Stans geborene Philipp von Matt in der deutschen Metropole zur Zeit des Umbruchs nach dem Mauerfall realisiert hat. Als Kunz erfuhr, dass Philipp von Matt in den renommierten Bund Deutscher Architekten (BDA) aufgenommen würde, nahm für ihn eine Idee konkrete Formen an. Der in Berlin tätige und so ausgezeichnete Nidwaldner sollte auch in seiner Heimat vorgestellt und seine Arbeiten bekanntgemacht werden.

«Nun, ein knappes Jahr nach einem persönlichen Zusammentreffen mit Philipp von Matt, zeigt das Nidwaldner Museum eine erste Werkschau von ihm», freut sich Gerold Kunz. Mit dieser Ausstellung, die er selber kuratiert hat, setzt Kunz in Nidwalden eine 2015 begonnene Reihe von Architekturausstellungen fort. Einheimische Architekten mehrerer Generationen – etwa Sepp Kaiser, Arnold Stöckli, Hans Reinhard, Claus Niederberger oder Urs Vokinger – hatten in Deutschland studiert oder gearbeitet. Dabei hatten sie wichtige Impulse für ihr späteres Bauen auch in Nidwalden geholt. Sepp Kaisers wunderschöne Stanser Mettenwegkapelle ist da nur ein Beispiel. Bei Philipp von Matt ist es gerade umgekehrt. «Fernab der Heimat ist ein Werk entstanden, das auf intelligente Weise Erfahrungen und Erinnerungen mit der lokalen Innerschweizer Baukultur zu etwas Neuem verarbeitet», anerkennt Kunz.

Ein Architekt baut für die Kunst

Philipp von Matt erwarb seine architektonischen Kenntnisse, nach einer vorgängigen Berufslehre als Bauzeichner, bei Markus Boyer, Walter Rüssli und Werner Hunziker in Luzern. Später dann auch bei Jean Nouvel in Paris. Architektur und Kunst verbinden sich beim 52-jährigen Philipp von Matt so intensiv wie bei kaum einem seiner Zeitgenossen.

Das ist auch biografisch bedingt. Zu seinen Vorfahren zählen das Künstlerpaar Hans und Annemarie von Matt oder der Fotograf Leonard von Matt. Vor allem aber lebt und arbeitet Philipp von Matt seit Jahren mit der international bekannten, japanischen Künstlerin Leiko Ikemura zusammen. «In Nidwalden stelle ich auch ein Atelierhaus vor, das ich für sie in Berlin auf der Schnittstelle zwischen Ost und West, dort wo einst die Mauer verlief, realisiert habe», sagt von Matt. In der Tat: Dieses und ein weiteres Künstlerhaus, deren ungewohnt eigenwillige Tonmodelle einem sofort in die Augen springen, bilden in der gegenwärtigen Ausstellung einen Schwerpunkt. So ganz anders als übliche zeittypische Berliner Bauten sind sie. Der renommierte Stadtplaner und Professor Matthias Sauerbruch etwa erkennt in der Zusammenarbeit der Künstlerin und des Architekten Bezüge zu ihren Herkunftsländern Japan und der Schweiz. Beim Betreten des Hauses Ikemura-von Matt begegne man einem zeninspirierten Innenhof mit beinahe klösterlicher Atmosphäre. Das Material aber, das mit grosser Liebe zum Detail und viel Bewusstsein für die Benutzung verarbeitet sei, erinnere umgehend an die unprätentiöse Einfachheit traditioneller Häuser in den Schweizer Bergen.

Ausstellung gibt Eindruck der Monumentalität

Mit der Ausstellung gewährt von Matt – vor allem auch mit einer Videoprojektion – ganz allgemein Einblick in sein vielfältiges Schaffen, das er mit der Beschaulichkeit eines Nidwaldners in der pulsierenden Grossstadt Berlin entwickelt hat. Einen gewichtigen Platz nimmt dabei die Ausstellungsarchitektur ein. Der gebürtige Stanser hat grosse Ausstellungen in Deutschland, Frankreich, Holland, Japan, den USA und der Schweiz gestaltet. Im Winkelriedhaus gewinnt man einen Eindruck der Monumentalität solcher Projekte. Insbesondere wenn man Ikemuras Ausstellung im National Art Center Tokyo mit einer Fläche von 2000 Quadratmetern begegnet. Dafür wurde der Künstlerin – und mit ihr auch dem Gestalter – der japanische Staatspreis verliehen. Die Werkschau in Stans wird zur Begegnung und zur Entdeckung eines Einheimischen in der Ferne. Von Vorteil ist es, wenn man sich Zeit für eine intensive Auseinandersetzung nimmt. Deswegen gibt es im Ausstellungsraum auch eine Sitzbank auf der man in aller Ruhe das informative Begleitheft oder Bücher über von Matt und Ikemura studieren kann.

Hinweis

Ausstellung Philipp von Matt – Architekt Berlin im Museum Winkelriedhaus. 12. September 2020 bis 7. Februar 2021. www.nidwaldner-museum.ch.