Stanser vollziehen an der Gemeindeversammlung umstrittene Galgenried-Umzonung

Das Areal im Galgenried wird von der Industrie- in die Gewerbezone umgezont. Trotzdem bleiben Fragen offen. Es geht um eine Aufbereitungsanlage für mineralische Stoffe.

Matthias Piazza
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Im Galgenried soll neben dem Benpac-Gebäude eine Aufbereitungsanlage für mineralische Stoffe wie etwa Kies entstehen.

Im Galgenried soll neben dem Benpac-Gebäude eine Aufbereitungsanlage für mineralische Stoffe wie etwa Kies entstehen.

Bild: Matthias Piazza (Stans, 12. März 2020)

Der Entscheid war eindeutig. Die Stimmenzähler brauchten nicht einmal ihres Amtes zu walten. Als der Stanser Gemeindepräsident Lukas Arnold über den Antrag zur Umzonung eines rund 35'000 Quadratmeter grossen Areals im Galgenried abstimmen liess, schnellten viele Hände in der nicht ganz vollen Turmatthalle in die Höhe. Eine grosse Mehrheit der rund 300 Stanser, die an der wegen Corona erst am Mittwochabend abgehaltenen Frühlingsgemeindeversammlung teilnahmen, will, dass das Areal, statt in der Industrie-, künftig in der Gewerbezone liegt.

Hinter der Zonenplanänderung stehen drei Stanser Bürger. Diese reichten 2017 eine Planungsinitiative mit genau diesem Zweck ein: Der Gemeinderat soll eine Vorlage für die Umzonung ausarbeiten. Damit soll der Bau einer Aufbereitungsanlage, vor allem für mineralische Stoffe wie Kies, Aushub und Beton, verhindert werden, welche die Zimmermann Umweltlogistik auf diesem Areal plant. Denn eine solche passt laut Initianten überhaupt nicht in dieses Gebiet. Die Gemeindeversammlung stimmte 2017 dem Antrag zu.

Industriezone sei unangemessen

Walter Odermatt, einer der drei Initianten und von Mitte 2012 bis 2016 Stanser Gemeinderat, führte in seiner Wortmeldung vor der Abstimmung vor allem zwei Gründe ins Feld für eine «massvolle Umzonung», wie er es nannte: «Eine Reduktion der Immissionen wirkt sich positiv für Raum und Umwelt aus. Zudem beherbergt ein zonenkonformes modernes Gewerbegebäude eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung für innovative Betriebe. Ins Galgenried passt keine Industriezone mit derartigen Immissionen, die eine Aufbereitungsanlage mit sich bringen würde.» Ein weiterer Bürger äusserte sich ähnlich. Aus heutiger Sicht sei eine Industriezone im Galgenried völlig unangemessen, eine Umzonung tue darum not.

Vor der eigentlichen Abstimmung zur Umzonung wiesen die Stanser mit 165 zu 60 Stimmen auch die nicht gütlich erledigte Einwendung ab, welche Zimmermann Umweltlogistik AG, Buochs, und die Grapha Immobilien AG, Hergiswil, als Grundstücksbesitzerin im vergangenen Jahr eingereicht hatten. Im Wesentlichen wurde sie damit begründet, dass die Umzonung einzig und alleine erfolgen solle, um die Lagerung und Aufbereitung von mineralischen Stoffen in diesem Gebiet zu verunmöglichen.

Nun muss das Verwaltungsgericht entscheiden

Wer nun denkt, mit der Umzonung sei der Bau einer solchen Anlage neben dem Gebäude der Benpac-Gruppe (ehemals Müller Martini) definitiv vom Tisch, wurde am Mittwochabend von Gemeinderat Martin Mathis eines Besseren belehrt: «Der Gemeinderat ist der Meinung, dass das Lagern und Aufbereiten mineralischer Stoffe auch nach der Umzonung zonenkonform und bewilligungsfähig ist.» Doch gegen die vom Gemeinderat schon erteilte Baubewilligung war eine Einsprache eingegangen, welche von Gemeinde- und Regierungsrat abgewiesen und vom Einsprecher weitergezogen wurde. Der Entscheid des Verwaltungsgerichts ist hängig.

Auf den Standpunkt des Gemeinderates stellt sich auch Reto Zimmermann, Geschäftsführer der Zimmermann Umweltlogistik AG. «Wir halten an unserem Projekt fest. Die Baubewilligung ist auch in der neuen Zone gültig», sagte er auf Anfrage. Nun gelte es einfach, noch den Entscheid des Verwaltungsgerichts und allenfalls des Bundesgerichtes abzuwarten, bevor man mit dem Bau beginnen könne.

Er begründet das Vorhaben damit, dass er am jetzigen Standort in Buochs aus Platzgründen nur sehr wenige Materialien verarbeiten könne und es trotz intensiver Suche unmöglich scheine, in Nidwalden geeignetes Bauland zu finden. «Wir leisten einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz. Deshalb sind wir nach wie vor überzeugt, dass es in Nidwalden eine solche Anlage braucht.»

Rechnung genehmigt und Gemeindepräsident verabschiedet

Als weiteres Traktandum wurde die Rechnung genehmigt, welche bei einem Ertrag von 40,4 Millionen Franken mit einem Gewinn von 2,3 Millionen Franken abschliesst.

Am Schluss der Gemeindeversammlung wurde es noch feierlich, trotz des coronabedingt abgesagten Apéros. Unter grossem Applaus verabschiedete der Gemeinderat Gregor Schwander, der Ende Juni nach zwölf Jahren im Gemeinderat – davon vier Jahre als Präsident – zurücktrat.

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