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STANSERHORN: Das Herz führt ihn weg vom Stanserhorn

Am Sonntag ist Schluss mit der Saison und mit der Ära von Küchenchef Andreas Keller. Nach 15 Jahren Aufbauarbeit sucht er eine neue Erfüllung.
Rosemarie Bugmann
Steht nicht mehr lange an den Töpfen: Andreas Keller, Küchenchef auf dem Stanserhorn. (Bild Rosemarie Bugmann)

Steht nicht mehr lange an den Töpfen: Andreas Keller, Küchenchef auf dem Stanserhorn. (Bild Rosemarie Bugmann)

Rosemarie Bugmann

Er steht in der offenen Küche und rührt in einer grossen Pfanne. Gebrannte Creme ist angesagt. «Auch als Küchenchef stehe ich täglich an den Töpfen», sagt Andreas Keller. Oft wird er es in der Küche des Rondorama nicht mehr tun, denn am Sonntag ist sein letzter Arbeitstag. Dies nach fünfzehn Jahren auf dem Stanserhorn. Wie kommt das? Er denkt sehr lange nach und fängt an zu erzählen von seinen Anfängen auf dem Stanser Hausberg. 2001 wurde das Rondorama eröffnet, im gleichen Jahr hat er seine Stelle angetreten, zuerst als Koch, dann als Küchenchef. Gleichzeitig fand ein Leitungswechsel in der Gastronomie statt, und neu kam ein Gastroleiter. Damit wurde auch die Strategie gewechselt.

Ein Pionier, der gerne aufbaut

«Das Stanserhorn ist für mich eine Perle», schwärmt Keller. Warum also die Kündigung Ende 2014? «Eben deswegen», ist seine Antwort. Ein Widerspruch? Keineswegs, das wird im Laufe des Gespräches klar. «Ich bin eine Art Pionier, baue gerne etwas mit auf», sagt er. Von der ersten Stunde an habe er Strategien, Visionen, Konzepte entwickelt, zusammen mit der Geschäftsleitung und dem Gastroleiter Robert Schuler. Nun läuft der Betrieb sehr gut geradeaus. «Jetzt braucht es neuen Wind», stellt Keller fest. Nicht nur für das Rondorama, auch für ihn selber. «Mein Herz und Gefühl sagen mir, dass es Zeit für etwas Neues ist.» Was könnte das sein? «Keine Ahnung, ich bin offen für alles.»

Tag beginnt mit dem ersten Grüezi

Der 56-Jährige lächelt. Meistens aber ist sein Gesicht ernst. Er spricht leise und wohl überlegt, erzählt von seinen fünfzehn Jahren auf dem Berg. Es sei eine strenge Zeit während der Saison von Mitte April bis Mitte November. Viele Stammgäste kämen regelmässig, zum Beispiel die Gämsbeobachter, auch «Eisheilige» genannt. Das sind Einheimische, die bei jedem Wetter mit der ersten Bahn aufs Horn kämen. «Beim ersten ‹Grüezi› wusste ich, dass der Tag anfängt», sagt Keller. Gab es auch spezielle Begegnungen, die man nie vergisst? Er denkt nach. Ja klar, mittlerweile kenne er sehr viele Leute. Neben den erwähnten Stammgästen sind es auch solche, die immer wieder das Candle-Light-Dinner am Freitag- oder Samstagabend besuchen. Natürlich geht ein grosser Teil dieses Erfolges auch auf die Kappe des Küchenchefs. «Manchmal sass ich stundenlang am Computer und habe die Rezepte ausgetüftelt», erinnert sich Keller. Das machte er jeweils zu Hause in Oberdorf. Wenn er spricht, schimmert ein Ostschweizer Dialekt durch. «Ich bin in Winterthur aufgewachsen», so die Erklärung. Seine Frau sei von hier. Die beiden Töchter sind erwachsen und gehen eigene Wege. Wohin seine Wege führen, weiss Keller zurzeit nicht. «Irgendwo wird es schon ein Plätzli für mich haben.»

Magronen in Mumbai

Plötzlich erinnert er sich doch noch an eine sehr spezielle Begegnung mit einem indischen Paar, das in Mumbai unter anderem ein Schweizer Restaurant führt. Sie wollten unbedingt das Rezept von den Älplermagronen haben. Keller hat es ihnen gegeben, und es entstand ein intensives Gespräch über die Gastronomie. «Sie wollten mich auf der Stelle für ihr Restaurant engagieren», erinnert sich der Küchenchef lächelnd. Damals war die Zeit dazu nicht reif. Ist sie es heute? «Wer weiss?» Die Frage bleibt offen. Was auffällt, Keller spricht viel von seinem Herzen: Der Aufbau des Rondorama war eine Herzensangelegenheit, sein Engagement hat viel Herzblut gekostet, als Chef des Küchenteams hat er versucht, mit gutem Herzen streng zu sein. «Laut bin ich nicht», stellt er treffend fest. Sie seien alle wie eine Familie hier.

Das Kochsein bleibt

Dass er Koch werden wollte, wusste er schon als Kind. Etwas anderes war nie ein Thema. Damit ist eines klar: Er wird irgendwann, irgendwo wieder als Koch arbeiten. «Ich habe geträumt, dass ich mit dem Fallschirm eine Punktlandung mache», sagt Keller zu seiner Zukunft. Und: «Es ist etwas in meinem Herzen, das mir sagt, dass noch etwas kommt.» Damit ist auch die Eingangsfrage nach dem Grund seiner Kündigung definitiv beantwortet. Es ist sein Herz, das ihm den Schritt vorgegeben hat. Einmal mehr hat er darauf gehört.

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