STANSERHORN: Das Stanserhorn verschärft den Blick

Die ersten Bilder der Gipfel-Webcam vor 20 Jahren auf dem Kabelfernsehen waren ein Novum. Nun wird die Qualität verbessert.

Philipp Unterschütz
Merken
Drucken
Teilen
Unten grau, oben (fast) blau: Blick vom Stanserhorn zur Rigi. (Bild: PD)

Unten grau, oben (fast) blau: Blick vom Stanserhorn zur Rigi. (Bild: PD)

Philipp Unterschütz

Weitsicht vom Stanserhorn lieferten ab 1995 die ersten Fernsehbilder auf dem damaligen Kabelfernsehen. Und Weitsicht hatte es auch gebraucht, um das Projekt überhaupt umzusetzen. Heute, im Internet-Zeitalter, sind Webcams eine Selbstverständlichkeit im Tourismus-Marketing. Vor 20 Jahren war das noch anders. Die Kamera auf dem Stanserhorn war die erste Panorama-Fernsehkamera der Zentralschweiz. Die Bilder wurden per Richtstrahlantenne über den See nach Luzern übertragen und auf dem Infokanal des damaligen Kabelfernsehnetzes der Rast und Fischer AG verbreitet. Was für die Infokanäle der Kabelfernsehen eine wichtige Attraktivitätssteigerung war, trug auch zum Siegeszug der Gipfelkameras bei.

Gestochen scharfe Bilder

Ab Samstag, 24. Oktober, werden die Panoramabilder vom Stanserhorn deutlich besser. Um etwa 9.30 Uhr wird nämlich in einer kleinen Zeremonie eine neue Kamera aufgeschaltet. Diese nimmt dank HD-Qualität (High Definition) gestochen scharfe Bilder auf, was insbesondere am Fernsehen sichtbar wird. Damit liefert das Stanserhorn zwar keine Neuheit mehr, gehört aber dennoch zu den ersten in der Region, die auf den HD-Standard aufrüsten. Titlis, Brunni und Rigi-Rotstock senden bereits HD-Bilder.

Demnächst folgt auch die Klewenalp. Laut Direktor Jürg Balsiger investiert die Stanserhorn-Bahn rund 25 000 Franken in die neue Technik. «Nicht nur die Kamera wurde ersetzt, sondern es wurden auch neue Glasfaserkabel verlegt und die ganze Aussenelektronik ersetzt.» Damit sei man technisch wieder auf dem neusten Stand, was auch der Verlässlichkeit zugutekomme. «Neu gibt es zudem eine Fernbedienung, mit der man die Kamera von den Büros in Stans aus bedienen kann, ausserdem wurden auch die Aufnahmegeräte ins Tal verlegt», ergänzt der Projektverantwortliche Peter Soland von der Firma Soland Media AG.

Die Idee entstand im Nebel

Entstanden war die Idee einer Gipfelkamera vor 20 Jahren im grauen Nebel eines Herbsttages. Peter Soland, damals noch Mitarbeiter in Leo Fischers Rast und Fischer AG in Luzern, fragte sich, wohin er wohl an die Sonne flüchten könnte. «Ich dachte mir, dass ich sicher nicht der Einzige war, der sich das überlegte. Und dass es doch toll wäre, wenn man sich am Fernsehen selber ein Bild machen könnte.» Die Idee war geboren, noch fehlte aber die Erfahrung. Doch Leo Fischer und Robert Ettlin, der damalige Direktor der Stanserhorn-Bahn, bewiesen Weitsicht und setzten das Projekt um. «Das Einzige, was Leo Fischer verlangte, waren professionelle Bilder», erinnert sich Peter Soland. Die ursprüngliche Idee, die Kamera auf dem Pilatus zu realisieren, hatte man fallen lassen, weil aufgrund des Gebirges keine 360-Grad-Panoramabilder möglich waren. So installierte Peter Soland für 84 000 Franken, bezahlt von der Rast und Fischer AG, die Kamera, eine Wetterstation und die gesamte Technik auf dem Stanserhorn.

Dass die Bilder offensichtlich einem Bedürfnis entsprachen, zeigte sich laut Peter Soland schnell. «Weil es anfänglich ab und zu Ausfälle wegen Überspannungen gab, hatten wir Kunden, die reklamierten, dass sie deswegen die Gebühren fürs Kabelfernsehen nicht mehr zahlen würden.» Die Bilder der Gipfelkamera seien bis heute tatsächlich von enormem Nutzen, ist Jürg Balsiger überzeugt. «Die Clicks auf unserer Webseite zeigen, dass der Teil mit den Kamerabildern der weitaus beliebteste ist.» Man könne damit ein berechtigtes Kundenbedürfnis erfüllen. «Wenn das Wetter für gewisse Kunden mal zu schlecht erscheint und sie deswegen nicht kommen, ist das richtig so. Wir wollen ja nicht etwas vorgaukeln, was nicht ist.»

Kamera zeigt auch Ungewolltes

Doch die Kamera lieferte auch schon andere Ansichten als nur das beliebte Panorama. Einmal gabs auch Probleme. «Die Bilder zeigten einen Mann mit seiner Freundin, und seine ahnungslose Ehefrau zu Hause bekam das mit. Da wurden wir mit Vorwürfen konfrontiert», erzählt Jürg Balsiger. Ausserdem sei einmal kurzzeitig eine Spinne auf dem Glas vor der Kamera gesessen, wodurch Bilder eines überdimensionalen «Monsters» übermittelt worden seien. Oder vor einigen Jahren hätten verschiedene Personen gesehen, wie im Winter ein Luchs vor der Kamera vorbeispazierte.