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STANSERHORN: Die Aussicht fasziniert seit jeher

Vor bald 125 Jahren entstanden die Stanserhornbahn und das Hotel auf dem Stanser Hausberg. Die Bahn und das Hotel erlebten eine wechselvolle Geschichte.
Martin Uebelhart
Touristen bewundern die Aussicht vom Stanserhorn mit einem Fernrohr. Das Bild dürfte in den 40er- oder 50er-Jahren entstanden sein. (Bild: Sammlung Christoph Berger/PD)

Touristen bewundern die Aussicht vom Stanserhorn mit einem Fernrohr. Das Bild dürfte in den 40er- oder 50er-Jahren entstanden sein. (Bild: Sammlung Christoph Berger/PD)

Martin Uebelhart

martin.uebelhart@nidwaldnerzeitung.ch

Die Aussicht, die überwältigende Rundsicht, hat die Leute schon vor über 125 Jahren aufs Stanserhorn gelockt. Schon damals blickte man durch Fernrohre und entdeckte das Bergpanorama. Der Tourismus sah allerdings damals ganz anders aus als heute. Einer, der sich auskennt wie kaum ein anderer, ist Christoph Berger. Er wuchs in Stans auf und lebt heute in Disentis. Er hat mit 20 Jahren sein erstes Buch über das Tram Stansstad–Stans geschrieben. Später verfasste er ein Büchlein über die Stanserhornbahn und war an weiteren beteiligt.

«Die Bedürfnisse der Gäste um die vorletzte Jahrhundertwende herum waren ganz anders», erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung. «Die Leute wohnten damals in verrauchten und schwefligen Industriestädten und kamen in die Schweiz, um Luftkurorte zu besuchen.» Selbst Buochs – heute direkt an der Autobahn gelegen – habe als Luftkurort gegolten. Auch Waldspaziergänge seien beliebt gewesen. «Ursprünglich wollte man das Hotel auf dem Stanserhorn in der Bluematt bauen, damit die Gäste spazieren können.»

Beleuchtung rückte Bahnen ins rechte Licht

Bergbahnen und Hotels lagen damals im Trend. In den Jahren vor 1893, als die Einrichtungen auf dem Stanserhorn den Betrieb aufnahmen, waren unter anderem Bahnen auf die Rigi und auf den Pilatus entstanden. Doch wie kam es dazu, dass auf das Stanserhorn eine Bergbahn und auf dem Berg ein Hotel gebaut worden waren? Dazu kennt Berger eine Geschichte, für die allerdings bis jetzt ein schriftlicher Beleg fehle: «Franz-Josef Bucher-Durrer hätte gerne im Verwaltungsrat der Pilatusbahn Einsitz genommen, doch das wurde ihm verwehrt. Aus Wut darüber hat er dann auf dem Stanserhorn gebaut.» Plausibler sei ein Blick auf die Orte, wo seine Hotels standen. «Er hatte das Hotel Europe in Luzern gepachtet und das ‹Palace› gebaut. Von dort aus sieht man die Rigi und den Pilatus – und das Stanserhorn.» Bucher-Durrer habe seine Anlagen beleuchtet, erzählt Berger. «Man sah den Bürgenstock und den Hammetschwandlift und das ganze Trassee der Bahn auf das Stanserhorn.» Da damals die Lichtverschmutzung noch kaum ein Thema war, seien diese Effekte umso besser zur Geltung gekommen. 1895 habe er noch eins draufgesetzt und den Hotelgästen einen Scheinwerfer zur Verfügung gestellt. «Damit konnten sie die Berge anleuchten.»

In den ersten Jahrzehnten waren es vor allem sehr wohlhabende Leute, die das Stanserhorn besuchten. Die «Hotelzeitung» berichtete 1895: «Im Hotel Stanserhorn sind seit einigen Tagen Mr Le Marquis et Mme Marquiese Guglielmi mit Gefolge von Rom zu längerem Aufenthalte abgestiegen.» Dass die Fahrt auf das Stanserhorn Luxus war, unterstrichen auch Zahlen: 1893 kostete ein Retourbillett 8 Franken, der Tagesverdienst eines Maschinisten lag bei 2 Franken. Die Herberge auf dem Stanserhorn galt ebenfalls als Luxushotel. «Geworben wurde mit dem Satz: ‹Elektrisches Licht inbegriffen.› Das war eine Sensation.» Gleichwohl hat Berger bei seinen Recherchen über das Stanserhorn herausgefunden, dass es pro Etage lediglich ein Plumpsklo gab und im ganzen Hotel nur eine Treppe.

Überleben der Bahn war nicht gesichert

Das Segment der Luxusgäste brach mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 weg. «In vielen Hotels wurden internierte ausländische Soldaten untergebracht», sagt Christoph Berger.

Nach dem Krieg habe man langsam wieder begonnen. Mit den Jahren habe man sich immer mehr am Billigsegment orientiert. «Zwischen 1960 und 1970 gab es im Hotel sogar ein Massenlager, und man versuchte, das Stanserhorn für Schulreisen attraktiv zu machen.»

1970 brannte das Hotel bis auf die Grundmauern nieder. «Rentiert hat es damals bereits nicht mehr», weiss Berger. Genauso wie zahlreiche andere Hotels in den Bergen. Und abgebrannt ist auch das eine oder andere. Während bei manchen wohl etwas nachgeholfen worden war, führte auf dem Stanserhorn nachweislich ein Blitzschlag zur Brandkatstrophe. «Aber auch ohne Brand hätte es auf dem Stanserhorn Änderungen gebraucht», ist Christoph Berger überzeugt. Zum Beispiel ein Selbstbedienungsrestaurant. Und schon vor dem Brand habe man sich vermehrt auf den Tagestourismus eingestellt, etwa mit dem Angebot von Lunchpaketen. Wäre das Hotel stehen geblieben und hätte sich ein Investor gefunden, hätte der Bau möglicherweise zu neuer Blüte gefunden, mutmasst Berger. Beispiele dafür gebe es genug, etwa das Hotel Honegg.

Am Stanserhorn war nach dem Brand nicht einmal klar, ob die Bahn erhalten werden kann. «Über einen Neubau hat man sich schon zuvor Gedanken gemacht», sagt Christoph Berger. Er sei nötig gewesen, um eine neue Konzession zu erhalten. Der Betrieb der drei Sektionen der Standseilbahn war sehr personalintensiv. Schliesslich baute man 1974/75 als Ersatz für die oberen beiden Sektionen eine Pendel-Luftseilbahn. Und dass auf der unteren Sektion heute noch eine der ältesten Standseilbahnen praktisch im Originalzustand verkehre, sei dem Umstand zu verdanken, dass der Stanserhornbahn seinerzeit schlicht das Geld fehlte, um etwas Neues zu bauen, hält Berger fest.

«Stehenbleiben ist Rückschritt», sagt er mit Blick auf die beiden letzten Jahrzehnte. «Man muss den Leuten immer wieder etwas Neues bieten.» So wurde 2001 das Drehrestaurant eröffnet, 2012 folgte die erfolgreiche Cabrio-Bahn. «Einfach nur eine neue Bahn zu bauen, wäre langweilig gewesen. Mit der Old­timer-Standseilbahn und der Weltneuheit Cabrio beginnt das Erlebnis schon bei der Talstation.»

Und die Aussicht ist noch genauso berauschend wie im Jahr 1893.

Hinweis

Christoph Berger steuert den historischen Teil zu einem neuen Buch über das Stanserhorn bei. Das Buch, das sich als Zeitdokument versteht, wie sich das Stanserhorn heute präsentiert, erscheint im Verlag von Matt, Stans. Die Buchvernissage findet am 12. November an der «Uistrinket» auf dem Stanserhorn statt.

In unserer Sommerserie «Das alte Bild» stellen wir in loser Folge historische Fotografien vor und blicken auf die Geschichten dahinter.

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