STANSERHORN: Nidwaldner Obergericht bestätigt Schuldspruch gegen Bahnmitarbeiter

Das Nidwaldner Obergericht bleibt dabei: Ein Mitarbeiter der Stanserhorn-Bahn hätte den Lawinentod eines Baggerführers 2012 verhindern können. Es hat den Mann am Dienstag erneut wegen fahrlässiger Tötung für schuldig gesprochen.

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Am 24.02.2012 ereignete sich im Gebiet Bluematt/Chalcherli am Stanserhorn ein Lawinenniedergang. Dabei wurde ein 33-jähriger Mann verschüttet und getötet. (Bild: Kantonspolizei Nidwalden)

Am 24.02.2012 ereignete sich im Gebiet Bluematt/Chalcherli am Stanserhorn ein Lawinenniedergang. Dabei wurde ein 33-jähriger Mann verschüttet und getötet. (Bild: Kantonspolizei Nidwalden)

Das Obergericht verurteilte den Sicherheitsverantwortlichen am Dienstag zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 135 Franken bei einer Bewährungsfrist von zwei Jahren. Der Beschuldigte hatte einen Freispruch verlangt.

Die Stanserhorn-Bahn werde zusammen mit dem Mitarbeiter nun auf die schriftliche Urteilsbegründung warten, sagte Heinz Keller, Verwaltungsratspräsident der Stanserhorn-Bahn, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Erst dann werde über einen allfälligen Weiterzug des Urteils ans Bundesgericht entschieden.

Bulletins warnten vor Gefahr

Dem Sicherheitsverantwortlichen der Bahn sei die gefährliche Lawinensituation zur Zeit des Unfalls bekannt gewesen, erklärte Obergerichtspräsident Albert Müller bei der mündlichen Urteilsverkündung. Dieser sei unvorsichtig gewesen und habe es unterlassen, die Arbeiter rechtzeitig und adäquat zu informieren. Der Tod des jungen Baggerführers sei vermeidbar gewesen.

Laut Gericht hatte das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in den Wochen und Tagen vor dem Unglück vor der Lawinensituation gewarnt. Der Sicherheitsverantwortliche habe die Gefahr selber auch erkannt. Er sprach sich für die Sperrung einer Forststrasse zum Unfallort aus.

Den Hinweis zur nicht signalisierten Sperrung verschickte er am späteren Vorabend des Unfalls unüberlicherweise aber nur per Mail. Dieses erreichte die betroffenen Arbeiter nicht mehr.

Das Obergericht ist sich sicher: Hätten die Arbeiter am Morgen danach von der Sperrung und der akuten Lawinengefahr gewusst, hätten sie sich nicht ins Gelände begeben und sich nicht der tödlichen Gefahr ausgesetzt.

Der Beschuldigte sei jedoch kein Krimineller, sagte der Gerichtsvorsitzende weiter. Diesem sei eine pflichtwidrige Unterlassung passiert, die jedem hätte passieren können und zum tragischen Tode des Baggerführers geführt habe. Nichtsdestotrotz müsse diese geahndet werden.

Bundesgericht wies Fall zurück

Das Nidwaldner Obergericht beriet das tödliche Lawinenunglück am Stanserhorn von 2012 zum zweiten Mal. Das Bundesgericht hatte im Juli 2015 den ersten Schuldspruch gegen den Sicherheitsverantwortlichen wegen fahrlässiger Tötung mangels ausführlicher Begründungen aufgehoben.

In der Neuauflage wurde unter anderem ein Experte des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (WSL) in Davos vor dem Gericht befragt. Der Experte musste sich unter anderem zum Lawinenrisiko äussern. Zudem wurde der Forstarbeiter als Auskunftsperson befragt.

Das erste Urteil in dem Fall fiel 2013. Das Kantonsgericht sprach in erster Instanz den Sicherheitsverantwortlichen und den Forstwart frei. Der Staatsanwalt zog das Urteil ans Obergericht weiter und erhielt im  April 2014  teilweise Recht. Der Sicherheitsverantwortliche wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, der Forstwart hingegen rechtskräftig freigesprochen.

Das Obergericht hielt in der Neuauflage des Prozesses an seinem früheren Strafmass einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 135 Franken fest. Dieses sei vom Bundesgericht nicht moniert worden, sagte der Obergerichtspräsident.

Baggerführer verschüttet

Das Lawinenunglück geschah am Stanserhorn zwischen Bluematt und Chalcherli. Der 33-jährige Baggerführer war dort mit zwei anderen Arbeitern daran, eine Zufahrtsstrasse zu einem Masten der neuen Cabrio-Bahn aufs Stanserhorn von einer Lawine vom Vortag zu räumen. Zwei Lawinenbeobachter überwachten den Hang.

Um 10.20 Uhr löste sich am selben Ort wie am Vortag erneut eine Lawine. Der Baggerführer versuchte, sich in Sicherheit zu bringen, er wurde aber von der Lawine erfasst und verschüttet. Über eine Stunde später konnte er geortet und geborgen werden. Der Arbeiter starb kurz darauf im Spital.

(sda)

Rot eingezeichnet ist die Stelle, wo sich am 24. Februar 2012 am Stanserhorn die Lawine gelöst hatte. Es ist das Gebiet Bluematt/Chalcherli. (Bild Kantonspolizei Nidwalden)

Rot eingezeichnet ist die Stelle, wo sich am 24. Februar 2012 am Stanserhorn die Lawine gelöst hatte. Es ist das Gebiet Bluematt/Chalcherli. (Bild Kantonspolizei Nidwalden)

Verhandlung zum Lawinenunglück am Stanserhorn vor dem Nidwaldner Obergericht. (von links) Verteidiger André Britschgi, Angeklagter A. F., Zeuge U. B. (Tisch Mitte), Oberrichter Christian Hochuli, Obergerichtspräsident Albert Müller, Oberrichter Franz Odermatt  Illustration Edi Ettlin (Bild: Edi Ettlin (Neue Nidwaldner Zeitung))

Verhandlung zum Lawinenunglück am Stanserhorn vor dem Nidwaldner Obergericht. (von links) Verteidiger André Britschgi, Angeklagter A. F., Zeuge U. B. (Tisch Mitte), Oberrichter Christian Hochuli, Obergerichtspräsident Albert Müller, Oberrichter Franz Odermatt Illustration Edi Ettlin (Bild: Edi Ettlin (Neue Nidwaldner Zeitung))