Stanserhornbahn will sobald wie möglich wieder den Betrieb aufnehmen – wenn auch mit limitierter Transportkapazität

Frühestens zwei Monate später als geplant nimmt heuer die Stanserhornbahn ihren Betrieb auf. Besonders der diesjährige April hätte wegen des schönen Wetters der Bahn Traumfrequenzen beschert.

Matthias Piazza
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Der Ansturm auf die Cabriobahn ist gross bei diesem herrlichen Frühlingswetter. Die Ausflügler geniessen den Panoramablick vom Stanserhorn aus: So in etwa präsentierte sich die Situation vor einem Jahr. Doch wegen der Coronakrise befindet sich auch die Stanserhornbahn noch im Dornröschenschlaf, wie auch die übrigen Bergbahnen. Nichts wurde aus dem auf den 10. April angesetzten Saisonstart. Die Bahn steht still, Terrasse und Restaurant auf dem Gipfel sind verwaist.

Die verwaiste Stanserhorn-Terrasse.

Die verwaiste Stanserhorn-Terrasse. 

Bild: PD (22. April 2020)

Das schmerzt Stanserhornbahn-Direktor Jürg Balsiger: «Das Passagieraufkommen an diesem wunderschönen April wäre so hoch gewesen wie wohl noch nie in einem April.» Auch die Umsatzeinbussen im Mai dürften einschneidend sein, da in diesem Monat normalerweise viele Bankette im Drehrestaurant auf dem Gipfel und zweimal pro Woche die beliebten Candlelight Dinners stattfinden würden.

Hoffen auf Saisonstart am 8. Juni

Jürg Balsiger stellt sich darauf ein, dass der Betrieb, wie vom Bundesrat in Aussicht gestellt, am 8. Juni wieder aufgenommen werden kann. Doch selbst dann wäre man von einem Normalzustand weit entfernt. «Die Regel, zwei Meter Abstand zueinander einzuhalten, würde die Transportkapazität massiv limitieren», so Balsiger. Da die Bergbahn-Branche zudem von einem grossen Nachholbedarf ausgehe, rechne er mit einem Grossandrang. Den Saisonstart deswegen aber noch weiter hinauszuzögern, ist für Jürg Balsiger keine Option. «Auch wenn wir wegen der eingeschränkten Transportkapazitäten in den ersten Monaten wohl nicht kostendeckend wirtschaften können, wollen wir wieder fahren. Das sind wir unseren Gästen und den Steuerzahlern schuldig.» Auch die Stanserhornbahn hat auf Kurzarbeit gesetzt, was heisst, dass der Staat den Lohnausfall berappt.

Auch wenn die Einnahmen ausbleiben, fallen Kosten auf dem Berg an, der von vielen Wanderern besucht wird. Die Murmeli werden alle zwei Tage gefüttert, der Gipfelweg und die Bänkli werden instand gehalten, das WC regelmässig gereinigt. Und im Restaurant bereitet man sich jetzt auf den Saisonstart vor. Ein kleiner Bestand nicht verderblicher Ware ist bereits eingelagert. «Wir könnten innerhalb von zwei Tagen die Saison eröffnen», so Jürg Balsiger. Vielleicht geht es bis zur Teileröffnung auch nicht mehr so lange. Denn der Bund prüft, die Gastrobetriebe schon am 11. Mai wieder zu öffnen. «Dann würden wir den Betrieb des Restaurants mit einem etwas eingeschränkten Angebot unverzüglich aufnehmen, auch wenn die Bahn noch nicht fahren würde», sagt Jürg Balsiger dazu. 

Bund und Kanton gewähren Zahlungsaufschub

«Die Coronakrise trifft den Tourismus, der im Gegensatz zu anderen Branchen auf null heruntergefahren wurde, in einer noch nie dagewesenen Heftigkeit», erklärt Balsiger. Ereignisse, mit solchen Ausmassen auf einen Betrieb habe er in seiner 23-jährigen Amtszeit als Direktor der Stanserhornbahn noch nie erlebt. Was dies für die Stanserhornbahn bedeutet, mit einer Saison, die nur fünf statt sieben Monate geht, sei schwierig abzuschätzen. «Doch wir gehen fest davon aus, dass wir die Situation überstehen werden.»

So unterhält die Stanserhornbahn ihre Community auf Instagram:

Dankbar zeigt sich Jürg Balsiger, dass Bund und Kanton dieses Jahr die Rückzahlung von jährlich 1,3 Millionen Franken für das Darlehen der Cabriobahn aufschieben. Für die Kosten von 15,5 Millionen Franken für die 2012 in Betrieb genommene Bahn müssen total noch 2,6 Millionen Franken an Kanton und Bund zurückgezahlt werden. Das Darlehen der Nidwaldner Kantonalbank über 9,5 Millionen Franken wurde bereits 2016 vollständig zurückbezahlt. 

Trotz allem zeigt Jürg Balsiger Verständnis für die drastischen Massnahmen des Bundes. «Wir sind dankbar, dass Behörden und Bevölkerung den Gesundheitsschutz ernstnehmen und der Staat uns bei der Kurzarbeit finanziell unter die Arme greift und so die wirtschaftlichen Folgen etwas abfedert.»

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