STANSSTAD: Achillesferse verlangt Präzisionsarbeit

Weitere Fugenelemente der Achereggbrücke werden ersetzt. Das heisst arbeiten in der Nacht und unter Zeitdruck. Morgens müssen die Züge wieder fahren.

Matthias Piazza
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Die Dehnfugenübergänge sind die «Knautschzone» der Achereggbrücke. Der Stahlträger im Zwischenraum ist bereits ersetzt. Nun werden die Stahlarmierungen für die Betonarbeiten eingezogen. (Bild Roger Zbinden)

Die Dehnfugenübergänge sind die «Knautschzone» der Achereggbrücke. Der Stahlträger im Zwischenraum ist bereits ersetzt. Nun werden die Stahlarmierungen für die Betonarbeiten eingezogen. (Bild Roger Zbinden)

Matthias Piazza

Ein Zug der Zentralbahn rollt über die Achereggbrücke. Es ist der letzte an diesem Abend, obwohl es erst gegen 22 Uhr ist. Wer jetzt noch nach Luzern will, muss den Bahnersatzbus nehmen. Während es an diesem Sommerabend langsam aber sicher eindunkelt, wird auf der Achereggbrücke die Nacht zum Tag. Riesige Lampen beleuchten die Baustelle taghell. Der Sicherheitsverantwortliche regelt mit der Zentralbahn, dass der Strom der Oberleitung abgeschaltet wird, und erdet den entsprechenden Streckenabschnitt. Kurz darauf gibt er seinen Kollegen grünes Licht. Baumaschinen heulen auf. Das Team macht sich an die Arbeit. Der Zeitplan ist straff. Es bleiben nur sechseinhalb Stunden. Um 4.30 Uhr muss die Strecke wieder freigegeben werden. Um 5.15 Uhr rollt der erste Zug.

Mitarbeiter der Firma Implenia legen die Geleise des Zentralbahn-Trasses frei für Sanierungsarbeiten. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
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Die Besichtigung der Baustelle Acheregg begleiten Daniel Heinz Javet (links), Polier Implenia und Niklaus Studer, Projektleiter Baudirektion Nidwalden. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Polier Daniel Heinz Javet (mit gelber Weste) gibt Anweisungen zur Freilegung der Geleise. Die Arbeiten erfolgen unter Zeitdruck. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
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Mitarbeiter der Firma Implenia legen die Geleise des Zentralbahn-Trasses frei für Sanierungsarbeiten. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)

Ein anspruchsvoller Arbeitsschritt steht an. Es geht um die sechs Fahrbahnübergänge auf Höhe der Brückenpfeiler, sozusagen die Knautschzone der in den Jahren 1961 bis 1964 erbauten Brücke. Auch diese haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht und müssen erneuert werden. «Der Stahl ist gerostet durch das Tausalz. In den 1960er-Jahren hat man diesem Aspekt noch wenig Beachtung geschenkt», erklärt Projektleiter Niklaus Studer vom Amt für Mobilität Nidwalden.

Auch Handarbeit gefragt

Mit einer speziellen Vorrichtung entfernt der Bagger die Schienenhilfs­brücke, die am Morgen jeweils wieder eingesetzt wird, damit die Züge rollen können. Der markante rund eineinhalb Tonnen schwere Strahlträger im Zwischenraum der beiden Brückenabschnitte ist schon montiert. Er umfasst das Bahntrassee und die Strassenfahrbahn in Richtung Stansstad. In dieser Nacht wird betoniert, und die Stahlarmierungen werden eingezogen. In einer früheren Nachtschicht wurde der alte Dehnfugenübergang vom Beton freigelegt und entfernt. Viel Handarbeit ist in den engen Zwischenräumen gefragt. «Diese Dehnfugenübergänge sind zusammen mit den Brückengelenken die Achillesferse der Brücke», erklärt Niklaus Studer. «Beton dehnt sich bei Hitze aus und zieht sich bei Kälte zusammen. Das kann auf dieser 200 Meter langen Brücke schnell einmal vier bis fünf Zentimeter in der Länge pro Fuge ausmachen. Hätten die Elemente kein Spiel, gäbe es Risse im Beton.»

Im vergangenen Sommer wurden die sechs Dehnfugenprofile auf der Fahrbahn Richtung Hergiswil ersetzt. Die aktuelle Serie ist wegen des Bahntrassees anspruchsvoller, da der Zugverkehr so wenig wie möglich beeinträchtigt werden darf. Und auch, weil das Dehn­fugenprofil zwischen Strasse und Bahntrassee wegen der unterschiedlichen Höhe einen Absatz macht. Noch diese Woche läuft der Einbau der Stahlträger auf Seite Bahn und Spur in Richtung Stansstad, dann ist die Brücke für die Bahn wieder durchgehend befahrbar, bis zur nächsten und letzten Nachtschichtphase im August/September.

Obwohl für die aktuellen Arbeitsschritte nur wenige Stunden nachts zur Verfügung stehen, sei man sowohl kosten- als auch zeitmässig auf Kurs, hält Niklaus Studer fest.

Wetter spielt grosse Rolle

«Die Arbeitsvorbereitung ist das A und O. Es muss alles geplant sein», lautet das Erfolgsrezept von Polier Daniel Heinz Javet von der Bauunternehmung Implenia. Der Nachtschicht gewinnt er auch Positives ab. «Wir können ungestört arbeiten, und das aktuelle Wetter ist auch ideal: trocken und mild.» Überhaupt spiele das Wetter eine grosse Rolle. «Vor einigen Tagen regnete es die ganze Nacht hindurch in Strömen. Das war hart. Wir mussten dreimal die durchnässten Kleider wechseln.»

Die Arbeit an der rund 50-jährigen Brücke erachtet er als eine Herausforderung. Im Gegensatz zu einem Neubau müsse man hier mit dem Ist-Zustand arbeiten, was nicht immer ganz einfach sei. «Oft kommen Überraschungen zu Tage.»

Seit März des vergangenen Jahres wird die Brücke für rund 11 Millionen Franken saniert. «Das Alter und der zunehmende Verkehr mit immer schwereren Lastwagen setzten der Brücke zu und machten eine Sanierung unumgänglich», erklärt Studer. Im Oktober soll sie wieder vollständig befahrbar sein – für die nächsten 50 Jahre.

Achereggbrücke: Weitere Bilder finden Sie unter www.nidwaldnerzeitung.ch/bilder