STANSSTAD: «Alpenfestung» im Kreuzfeuer der Kritik

Schweizer Filmschaffende kritisieren die Sendung «Alpenfestung» des Schweizer Fernsehens. Längst überholte Mythen würden reanimiert.

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Die Soldaten beim Start des Projekts am Montag. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Die Soldaten beim Start des Projekts am Montag. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Die Sendung «Alpenfestung» des Schweizer Fernsehens ist am Donnerstag erneut in die Kritik geraten. Schweizer Filmschaffende wehrten sich gegen den «Réduit-Mythos». SF weist die Kritik zurück: Der Mythos werde nicht wiederbelebt, man setze sich auch kritisch mit dem Thema auseinander.

Schweizer Filmschaffende üben Kritik
«Die Schweizer Filmschaffenden stossen sich an der Art und Weise, wie die offizielle Schweiz dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gedenkt», teilte der Verband Filmregie und Drehbuch Schweiz (FDS) mit. Längst überholte Mythen würden reanimiert und zementiert, obwohl gerade das Schweizer Dokumentarfilmschaffen ein anderes Bild der damaligen Realitäten thematisiert habe und aufzeigte. «Statt romantische Reduit-Simulationen und hymnische Festreden sollten diese Filme wieder auf die Leinwand und den Bildschirm», so der Verband, der auch den geplanten Auftritt von Bundesrat Ueli Maurer an einer Gedenkveranstaltung zur Mobilmachung am kommenden 5. September kritisierte.

GSoA hat den Ball ins Rollen gebracht
Bereits am vergangenen Dienstag hatte die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) gefordert, die Serie «Alpenfestung» aus Respekt gegenüber den Opfern der Schweizer Zweitweltkriegspolitik sofort abzubrechen. Die Gruppe warf dem Fernsehen vor, den Reduit-Mythos und die damit verbundene «Geschichtslüge» wiederzubeleben. Auf die GSoA-Kritik reagierte wiederum die Junge SVP empört. Sie forderte die Gruppierung auf, sich gegenüber der Aktivdienstgeneration zu entschuldigen und gratulierte dem Fernsehen, «dass die Konzessionsgelder für einmal derart sinnvoll investiert wurden». Explizit begrüsst wurde die Sendung auch von der Vereinigung Pro Libertate.

Schweizer Fernsehen wehrt sich
Beim Schweizer Fernsehen (SF) weist man die Kritik zurück. Der Mythos werde nicht wiederbelebt sondern man setze sich auch kritisch mit dem Thema auseinander, sagte SF-Sprecher David Affentranger. Das geschehe einerseits in der Sendung selbst, in der Zeitzeugen und Historiker zu Wort kämen. Zudem laufe parallel eine sechsteilige Dok-Serie «die Schweiz im Zweiten Weltkrieg», in der das Thema auch kritisch beleuchtet werde. «Wir haben das Gefühl, dass wir dem Zuschauer ein umfassendes Gesamtpaket bieten», sagte Affentranger.

Zuschauer reagieren unterschiedlich
Positiv ist auch der Grossteil der 30 bis 50 Zuschauerreaktionen, die pro Tag beim Kundendienst des Fernsehens eingehen. Lediglich ein Drittel sei kritisch oder stelle Fragen, sagte Affentranger. Aus Sicht des Fernsehens ist die Sendung denn auch ein Erfolg. In den ersten drei Tagen erreichte die «Alpenfestung» jeweils über 50 Prozent Marktanteil. «Das entspricht unseren Erwartungen», sagte Affentranger. Zum Vergleich: Die Sendung Sommerserie «Pfahlbauer» vor einem Jahr hatte einen Marktanteil von durchschnittlich 50 Prozent.

Das Projekt «Alpenfestung - Leben im Réduit» wird vom Schweizer Fernsehen vom 27. Juli bis 14. August realisiert. Das sogenannte Living-History-Projekt soll den Schweizer Alltag zur Zeit des Zweiten Weltkriegs zeigen. Ausgewählte Frauen und Männer leben drei Wochen lang wie vor 70 Jahren. Ein Schauplatz der Sendung ist die Festung Fürigen im Kanton Nidwalden bei Stansstad.

ap/ost