STANSSTAD: Am helllichten Tag beim See vergewaltigt

18 Monate muss ein Mann hinter Gitter. Er hat ein Mädchen vergewaltigt, das sich auf einer Wiese gesonnt hat. Der Verteidiger sagt: Diese Geschichte ist erlogen.

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«Ich bin psychisch am Ende. Noch nie in meinem Leben habe ich jemandem etwas Böses getan. Ich war glücklich verheiratet, und nun ist alles zerstört.» Der 39-jährige Kosovare sprach mit matter Stimme, als er vor zwei Wochen vor dem Nidwaldner Kantonsgericht das letzte Wort erhielt.

18 Monate Gefängnis drohen
Seine Beteuerung fand kein Gehör, wie das nun vorliegende Urteilsdispositiv zeigt: Der Asylbewerber wird der «qualifizierten Handlung und der qualifizierten sexuellen Handlung mit einem Kind schuldig gesprochen.» Die Strafe lautet auf 18 Monate Gefängnis, die der Mann absitzen muss abzüglich der 122 Tage Untersuchungshaft. Weitere 18 Monate Haft bleiben ihm erspart, falls er innert der Probezeit von drei Jahren kein weiteres Delikt begeht. Teilbedingte Freiheitsstrafe nennt sich das. Für die amtlichen Kosten von rund 33'000 Franken muss der Angeklagte aufkommen. Das Kantonsgericht ist damit vollumfänglich dem Antrag der Staatsanwalt gefolgt. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch.

Beim «Sönnele» vergewaltigt
Rückblende. Gemäss der Überzeugung des Gerichts und des Staatsanwaltes hat sich im Sommer 2004 in Stansstad Folgendes ereignet: Elisa Becker* geniesst das schöne Wetter zusammen mit einer Freundin am Ufer des Vierwaldstättersees in Stansstad. Dabei werden sie von zwei Männern angesprochen, einer davon ist der nun Verurteilte. Sie plaudern miteinander, bis die beiden Kosovaren aufdringlich werden. Die Mädchen fühlen sich belästigt und weisen die beiden fort. Etwas später geht Elisa Beckers Freundin aufs WC. Dann geschieht die Tat: Die beiden Männer gehen zum 15-jährigen Mädchen hin, welches sich im Bikini auf dem Rücken liegend sonnt. Wortlos packt der Kollege des Verurteilten die Hände des Mädchens und verhindert, dass sie schreien kann. Der Angeklagte setzt sich auf den Boden zwischen die Beine der überrumpelten Nidwaldnerin und dringt zweimal in sie ein. Zuvor hat er sich ein Kondom übergezogen. Dann verlassen die beiden Männer den Tatort. Elisa Beckers Freundin bemerkt vom Vorfall nichts.

Erst Monate später ist Elisa Becker in der Lage, über die Vergewaltigung zu sprechen. Dann wird sofort die Polizei eingeschaltet. Seither ist die junge Frau in psychologischer Behandlung und muss Antidepressiva nehmen. Der Komplize des Angeklagten ist international zur Verhaftung ausgeschrieben.

Der Verteidiger fuhr hartes Geschütz auf: Viele Aussagen von Personen aus dem Umfeld des Mädchens seien widersprüchlich oder gelogen; der Ablauf der Tat sei völlig unrealistisch wer würde so was schon an einem helllichten Tag an so einem exponierten Platz tun? –; das psychologische Gutachten einer Expertin sei «unseriös und tendenziös», und «die Hälfte der Aktenlage» sei darin nicht berücksichtigt. Der Staatsanwalt liess diese Vorwürfe jedoch nicht auf sich sitzen.

Luca Wolf

HINWEIS
* Name geändert

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Freitag in der Neuen Nidwaldner Zeitung.