STANSSTAD: Angehender Schreiner experimentiert mit asiatischem Wunderbaum

Der 15-jährige Justin Flüeler beschäftigt sich intensiv mit einer ursprünglich aus Asien stammenden Baumart. Der angehende Schreiner ortet auch Möglichkeiten für die Holzwirtschaft.

Martin Uebelhart
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Justin Flüeler zeigt eine junge Pflanze und eine Scheibe aus einem etwa fünfjährigen Kiribaum. (Bild: Corinne Glanzmann (Stansstad, 21. März 2018))

Justin Flüeler zeigt eine junge Pflanze und eine Scheibe aus einem etwa fünfjährigen Kiribaum. (Bild: Corinne Glanzmann (Stansstad, 21. März 2018))

Martin Uebelhart

martin.uebelhart@nidwaldnerzeitung.ch

Auf den ersten Blick ist es ein unscheinbares grünes Pflänzchen, das auf dem Esstisch der Familie Flüeler in Stansstad steht. Etwa 40 Zentimeter hoch ragt es aus einem Topf. Bis im Sommer soll der Kiribaum, der auch unter dem Namen Blauglockenbaum bekannt ist, schon die stattliche Höhe von zwei Metern erreicht haben. Die Pflanze, die mit botanischem Namen Paulownia tomentosa heisst und in Fachkreisen auch auf Deutsch als Paulownie bezeichnet wird, hat es Justin Flüeler angetan. Nicht nur einen jungen Baum hat er, sondern gleich mehrere Dutzend. Diese bestellte er in Deutschland, nachdem seine Zuchtversuche mit Samen nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatten.

Er hat das spezielle Gewächs zum Thema seiner Abschlussarbeit an der Orientierungsschule gemacht. «Ich experimentiere mit den Pflanzen, studiere ihr Wachstum», sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein bemerkenswertes Wachstum. Während der Kiribaum zunächst vor allem in die Höhe schiesst, fängt er bei etwa 5 Metern auch vermehrt an, in die Breite zu wachsen. Nach bereits fünf Jahren hat ein Stamm eine stattliche Dicke erreicht. Unterstützt von riesigen Blättern, welche für den entsprechenden Stoffwechsel bei der Fotosynthese sorgen. Justin zeigt eine Holzscheibe mit einem Durchmesser von etwa einem halben Meter. Zur Illustration des enormen Wachstums des Baums deutet er auf eine gut halb so grosse Scheibe aus einer 85 Jahre alten Buche.

Begeistert ist der 15-jährige Justin auch vom Holz des ursprünglich in Asien heimischen Baumes. «Man kann es sehr vielfältig einsetzen», sagt er. Für Möbel etwa. Der Vorteil: «Man muss das Holz nicht beizen und lackieren, und trotzdem verwittert es nur äusserst langsam, selbst wenn es draussen steht.» Auch Schädlinge wie Holzwürmer können dem Holz kaum was anhaben. Zudem hält es Feuer besser stand als andere Arten. In einzelnen europäischen Ländern gibt es bereits Kiribaum-Plantagen. In den Ferien hat er in Spanien eine solche Anlage besichtigen können. Hierzulande ist der Baum in erster Linie als Zierpflanze bekannt.

Mit seiner Schularbeit möchte Justin auch Gedankengänge anregen. «Wenn man solche Plantagen anlegt und innert vergleichsweise kurzer Zeit Holz von guter Qualität ernten kann, muss man andernorts weniger Bäume roden», ist er überzeugt. Der Baum könnte im Flachland auch in der Schweiz im grossen Stil gedeihen, doch aufgrund der Bodenpreise würde es sich wohl heute nicht lohnen, glaubt Justin.

Zufällig im Stau am Zoll entdeckt

Entdeckt hat er den Kiribaum, als er einmal unterwegs mit seinem Vater am Zoll in Weil am Rhein im Stau stand. «Da sah ich eine Pflanze, die einer Sonnenblume ähnelte.» Aufgrund eines Fotos identifizierte er sie schliesslich als Kiribaum. Die Pflanze liess ihn nicht los. So kehrte er ein Jahr später zur selben Stelle zurück und entdeckte, dass der Baum in der Zwischenzeit enorm an Höhe zugelegt hatte.

Justin will weiter mit dem Baum experimentieren. Ein Exemplar soll im Sommer gar im Garten der Familie Flüeler gesetzt werden. Der Kiribaum hat inzwischen sogar Justins zweites grosses Hobby, die Imkerei, erreicht. Seit er elf ist, besitzt er das entsprechende Diplom. Aus dem Holz will er die Behausungen bauen, in denen die Bienen ihre Waben erstellen. «Aufgrund der guten Wärmedämmung des Holzes können die Bienen Frostphasen besser überstehen», sagt er.

Holz wird ihn auch beruflich begleiten. Nach seinem Schulabschluss macht er eine Lehre als Schreiner. «Ich möchte speziell auch mit dem Kiriholz arbeiten und zum Beispiel Möbel daraus herstellen», erzählt er. Und eine ganz spezielle Holzidee hat er auch bereits. «Doch darüber möchte ich noch nichts erzählen.» Nicht, dass ihm jemand seine Pläne vor der Nase wegschnappt.

Noch keine Tests in der Schweiz

Birmensdorf Mit der Paulownie setzt man sich auch bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf auseinander. «Wir machen uns Gedanken, wie neue Baumarten von möglichem Nutzen sein könnten, wenn das Klima weiterhin wärmer und auch trockener wird», sagt Jan Wunder von der WSL. Tests für Plantagen habe es seines Wissens in der Schweiz noch nicht gegeben. «Doch ist es mindestens überlegenswert, in diese Richtung zu gehen.» Dann stelle sich die Frage, wo solche Plantagen entstehen sollen. «Je nachdem, wo sie hinkommen, könnte sich ein Widerspruch zwischen der Produktion von Energieholz und Nahrungsmitteln ergeben.»
mu

Hinweis
Mehr Infos finden Sie unter www.growgreen-swiss.ch.