STANSSTAD: Die Pro Senectute muss sparen

Um die Altersarmut zu bekämpfen, wurde vor 100 Jahren die Stiftung «Für das Alter» gegründet. Heute ist die Pro Senectute Nidwalden ein Dienstleistungsanbieter. Sorgen bereitet die neue Subventionspolitik des Bundes.

Richard Greuter
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Eveline Widmer-Schlumpf (Mitte) mit Gesundheits- und Sozialdirektorin Yvonne von Deschwanden und Viktor Furrer, Stiftungsratspräsident der Pro Senectute Nidwalden. (Bild: Richard Greuter (Stansstad, 1. Juni 2017))

Eveline Widmer-Schlumpf (Mitte) mit Gesundheits- und Sozialdirektorin Yvonne von Deschwanden und Viktor Furrer, Stiftungsratspräsident der Pro Senectute Nidwalden. (Bild: Richard Greuter (Stansstad, 1. Juni 2017))

Richard Greuter

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Trotz politischer Gewitterwolken am Horizont ist die Pro Senectute in Jubelstimmung. «Die Stiftungsversammlung ist etwas aufwendiger und luxuriöser», sagte Stiftungsratspräsident Viktor Furrer zu Beginn der Generalversammlung im Hotel Winkelried in Stansstad. Vor 100 Jahren wurde die nationale Stiftung «Für das Alter» gegründet. Ziel war es, Geld für ältere und bedürftige Menschen zu sammeln. Zwei Jahre später entstand auch in Nidwalden eine Stiftung für das Alter.

Auf das Thema Armut kam auch alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf zu sprechen. Seit kurzem ist sie Stiftungsratspräsidentin der Pro Senectute Schweiz. Vorgestern war sie zu Gast in Nidwalden. «Zur Gründungszeit war es die Armut, die man erleichtern wollte», erklärte sie und verwies auf die Tatsache, dass auch heute noch 12 Prozent der Rentner Ergänzungsleistungen benötigen. Doch Eveline Widmer sieht auch eine Armut im sozialen Bereich und mangelnde körperliche und geistige Fitness, die dazu führen, dass die Angebote der Pro Senectute wichtig sind. Ganz auf dieser Linie ist die Tätigkeit der Pro Senectute Nidwalden. Mit einer breiten Palette von Angeboten sorgt die Stiftung dafür, dass ältere Menschen geistig und körperlich beweglich bleiben.

Leistungsvereinbarung mit Kanton soll erhöht werden

Rund 180 freiwillige Mitarbeitende wirken bei der Pro Senectute Nidwalden mit. Die Geschäftsstelle beschäftigt fünf Personen, die sich 3,2 Stellen teilen. Geschäftsstellenleiterin Brigitta Stocker erwähnt in ihrem Bericht beliebte Anlässe wie Filmcafé, Nidwaldner Spätlese, Tanznachmittage oder Generationen im Klassenzimmer. Die Drehscheibe bietet seit drei Jahren eine Plattform für soziale Kontakte. Bis Ende 2016 haben sich 167 Personen eingeschrieben. Insgesamt 221 Personen nutzten die kostenlose Sozialberatung. Für ihre Dienstleistungen steht der Pro Senectute ein Budget von rund 1,1 Millionen Franken und Organisationskapital von rund 500000 Franken zur Verfügung. «Wir können damit leben, aber keine grossen Sprünge machen», meinte Viktor Furrer in seinem Jahresbericht.

Dank einer Fondsentnahme konnte der Stiftungsrat den budgetierten Mehraufwand von 36800 auf ein Minus von etwa 18000 Franken reduzieren. Laut Kassier René Engelberger rechnet man auch im laufenden Jahr mit Mehrausgaben von knapp 19000 Franken.

Für Stirnrunzeln sorgt die neue Subventionspolitik des Bundes. Neu will der Bund nur noch bedürftige Personen unterstützen. Furrer rechnet mit einer Reduktion von fast 68000 Franken in den nächsten vier Jahren. Vorwärtsschauend meinte er: «Diese Reduktion wäre fatal, wenn wir nichts unternehmen würden.» Mit Blick zur anwesenden Regierungsrätin Yvonne von Deschwanden sagte Viktor Furrer: «Wir werden auch mit der Gesundheits- und Sozialdirektorin Gespräche aufnehmen.» Anpassungspotenzial sieht er bei der Leistungsvereinbarung mit dem Kanton, die seit 2008 besteht. «Heute, neun Jahre später, leisten wir viel mehr als damals.» Gesundheits- und Sozialdirektorin Yvonne von Deschwanden zeigte Gesprächsbereitschaft. «Ich werde mich einsetzen für eine höhere Leistungsvereinbarung», sagte die Regierungsrätin in ihrer Grussbotschaft.