STANSSTAD: Die vier schnellsten Meitlibeine im Dorf

Ist das ein Zufall? Elisabetta und Shirin sind Freundinnen, gehen beide in die Klasse 6b und wurden dieses Jahr Schweizer Meisterinnen in ihrer Distanz. Nicht ganz unbeteiligt ist Klassenlehrer Armin Amstad.

Marion Wannemacher
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Shirin Kerber (links) und Elisabetta Soldo trainieren auf der Tartanbahn der Schule Stansstad. (Bild: Marion Wannemacher / NZ (Stansstad, 29. September 2017))

Shirin Kerber (links) und Elisabetta Soldo trainieren auf der Tartanbahn der Schule Stansstad. (Bild: Marion Wannemacher / NZ (Stansstad, 29. September 2017))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@nidwaldnerzeitung.ch

Wenn Elisabetta Soldo und Shirin Kerber am Start auf der Tartanbahn stehen, sind sie voll konzentriert, ihre Muskeln angespannt. Es sieht beeindruckend aus, wenn sie aufs Startsignal ihres Lehrers Armin Amstad hin wie ein Pfeil aus dem gespannten Bogen schiessen und sich elegant auf ihrer Bahn nach vorn katapultieren. Beide sind gleichauf und kommen gemeinsam über die Ziellinie. Das Rennen war nur ein Plausch vor der Kamera. Viele Male haben sich beide schon auf die Sprinterdistanz von 60 Metern miteinander im Sportunterricht gemessen.

Dieses Jahr wurden beide Mädchen Schweizer Meisterinnen in ihrer Distanz: Shirin über 1000 Meter am Schweizer Final des Mille Gruyère in Kreuzlingen und Elisabetta über 60 Meter am Sprintfinal von Swiss Athletics in Chiasso.

Mit stetig besserem Ergebnis nach vorn gekämpft

Während Shirin aus einer sehr sportlichen Familie kommt und schon seit der ersten Klasse Leichtathletik bei der LA Nidwalden trainiert, war ihre Freundin Elisabetta für deren Klassenlehrer Armin Amstad eine echte Entdeckung. «Ich unterrichte sie schon seit der dritten Klasse. Sehr schnell ist mir aufgefallen, dass sie enorm talentiert ist, sich zu bewegen weiss und über Schnelligkeit und Kraft verfügt.» Bei regelmässigen Sprints über 60 Meter und Weitsprung ragte das in Italien geborene Mädchen mit italienischem Vater und afrikanischer Mutter regelmässig über den Durchschnitt hinaus. Ihr Erfolg fiel nicht vom Himmel: Lehrer Amstad empfahl sie für die LA NW und motivierte sie, am Kantonalfinal Nidwalden von Swiss Athletics Sprints teilzunehmen. Elisabetta gewann und durfte nach Chiasso zu den Schweizer Meisterschaften. Das Ergebnis des Vorlaufs war nicht optimal: Sie wurde Dritte, im Halbfinale Zweite, aber dann setzte sie sich in der Endausscheidung als Beste durch. «Es war einfach Glück», sagt die schlanke, grosse Elfjährige bescheiden. Und erzählt, dass die Eltern, die sie nach Chiasso begleiteten, schon sehr stolz auf sie gewesen seien. «In Italien ist mein Vater manchmal mit mir am Strand gerannt», erzählt sie. Die Familie lebte noch vor vier Jahren in der Nähe von Rom. «Laufen ist lustig, ich renne gern», sagt sie. Auch ihr Lehrer freut sich über Elisabettas Erfolg. «Sie musste sich im Wettkampf ganz allein durchsetzen und umsetzen, was sie hat. Sie hat es brillant gemacht», findet er.

Über dem Bett hängen schon einige Medaillen

Mittlerweile hat Elisabetta mit dem LA in Luzern Kontakt aufgenommen. «Sie braucht jetzt professionelle Förderung und Unterstützung in Lauf- und Sprungtechnik», sagt Armin Amstad. «Von Natur aus ist sie schnell, aber technisch noch nicht perfekt, da liegt noch einiges drin.»

Starke Unterstützung durch ihre Familie erfährt Shirin schon seit Jahren. «Der Bruder ist auch sehr talentiert», weiss ihr Lehrer. Der Vater laufe Marathon, auch die Mutter habe in der Jugend Laufwettbewerbe bestritten, erzählt die Kehrsiterin. Einmal pro Woche gehe sie zum Techniktraining und besuche montags ein Bahntraining in Emmenbrücke. Im März wurde das zierliche Mädchen im Cross Schweizer Meisterin bei den U12. Am Mille- Gruyère-Finale in Kreuzlingen legte sie gar einen Start-Ziel-Sieg hin, das heisst, sie führte vom Start bis zum Ziel über die gesamte Länge des Rennens. «Meine Medaillen hängen über dem Bett», erzählt Shirin stolz. Ihr Ziel sei, einfach weiterzumachen.

Lehrer Armin Amstad sieht für beide Mädchen eine Zukunft im Laufen: «Sie haben beide Chancen, weiterhin an der Schweizer Spitze mitzumachen»,

«Sie haben beide Chancen, weiterhin an der Schweizer Spitze mitzumachen.» Armin Amstad, Klassenlehrer 6b, Schule Stansstad. (Bild: Marion Wannemacher / LZ (Stansstad, 29.September 2017))

«Sie haben beide Chancen, weiterhin an der Schweizer Spitze mitzumachen.» Armin Amstad, Klassenlehrer 6b, Schule Stansstad. (Bild: Marion Wannemacher / LZ (Stansstad, 29.September 2017))