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STANSSTAD: Ein ganz besonderes Zwischenjahr

Seit bald einem Jahr ist Lisa Limacher Vollzeitschülerin der japanischen Kampfkunst. Das braucht unter anderem viel Disziplin und Durchhaltewillen.
Rosemarie Bugmann
Lisa Limacher macht eine Karate-Vollzeitausbildung in Stansstad. (Bild Corinne Glanzmann)

Lisa Limacher macht eine Karate-Vollzeitausbildung in Stansstad. (Bild Corinne Glanzmann)

Sie spricht leise, ihre Stimme ist eher zart, oft lächelt sie in sich hinein. Lisa Limacher ist zwanzig Jahre alt und seit bald einem Jahr Vollzeitschülerin der Kushido-Schule in Stansstad. In der Karate-Sprache ist sie ein Uchi Dechi, das heisst der persönliche Schüler des Meisters, Renshi genannt. Ihr Meister ist Renshi Paul Baumann, der Chefinstruktor von Europa. Zwischen einem Renshi und seinem Dechi besteht ein ganz spezielles Schüler-Lehrer-Verhältnis. «Er ist der perfekte Meister für mich», sagt Lisa Limacher. In ihrem ersten Tagebucheintrag als Dechi schreibt sie, dass dieses Lehrjahr die beste Entscheidung war, die sie treffen konnte.

Über den Trickfilm nach Japan

Schon als Kind hat sie mit ihrem Bruder zusammen die Kushido-Schule besucht und irgendwann wieder aufgehört, wie viele andere auch. Auf den «Japan-Geschmack» ist sie mit rund dreizehn Jahren durch die Trickfilmserie «Naruto» gekommen. Es hat sie fasziniert und sie wollte unbedingt nach Japan gehen. «Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, ziehe ich es auch durch», sagt sie, erstmals ein wenig energisch. Gesagt getan. In den Sommerferien ist die inzwischen Siebzehnjährige ganz alleine nach Tokyo geflogen, hat dort mit Hilfe eines Mitpassagiers im Flugzeug den Bahnhof und richtigen Zug gefunden und ist quer durch das Land zu ihrer japanischen Familie gereist. «Die Frau konnte recht gut Englisch», erinnert sie sich. Zwei Monate war sie dort und hat eine Sprachschule besucht. «Seither habe ich mich total verändert», sagt sie mehr zu sich selber. Ihr Kollegenkreis sei ein anderer geworden, sie habe das Gegenteil von allem gemacht, was früher wichtig war. «Vorher war ich sehr zurückgezogen, eher scheu», erzählt sie. «Sport ist Mord» war eines ihrer damaligen Mottos. Auch das hat sich grundlegend verändert.

Sie hat wieder mit Karate angefangen, zusammen mit der Mutter und dem Bruder. Der Meister Renshi Paul hat damals die Schule zusammen mit seiner Frau geleitet. Später in einem Weihnachtsbrief hat er geschrieben, dass er bereit sei, einen Dechi auszubilden. Lisa Limacher fühlte sich sofort angesprochen. Trotzdem hat sie gezögert. Sie war damals ein Weissgurt, das heisst in der Hierarchie des Karate erst am Anfang. Ist es nicht frech, wenn ich mich melde» waren ihre damaligen Bedenken. Doch sie wollte nach der Matura und vor dem Studium ein Zwischenjahr einschalten, warum also nicht als Dechi? Schliesslich fasste sie den Mut und hat sich gemeldet. Am ersten September letzten Jahres hat sie ihre Vollzeitausbildung angefangen.

Eigene Grenzen überwinden

«Sie geht ins Kloster» war ein immer wieder gehörter Kommentar von ihrem Umfeld. Lisa Limacher lächelt. «Ein Uchi Dechi ist immer präsent und hilft durch seine Ausstrahlung die Motivation im Dojo (Übungshalle der japanischen Kampfsport- und Kampfkunstarten) hoch zu halten» steht auf der Website der Kushido-Schule. Ein Dechi zu sein bedeutet aber noch viel mehr. Einfach umschrieben heisst es, seine Persönlichkeit zu entwickeln, immer weiterzulernen, an sich zu arbeiten. Dies an sieben Tagen in der Woche.

Neben dem körperlichen Training wird vor allem der Geist trainiert, durch die verschiedensten Aufgaben, die zu bewältigen sind, intensive philosophische Gespräche, aber auch durch Überwinden der eigenen Grenzen. Lisa Limacher spricht mit viel Respekt von ihrem Meister. Sie habe sehr viel gelernt in diesem Jahr sagt sie. Ein Jahr, das sich nun dem Ende nähert. Im Herbst beginnt sie ihr Studium der Agronomie an der ETH Zürich. Den Stundenplan hat sie bereits erhalten. Er erlaubt ihr, weiterhin regelmässig in Stansstad zu trainieren. Denn ein Leben ohne Kushido kann sich Lisa Limacher nicht mehr vorstellen.

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