STANSSTAD: Feuerwehrlokal heizt Diskussion an

Der Kirchenrat wehrt sich gegen ein Feuerwehrlokal auf dem Land der Kirchgemeinde. Nun muss die Kirchgemeindeversammlung entscheiden.

Philipp Unterschütz
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Auf einem Teil dieser Parzelle der Kirchgemeinde Stansstad möchte die Politische Gemeinde ein neues Feuerwehrlokal mit Werkhof bauen. (Bild Philipp Unterschütz)

Auf einem Teil dieser Parzelle der Kirchgemeinde Stansstad möchte die Politische Gemeinde ein neues Feuerwehrlokal mit Werkhof bauen. (Bild Philipp Unterschütz)

Philipp Unterschütz

Es sind ungewöhnlich scharfe Töne, die der Kirchenrat in der Botschaft zur Kirchgemeindeversammlung vom 29. November an die Adresse der politischen Gemeinde anschlägt. «Durch das Verhalten der politischen Gemeinde wird das Recht der Kirchgemeinde, eine eigenständige Strategie zu verfolgen, in keiner Weise respektiert. Ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kirchgemeinde will die politische Gemeinde das Projekt des Neubaus eines Feuerwehrlokals mit Werkhof durchsetzen», heisst es unter anderem in der Stellungnahme des Kirchenrates zum Traktandum 4 der Versammlung.

Die Kirchgemeinde muss darüber befinden, ob der Kirchenrat gegen seinen Willen beauftragt werden soll, die für eine Realisierung notwendigen Geschäfte an den nächsten Versammlungen der politischen und der Kirchgemeinde zur Abstimmung zu bringen. Seit 2012 stemmt sich der Kirchenrat gegen den Wunsch der Gemeinde, einen Drittel bis die Hälfte der Parzelle 490, auf der auch der Friedhof liegt, für ein neues Feuerwehrlokal mit Werkhof zu nutzen.

Land gibt wirtschaftliche Sicherheit

«Wir fühlen uns schon ein bisschen überfahren, nachdem wir seit mehreren Jahren der politischen Gemeinde sagen, dass wir die Parzelle behalten wollen, damit wir bei Bedarf selber etwas realisieren können», erklärt Eduard Scodeller, Präsident des Kirchenrates. «Zudem ist es das letzte unverbaute Grundstück, das die Kirchgemeinde Stansstad besitzt.» Der Präsident des Kirchenrates betont, dass das unverbaute Landstück auch eine wirtschaftliche Absicherung für die Kirchgemeinde sei. «Wir wissen ja nicht, wohin das mit den Kirchensteuern noch führt.»

Ein Grund für die deutlichen Worte an die Adresse der politischen Gemeinde dürfte auch der Umstand sein, dass der Antrag ausgerechnet vom Präsidenten der politischen Gemeinde, Beat Plüss, der auch Bürger der Kirchgemeinde ist, eingereicht worden war. «Ich bin der Meinung, dass nicht der Kirchenrat allein entscheiden soll, sondern dass ein demokratischer Entscheid der Kirchgemeindeversammlung fallen soll», sagt Beat Plüss auf Anfrage.

Für Gemeinde ein idealer Standort

2011 lehnte Stansstad eine Fusion ihrer Feuerwehr mit derjenigen von Stans deutlich ab. Damit braucht die Gemeinde auch ein eigenes Lokal, ein einfaches Depot genügt nicht. Das bestehende Feuerwehrlokal und der Werkhof sind laut Beat Plüss aber baufällig und müssen erneuert werden. «Eine Erneuerung am jetzigen Standort in der Kernzone, wo man viergeschossig bauen könnte, macht aber wenig Sinn. Wir sollten die knappen Baulandressourcen in der Gemeinde sinnvoll nutzen.»

Die Gemeinde habe insgesamt 25 Standorte detailliert geprüft, aus ihrer Sicht wäre die Parzelle der Kirchgemeinde am geeignetsten, weil sie für die gewünschte Nutzung geradezu ideal gelegen und dazu noch zonenkonform wäre. Der Kirchenrat sieht dies anders. Der Standort sei fachtechnisch falsch gewählt, weil starker Verkehr auf der Bürgenstockstrasse Einsätze der Feuerwehr behindern könnte, heisst es in der Botschaft. Zudem würden die nahe gelegenen Wohnzonen bei Feueralarm beeinträchtigt. Auch die bisherigen Teilnutzungen der Parzelle wie die Grünsammelstelle der Gemeinde, Parkplätze für das Kleingewerbe und Familiengärten müssten ganz oder teilweise weichen.

Besonderer Schutz für den Friedhof

Insbesondere lehnt der Kirchenrat den Antrag auch ab, weil der Friedhof, der sich ebenfalls auf der Parzelle befindet, als Ort der Totenruhe und Pietät besonderen Schutz geniessen sollte. Ein Argument, das Beat Plüss nicht nachvollziehen kann. «Was soll daran pietätlos sein, wenn eine Organisation wie die Feuerwehr, die Leben rettet, neben dem Friedhof liegt? Störungen bei Beerdigungen wegen Feueralarm dürften an einer Hand abzuzählen sein.» Auch dass das Grundstück der Kirchgemeinde durch den Neubau massiv an Wert verlieren soll, glaubt Plüss nicht. «Eine Studie des Gemeinderates zeigt, dass dies nicht der Fall ist. Wir haben die Studie dem Kirchenrat vorgelegt.»

In der Botschaft warnt der Kirchenrat aber nach wie vor, dass ein Teilverkauf der Liegenschaft eine massive finanzielle Schädigung der Kirchgemeinde zur Folge hätte. «Wir sind tatsächlich nicht überzeugt von dieser Studie der Gemeinde. Wir meinen, dass ein grosses unverbautes Grundstück viel mehr Wert hat als ein kleines», entgegnet Kirchenratspräsident Eduard Scodeller.

Einzelne drohen mit Kirchenaustritt

Das letzte Wort wird am 29. November die Kirchgemeindeversammlung haben. Eduard Scodeller will zwar keine Prognose wagen. «Aber mindestens von den Kirchengängern habe ich mehrheitlich gehört, dass sie gegen den Antrag sind. Einzelne haben mit Kirchenaustritt gedroht, falls wir die Parzelle teilweise verkaufen würden.» Falls die Versammlung anderer Meinung wäre, würde der Kirchenrat natürlich in den sauren Apfel beissen und den Beschluss umsetzen.

Die Versammlung befindet zudem über das Budget 2016 mit einem Mehraufwand von 69 400 Franken und den gleichbleibenden Steuerfuss von 0,35 Einheiten.

Hinweis

Sonntag, 29. November, 11.30 Uhr: Kirchgemeindeversammlung der Katholischen Kirchgemeinde im Ökumenischen Kirchgemeindehaus Stansstad.