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STANSSTAD: Mann tötet seine Ehefrau: Tatverdächtiger ist auf freiem Fuss

Der Rentner, der vor rund zwei Monaten seine Frau in ihrer gemeinsamen Wohnung getötet hat, konnte die Untersuchungshaft verlassen. Sein Gesuch wurde genehmigt – gegen den Willen der Staatsanwaltschaft.
KAPO NIDWALDEN, POLIZEI NIDWALDEN, POLIZEIAUTO,

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Alle Indizien sprechen bisher dafür, dass der 77-jährige Rentner B. S.* am Abend des 19. Januar seine Ehefrau mit einer Waffe erschossen hat (wir berichteten »). «Wir gehen von einer vorsätzlichen Tötung nach einer ehelichen Auseinandersetzung aus», sagte Staatsanwältin Petra Marti im Februar gegenüber unserer Zeitung. Einige Wochen später sind die Ermittlungen in diese Richtung immer noch im Gang – und sie werden laut Marti «noch Monate» andauern.

Trotzdem befindet sich der Beschuldigte seit vergangenem Dienstag wieder auf freiem Fuss, wie die Staatsanwältin Informationen unserer Zeitung bestätigt. Der Beschuldigte hatte noch vor Ablauf der angeordneten Untersuchungshaft ein Entlassungsgesuch gestellt, dem das Nidwaldner Zwangsmassnahmengericht Folge leistete – entgegen der Meinung der Staatsanwaltschaft, die sich für eine Fortführung ausgesprochen hatte. Sie hätte gegen den Entscheid Beschwerde einlegen können, sah aber davon ab. Marti gibt dafür ermittlungstaktische Gründe an. Zum Tathergang, Motiv und zur Schuldfähigkeit des Ehemannes kann sie mit Verweis auf das laufende Verfahren nach wie vor keine Angaben machen. Gemäss unseren Recherchen haben die Ermittler bis dato kein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben.

Was bisher bekannt ist: B. S. rief an jenem verhängnisvollen Abend kurz nach 19.30 Uhr die Polizei an und teilte mit, er habe seine Ehefrau am gemeinsamen Wohnort in Stansstad erschossen. Wenig später erhielten die Polizisten vor Ort die grausige Bestätigung. Der Rentner, der seither unter dringendem Tatverdacht steht, liess sich widerstandslos festnehmen.

Der Beschuldigte bestreitet gemäss eigenen Aussagen die Tat nicht, wehrt sich aber gegen den Vorwurf der vorsätzlichen Tötung. Er habe seine Frau nicht umbringen wollen, sie aber unglücklich mit einem Warnschuss getroffen, erzählte er am Freitag bei einem kurzen Telefongespräch mit unserer Zeitung. Für seinen Anwalt habe es keinen Grund für eine drei Monate lange Untersuchungshaft gegeben. Zu diesem Schluss kam auch das Kantonsgericht, das in diesem Fall über die Zwangsmassnahmen zu entscheiden hatte. «Gemäss gültiger Rechtsprechung hat es keinen Anlass gegeben, den Tatverdächtigen länger festzuhalten», erklärt Kantonsgerichtspräsidentin Livia Zimmermann.

Um eine Untersuchungshaft aufrecht zu erhalten oder zu verlängern, müsste Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr (Beeinflussung von Ermittlungen), Wiederholungsgefahr oder Ausführungsgefahr (wenn jemand mit Drohgebärden eine Tat ankündigt) bestehen. «Nur wenn der Haftrichter einer oder mehrere dieser Gründe bejaht, ist die weitere Untersuchungshaft angezeigt. Andernfalls muss ein Tatverdächtiger freigelassen werden», so Livia Zimmermann.

Die Kantonsgerichtspräsidentin bestätigt auf Anfrage, dass dem Beschuldigten keine Auflagen gemacht worden sind. Er kann sich somit überall frei bewegen. «Ich kann verstehen, dass dies auf Mitmenschen verunsichernd wirken kann.» Sie warnt nun aber davor, Parallelen zu ziehen etwa zum Vierfachmord in Rupperswil, der dieser Tage wegen der Gerichtsverhandlung in den Schlagzeilen ist. In Rupperswil habe es sich offenbar um einen psychisch gestörten Täter gehandelt, der seine Opfer wahllos ausgesucht habe. Handle es sich dagegen um Beziehungsdelikte, so stellen solche Täter im Grundsatz keine Gefahr für die Allgemeinheit dar, sagt Livia Zimmermann.

Wann sich der 77-Jährige vor Gericht verantworten muss, ist noch unklar. Bei einer Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung würden ihm mindestens fünf Jahre Freiheitsentzug drohen.

Oliver Mattmann
oliver.mattmann@nidwaldnerzeitung.ch


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