STANSSTAD: Nur sein erster Wurstsalat ging daneben

Mehr als sein halbes Leben war er im Ürterat, dazu Hotelier, Gemeindepräsident und Landrat. Hans Jost Hermann ist aber bis heute vor allem ein Visionär und Naturliebhaber.

Kurt Liembd
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Naturliebhaber Hans Jost Hermann in der Naturoase Garnhänki. (Bild: Corinne Glanzmann (Stansstad, 29. November 2016))

Naturliebhaber Hans Jost Hermann in der Naturoase Garnhänki. (Bild: Corinne Glanzmann (Stansstad, 29. November 2016))

Was hat Hans Jost Hermann (70) in seinem Leben schon alles gemacht und bewirkt! Darüber könnte der Ur-Stansstader ein interessantes Buch schreiben. Allein das Kapitel über seine 43 Jahre im Ürterat würde darin seinesgleichen suchen. Als wir ihn zum Gespräch treffen, verrinnt die Zeit wie im Flug. Eigentlich wollten wir mit ihm etwa eine Stunde über die Ürte Stansstad reden. Aus dieser Stunde wurden locker drei Stunden, denn Hans Jost Hermann erweist sich als eloquenter und interessanter Gesprächspartner, der mit köstlichen Anekdoten und Geschichten aus seinem Leben aufwartet. Auch wenn er sein Amt als Ürtevogt, so die offizielle Bezeichnung, vor kurzem abgab, steht er mit 70 Jahren voll im Leben. «Langweilig wird es mir mit Sicherheit nie, und in ein Loch falle ich schon gar nicht», sagt er. Das tönt glaubwürdig. Denn seine Interessen sind so vielseitig, dass er auch als Pensionär meist zu wenig Zeit hat für all das, was er auch noch machen möchte. Auf seine Interessen und Passionen angesprochen, nennt er nebst Gesellschaft und Politik auch Kochen, Bergwandern, Jagen und die Natur.

Doch der Reihe nach: Beginnen wir mit der Ürte Stansstad. «Ich bereue keine Minute meiner 43 Jahre im Ürterat Stansstad», so sein Fazit. Mit nur 27 Jahren wurde er 1974 in den Ürterat gewählt. Dies aufgrund eines tragischen Vorfalls. Sein Vater war damals Ürteschreiber und verstarb unerwartet im Amt. Also wurde der Sohn angefragt, ob er dessen Aufgaben übernehme. Zu diesem Zeitpunkt wollte er das Amt aber bloss ein Jahr ausüben – bis zum Ende der Amtsperiode. Schliesslich wurden aus diesem Jahr volle 43 Jahre, die letzten 12 Jahre war er gar Ürtevogt (Präsident). «Ich habe aber nie jemanden gevogtet», sagt er schmunzelnd über die Begrifflichkeit seines Amtes. In dieser langen Zeit entwickelte sich die Ürte von einer lockeren Körperschaft zu einem professionellen Unternehmen. Dies ist auch nötig, denn heute besitzt die Ürte Stansstad rund 120 Wohnungen, zwei Landwirtschaftsbetriebe, rund 300 Hektaren Wald und eine eigene Forstgruppe mitsamt Infrastruktur. Seine Liebe zur Ürte und damit zu «seinem» Dorf Stansstad ist sprichwörtlich. Dies ist auch historisch bedingt, denn die Wurzeln der Ürte reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Während Jahrhunderten hat die Ürte Stansstad fürs Gemeinwohl gesorgt, lange bevor es überhaupt eine politische Gemeinde gab. Dabei spricht Hermann Klartext, auch wenn dies politisch nicht unumstritten ist. «Die Ürte Stansstad ist keine öffentlich-rechtliche Organisation, sondern eine privatrechtliche Institution.» Die Ürtekorporation zahle deshalb auch Steuern, sagt Hermann.

Ein Hotelier und Politiker mit Herzblut

Im Hauptberuf war Hans Jost Hermann Hotelier in der Acheregg, wo er eine wechselvolle Entwicklung erlebte. Dabei verrät er, dass sein Berufswunsch als Jugendlicher eigentlich Grafiker oder Tierarzt gewesen sei. Doch da seine Eltern bereits das Hotel führten, machte er eine Lehre als Koch im renommierten Restaurant Rosengarten auf dem Zollikerberg ZH und bildete sich anschliessend im Hotelfach laufend weiter. Aus dieser Zeit weiss er lustige Anekdoten zu erzählen wie etwa diese: Auf dem Zollikerberg gehörte der Wurstsalat zu den Spezialitäten des Hauses. So musste er als Lehrling schon bald seinen ersten Wurstsalat zubereiten. Das machte er, wie er es gelernt hatte. Doch leider vergass er, die Cervelats zu schälen und musste nochmals von vorne anfangen. Dies war aber der einzige gastronomische Fauxpas seiner Karriere.

1974 übernahm er das damalige Hotel Acheregg, welches seine Eltern aufgebaut hatten. 1987 konnte er dieses von der Erbengemeinschaft käuflich erwerben. Doch Hermann war weit mehr als Hotelier. So beteiligte er sich am Aufbau einer internationalen Hotel- und Tourismusfachschule, die heute in Kastanienbaum angesiedelt ist. Die Acheregg diente dabei einige Jahre als Schulhotel. Das Hotel wäre wohl heute noch in voller Blüte, wenn es nicht Opfer der verkehrstechnischen Situation geworden wäre. Heute ist es ein Hotel für die Geschichtsbücher, das es nicht mehr gibt, aber in den Köpfen mit äusserst positiven Erinnerungen gespeichert ist.

Mit ebenso viel Herzblut war Hans Jost Hermann nebenbei Gemeindepräsident (1986–1992, im Gemeinderat seit 1984) und während 16 Jahren Landrat (1986–2002). Ihm ist es zu verdanken, dass Stansstad an der A 2 heute einen Lärmschutz hat, der diesen Namen verdient, nämlich eine überdachte Galerie.

Die Autobahn hätte er am liebsten versenkt

Als Politiker hatte Hermann auch Visionen. So hatte er damals die Idee, die Autobahn im Bereich Acheregg unter den Seeboden zu versenken. Für dieses Anliegen hat er sogar mit dem damaligen Bundesrat Adolf Ogi persönlich verhandelt. Aus Kostengründen wurde seine Idee jedoch von Bundesbern fallen gelassen. Hans Jost Hermann war auch ausserhalb der Politik ein gefragter Mann. So amtete er als Experte für Jagdrecht in der kantonalen Jagdprüfungskommission, als Präsident der Liberalen Baugenossenschaft Stansstad (1996– 2006) und als Präsident verschiedener Tourismusorganisationen, zuletzt als Präsident von Vierwaldstättersee Tourismus (2001–2011). Seine grosse Leidenschaft gehört heute der Jagd. «Mit grosser Ehrfurcht vor der Natur», wie er betont. Seine Liebe zu Fauna und Flora führt ihn heute öfters ins Gebiet rund um den Lopper. «Es gibt keinen andern Wald mit einer solchen Vielfalt an Baumarten und einer so reichen Biodiversität wie der Lopper», schwärmt Hermann. So jedenfalls spricht nicht nur ein Jäger, sondern in erster Linie ein Naturliebhaber wie Hans Jost Hermann.

Kurt Liembd