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STANSSTAD: Obwaldner inszeniert Welttheater

Die Sust wird in den nächsten Wochen zur Bühne für Hunderte von skurrilen und oft leuchtend farbigen Figuren. Die Besucher bekommen ein Welttheater zu sehen, wie sie es hier wohl noch nie gesehen haben.
Romano Cuonz
Künstler Stefan Rogger zeigt ab heute seine Werke in der Sust.Bild: Romano Cuonz (Stansstad, 3. Mai 2018) (Bild: Romano Cuonz (Stansstad, 3. Mai 2018))

Künstler Stefan Rogger zeigt ab heute seine Werke in der Sust.Bild: Romano Cuonz (Stansstad, 3. Mai 2018) (Bild: Romano Cuonz (Stansstad, 3. Mai 2018))

Romano Cuonz

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Wenn heute Nachmittag eine bunte Schar von Leuten in Stansstad am Ufer steht und mit allerlei Gefässen Seewasser schöpft, hat dies, auch wenn es auf den ersten Blick Wahnsinn sein mag, doch irgendwie Methode. Diese Aktion macht nämlich den Auftakt zum gewaltigen figürlichen und malerischen Welttheater, das der Obwaldner Künstler Stefan Rogger dieser Tage in der Sust präsentieren will. «Weil die Galerie so nahe am Hafenbecken liegt, betrachteten wir dies geradezu als Einladung, Wasser zu holen und in mannigfaltiger Weise erklingen zu lassen», verrät Rogger im Vorfeld.

Mit von der Partie sein werden der Musiker Roli von Flüe und einige weitere Darsteller. Zusammen mit ihnen will der Künstler in einer Performance mit seltsamsten Instrumenten eine skurril schöne «Stansstader Wassermusik» improvisieren. «Es wird gespritzt, geblasen, gegurgelt, gesungen, ja sogar Regenschirme kommen zum Einsatz», freut er sich. Auch einige seiner seinerzeit vom Hochwasser verdorbenen Zeichnungen gehen nochmals baden.

Totengeist, Cäser, Teufel und eine Bella Donna

Stefan Rogger schwärmt geradezu von den einzigartigen Räumen, die ihm und seinen 153 Werken in der Sust zur Verfügung stehen. Und gleich zuerst begleitet er Besucher die Treppen hoch in den Dachstock mit den riesigen Balken. «Als ich den Boden sah, wusste ich sogleich, dass ich hier mit meinen Figuren ein Welttheater inszenieren würde», erzählt Rogger.

Und wirklich: Da tummeln sich in einer fantastischen Szenerie über 50 verschiedenste Figuren: ein Padre neben einem Totengeist, Blumentroll, Yeti, Abt, Opa, Schnurrwilly, Cäsar, der Teufel oder auch die Alma Mater neben einer Bella Donna. «Jede hat ihre Rolle, manche wirken lächerlich, manche würdevoll», so Rogger. Vor einer in den Raum gesetzten Wand aber hört die Installation auf. Fast abrupt. An ihr sind nur noch seltsam mystische Nachtgesichter zu sehen. «Damit baue ich eine Brücke zu einer andern, uns unbekannten Welt», erklärt der Künstler. «Vorne unser schon fast krabbeliges Leben, hinter der Wand aber die grosse Ruhe.»

Wenn man all die Bilder in den übrigen Geschossen – oder auch im Treppenhaus – genau betrachtet, fällt einem etwas auf: Da gibt es oft solche, bei denen die Farben aus Dunkel oder gar Schwarz hervor treten. Und da gibt es andere, bei denen sie aus reinem Weiss kommen. «Farben sind für mich Musik, klingende Melodien», erläutert Rogger. Wenn Farben aus dem Schwarz kämen, würden seine Geschöpfe und Symbole irgendwie spirituell, geheimnisvoll, ja schier gespensterhaft. Was aber aus dem Weiss erstrahle, sei heiterer, lustiger, ja oft sogar skurril.

Besucher treffen auf unterschiedliche Welten

Der Künstler geht bei seiner Arbeit stets sehr intuitiv vor: Dies, ob er nun skizziert, zeichnet, mit Tusche und Wasser hantiert, die Kritzkratz-Technik auf schwarzer Schicht anwendet oder auf Leinwand mit blossen Fingern schrille Ölfarben aufträgt. Bei einem Gang durch die Ausstellung treffen Besucher auf unterschiedlichste Welten: Auf der einen Seite ist es das Verspielte, das Unbeschwerte. Und gleich daneben tun sich Abgründe auf, die einen erschrecken könnten.

Rogger ist überzeugt, dass in seiner Kunst sowohl das Komische als auch das Tragische Platz haben sollen. Doch er betont auch: «Stets spielt für mich die Suche nach dem Mittelpunkt, um den alles kreist, in dem sich alles verdichtet, eine grosse Rolle.» Vor allem mit den neusten Werken, die etwa Titel wie «Augenblick einer Stadt», «Begrünte Stadt» oder auch «Bei Farben und Formen zu Hause» tragen, stellt sich Rogger auch eine entscheidende, ganz persönliche Frage: «Was bedeutet mein Werk für mich selber? Wie könnte mein Weg nach dieser von Raum und Zahl der Werke her gesehen einmaligen Ausstellung weiter gehen?» Wie auch immer: Im Moment wird jeder Besuch in der Sust zum Ausflug in eine fantastische, märchenhafte Welt.

Hinweis

Sust Stansstad: Kunstausstellung mit 153 Werken von Stefan Rogger. 5. bis 27. Mai. Vernissage heute um 17 Uhr. Führungen mit dem Künstler am 13./21. und 26. Mai, jeweils von 14 bis 15 Uhr. Öffnungszeiten: Samstag 14 bis 18 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr

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