STANSSTAD: «Sprache ist der Schlüssel zu allem»

Deutschkurse boomen in Nidwalden. Ausländer wollen sich integrieren. Besonders wichtig für junge Mütter: das Kursangebot mit Kinderbetreuung.

Marion Wannemacher
Drucken
Teilen
Deutschkurs im Mütterzentrum Stansstad: in der Bildmitte Lehrerin Regula Egli-Schifferli. (Bild Marion Wannemacher)

Deutschkurs im Mütterzentrum Stansstad: in der Bildmitte Lehrerin Regula Egli-Schifferli. (Bild Marion Wannemacher)

Marion Wannemacher

Znünipause im Kinderhort: Oksana Suljic-Deidele teilt einen Apfel und gibt ihn an die Tischrunde weiter. Mit Appetit geniessen die elf ihr Obst, den Schoppen oder das Knusperbrot. Zu zweit betreuen Oksana und ihre Kollegin die Babys und Kleinkinder. «Das ist meine Freundin», sagt die fünfjährige Sofia stolz und deutet auf ihre Tischnachbarin Michal. Einen Raum weiter lernen ihre Mütter Deutsch. Alganesh Baht sitzt in der Mitte. Vor ihr Deutschlehrerin Regula Egli-Schifferli. Alganesh berichtet auf Deutsch, wie sie am Morgen für sich und ihre Tochter das Frühstück zubereitet. Die Lehrerin ist sehr zufrieden mit ihr. Jetzt sollen die Teilnehmer aus dem Gedächtnis einen Satz aus dem Bericht ihrer Kollegin wiedergeben. «Ich gebe eine Flasche Milch von meiner Tochter», sagt eine Schülerin. «Ich gebe meiner Tochter eine Flasche Milch», korrigiert Regula Egli.

Lernen und Kontakte knüpfen

«Für mich ist es sehr wichtig, Deutsch zu lernen, um Kontakte zu bekommen», erzählt Alganesh Baht in gebrochenem Deutsch. Wegen politischer Probleme in Eritrea kam sie in die Schweiz. Die Italienerin Simona Caporale ist wegen der Arbeit ihres Mannes in Nidwalden. Er arbeitet bei den Pilatuswerken. «Ich denke, dieser Kurs ist perfekt für Mütter mit Kindern», lobt sie. Offensichtlich mag sie ihr Gastland. «Die Schweiz ist perfekt für Familien mit Kindern», sagt die 34-Jährige. «Für mich ist es wichtig, mit anderen Müttern und Vätern zu sprechen», betont die junge Frau. «Ich habe zwar viele Kontakte, aber kenne nicht viele Schweizer.» Simona hat sich im Kurs mit Valentina, einer anderen Italienerin und Hollee, angefreundet. Deren Männer arbeiten auch bei den Pilatuswerken.

«Sprache ist der Schlüssel zu allem. Sich verständigen können mit Nachbarn, in der Schule, beim Arzt, in Vereinen, heisst teilhaben am Leben», betont Yl­fete Fanaj, Integrationsbeauftragte des Kantons Nidwalden. Deutschkurse in Nidwalden boomen. Im Vergleich zu 65 im vergangenen Jahr besuchen rund 90 fremdsprachige Mitbürger einen Deutschkurs im Kanton.

Die Kurslektionen werden, um die Leute niederschwellig ansprechen zu können, von Bund, Kanton und Gemeinden mitsubventioniert. Ausser in Nidwalden lernen viele fremdsprachige Einwohner in Luzern Deutsch in Intensiv-, Privat- oder Spezialkursen. Ylfete Fanaj schätzt die Zahl auf 350 Personen.

«Wollen schneller vorankommen»

Nach einer Umstrukturierung werden in Nidwalden neu zwei Kurstage pro Woche angeboten, vier Lektionen statt der üblichen zwei, also doppelt so viel. So erklärt sich Fanaj auch den Zulauf: «Die Kursteilnehmer schätzen das. Sie wollen schneller vorankommen.»

Wichtig vor allem für Mütter mit sehr kleinen Kindern ist das Angebot der Betreuung. «Als es den Kurs ein halbes Jahr nicht gab, wurde gewünscht, ihn wieder anzubieten.» Jetzt ist er mit 14 Teilnehmern, darunter auch einem Vater, fast voll besetzt. Dass der Deutschkurs mit Betreuungsangebot im Mütterzentrum Stansstad stattfindet, könnte auch die Wege der Mütter dorthin ebnen. Doch nur eine Mutter nutzt bislang das Angebot vor Ort.

Alle anderen sechs Kurse sind in der Berufsfachschule, die neuerdings auch Träger für den Deutschunterricht ist. «Das örtliche Umfeld ist ein Vorteil», hält Ylfete Fanaj fest. «So kommen die Teilnehmer mit den Regelangeboten in Kontakt, mit dem BIZ und der Berufsschule.» Ursi Häller, Verantwortliche der Deutschkurse beim BWZ und Kursleiterin, ergänzt: «Ausserdem ist die Berufsschule durch die Lage am Bahnhof gut erreichbar.»

Das Kursniveau sei bei den einzelnen Teilnehmern sehr unterschiedlich: «Im Moment habe ich eine sehr starke Klas-se», freut sich Ursi Häller. Die Palette aller Kursteilnehmer in Nidwalden reicht weit: «Vom 22-jährigen Portugiesen über die junge Mutter aus Eritrea bis zum 70-jährigen Amerikaner.»