Stansstader Wohnüberbauung versorgt sich selbst mit Energie

Erstmals profitiert eine Überbauung in Nidwalden vom revidierten Energiegesetz.

Beat Christen
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Eine Visualisierung des fertigen Projekts: In der Schürmatt entsteht die erste Überbauung in Nidwalden, die den auf den Dächern produzierte Solarstrom als Einheit untereinander austauscht.

Eine Visualisierung des fertigen Projekts: In der Schürmatt entsteht die erste Überbauung in Nidwalden, die den auf den Dächern produzierte Solarstrom als Einheit untereinander austauscht.

Bild: PD

Premiere im Kanton Nidwalden: In der Wohnüberbauung Schürmatt in Stansstad kommt es in Zukunft zu einem regen Energieaustausch zwischen den acht Mehrfamilienhäusern. Möglich macht dies zum einen die mit dem Ja des Stimmvolkes seit dem 1. Januar 2018 geltende Energiestrategie 2050, die Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (ZEV) zulässt. Zum anderen braucht es die Bereitschaft der Bauherren EG Schappe AG und Kutonix-Invest AG, diesen neuen Weg in Angriff zu nehmen.

Mit im Boot ist die Eberli AG, welche die Überbauung als Totalunternehmerin im Auftrag der Bauherrschaft realisiert. Dritter im Bunde ist der Beckenrieder Thomas Käslin mit seinem Start-up-Unternehmen E-Man AG. Er bringt das technische Know-how ein, damit der auf den acht Dächern der Mehrfamilienhäuser in der Schürmatt selbst produzierte Solarstrom effizient innerhalb der Wohnsiedlung genutzt werden kann. Bereits in der zweiten Hälfte dieses Jahres gehen die ersten vier Anlagen ans Netz.

EWN liefert bei Mangel zusätzlichen Strom

Mit dem Zusammenschluss verschmelzen die 84 einzelnen Strombezüger zu einer Einheit. «Die Bewohner beziehen die elektrische Energie von der Verwaltung des Energiezusammenschlusses. Einen Grossteil des Stroms liefern die Solaranlagen auf den Dächern, ohne dabei Mehrkosten zu generieren. Dadurch partizipieren die Eigentümer und Mieter der Wohnungen in der Schürmatt aktiv an einer umweltfreundlichen und zukunftsorientierten Energielösung», freut sich Martin Barmettler, der stellvertretende CEO bei Eberli. Wird zusätzlicher Strom benötigt, wird dieser vom Energiezusammenschluss der Schürmatt beim EW Nidwalden eingekauft. «In dem mit dem EWN ausgehandelten Vertrag ist festgehalten, dass diese Energie mit Wasserkraft aus der Schweiz produziert werden muss», präzisiert Martin Barmettler. Zudem kann überschüssig produzierte Solarenergie in das Nidwaldner EW-Netz eingespeist werden.

Möglich macht den ganzen Austausch ein in Nidwalden entwickeltes System. Dahinter steckt das Start-up-Unternehmen E-Man AG von Thomas Käslin. Bei Einzelobjekten bereits erfolgreich eingesetzt, wird nun der Einsatzradius auf eine ganze Überbauung ausgebaut. «Egal ob bei einem oder mehreren Mehrfamilienhäusern, bleibt das Ziel das Gleiche. Es soll möglichst viel selbst produzierte Energie direkt innerhalb der Überbauung verbraucht werden.» Produziert die Fotovoltaikanlage überschüssige Energie, werden im Treppenhaus blaue LED-Lampen dies den Bewohnern kundtun. Mit dieser Anzeige könne das Verhalten der Bewohner punkto Energiekonsum gezielt beeinflusst werden, weiss Thomas Käslin aus Erfahrung.

Zudem besteht bei einer Mehrproduktion von Solarstrom die Möglichkeit, dass grosse Verbraucher wie etwa die elektrischen Warmwasseraufbereitungen automatisch zugeschaltet werden. «Dies wirkt sich am Ende auch positiv auf die Lebensdauer der Wärmepumpen aus», ist Thomas Käslin überzeugt.

Zukunftsweisendes System

Beim Entscheid der Bauherrschaft, auf dieses System zu setzen, hat der schonende Umgang mit den vorhandenen Ressourcen eine entscheidende Rolle gespielt. Jeder Eigentümer oder Mieter einer Wohnung kann gemäss Martin Barmettler seinen Energiekonsum gezielt selber beeinflussen. Unterstützung erhalten sie dabei von einer eigens entwickelten App. «Mit dieser App können die aufgelaufenen Stromkosten, aber auch der Verbrauch von Warm- und Kaltwasser sowie jener für die Wärme- oder Kälteenergie jederzeit abgerufen werden.» Und da auch beim Zukauf der fehlenden Energie Angebot und Nachfrage ins Spiel kommen, partizipieren die Bewohner der Wohnüberbauung Schürmatt automatisch von den liberalisierten Strompreisen.

Zudem bleiben die Verwaltungskosten bei nur einem Ansprechpartner für den gesamten Energiebedarf einer Haushaltung tief. Martin Barmettler ist überzeugt, dass sich der Einstieg in dieses zukunftsweisende System lohnt. Er schliesst nicht aus, dass diese Lösung bei zukünftigen Bauvorhaben des Sarner Unternehmens Standard wird.