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SÜDAFRIKA: «Wein ist eine Lebensart und Passion»

Wein steht im Mittelpunkt seines Lebens. Der Buochser Rene Reiser hat sich seinen Traum erfüllt und betreibt ein Weingut am Kap.
Philipp Unterschütz
Rene Reiser und seine Frau Birgit. (Bild: pd)

Rene Reiser und seine Frau Birgit. (Bild: pd)

Philipp Unterschütz

«Vielleicht hat ja unser Familienname seine Wirkung getan. Ich war schon als Kind vom Reisen fasziniert», sagt der 56-jährige Buochser Rene Reiser. Tatsächlich ist er in seinem Leben weit herumgekommen. Für den Lifthersteller Schindler war der Maschineningenieur fünf Jahre in China und reiste auch oft nach Australien. Später arbeitete er fünf Jahre in Schanghai für Zellweger Luwa und wurde 2002 nach Kapstadt in Südafrika versetzt. Als die Firma 2007 verkauft wurde, beschlossen Rene Reiser und seine Frau Birgit, in Südafrika zu bleiben. Ein Schritt, den er bis heute nicht bereut. «Südafrika ist ein wunderschönes Land mit vielen Möglichkeiten. Wir erleben es immer wieder, was für eine Faszination die Schönheit dieser Gegend auf die Menschen ausübt.»

Zuerst wars eine grosse Umstellung

In Südafrika konnte Rene Reiser einen Traum verwirklichen. «Wein war schon immer meine Passion, und in welchem Land wäre es besser, ins Weingeschäft einzusteigen, als in Südafrika?» Nach bereits sieben Jahren im Land wusste er, auf was er sich einlassen würde. «Ich kannte schon Winzer hier, und meine Frau hatte durch ihre Arbeit auf einem grossen Weingut auch schon grossen Einblick in die südafrikanische Weinwirtschaft.» Der Umzug ganz am Anfang von Schanghai nach Stellenbosch sei aber eine grosse Umstellung gewesen. Vom hektischen Grossstadtleben in eine kleine, gemütliche Weinstadt zu wechseln, habe schon etwas Zeit gebraucht. «Wir hatten aber grosses Glück und die beste Nachbarschaft, die man sich vorstellen kann. Die Südafrikaner sind sehr herzliche Menschen und haben es uns mit ihrer Gastfreundschaft einfach gemacht, uns wohl zu fühlen», erzählt Rene Reiser. Inzwischen fühlten sie sich nach 14 Jahren im Land voll integriert.

Ein Jahr lang renoviert

2007 begann Reiser, von Südafrika aus seinen eigenen Weinhandel nach China aufzubauen, wo er inzwischen ausser seinem eigenen Weingut noch weitere acht Weingüter aus Südafrika sowie französische und deutsche Weingüter vertritt. 2009 erfüllte sich der ganz grosse Traum. «Wir haben ‹Jacaranda› gefunden, ein sanierungsbedürftiges kleines Weingut in Wellington, aber wunderschön», schwärmt Rene Reiser. Es sei anfänglich keine einfache Zeit gewesen, aber nach einem Jahr intensiver Renovierung war es geschafft: Man konnte die ersten Gäste begrüssen und den ersten Wein machen. «Birgit und ich haben beide Kurse an der Universität Stellenbosch für ‹Garagisten-Weinmacher› absolviert. Zudem berät uns ein befreundeter Weinmacher aus dem Elsass.» Inzwischen sind auch der Weinkeller renoviert und neue Weinstöcke gepflanzt. Auf der Farm haben Reisers rund 3,5 Hektar mit Chenin Blanc, Viognier, Shiraz und Mourvedre bepflanzt. Zusätzlich bewirtschaften sie 4 Hektar gepachtete Rebfläche in der Nachbarschaft mit vorwiegend Cabernet Sauvignon und Merlot. «Ein Teil unserer eigenen Chenin-Blanc-Reben ist 38 Jahre alt, das gibt wunderschöne und konzentrierte Weine. Unsere Weine werden biologisch angebaut und kommen mit sehr niedrigen Schwefelwerten aus», sagt Rene Reiser. Die Produktion liegt momentan bei 30 000 Flaschen im Jahr. Und das Weingut mit einer kleinen Bed-&-Breakfast-Herberge für maximal acht Personen sowie der Weinhandel halten die Reisers ganz schön auf Trab. «Vom Etikettenkleben, Arbeit im Weinberg, übers Weinmachen bis zu Marketing, Verkauf und Consulting machen wir alle Arbeiten, die man sich vorstellen kann. Da wir ein sehr kleines Team sind, macht man halt einfach alles und springt überall ein, wo Not am Mann ist.»

Wein spiegelt das Jahr wider

Doch wo liegt für Rene Reiser der Reiz, selber Wein zu produzieren? «Wein ist eine Lebensart und eine Passion. Man muss Geduld haben und ein gutes Gefühl dafür, was machbar ist und was nicht.» Wein sei nicht nur ein Ausdruck der jeweiligen Rebsorte, sondern spiegle jedes Jahr wider, was genau passiert sei. War es trocken, viel Sonne, viel Regen? Wie wurde im Weinberg gearbeitet? Was ist im Keller passiert? «Jeder Jahrgang ist anders, und es ist der Reiz eines guten Weines, das auch auszudrücken und zu vermitteln.» Man müsse zu 100 Prozent bei der Sache sein und viel Begeisterung und Enthusiasmus mitbringen, sonst wäre das gar nicht machbar.

Apartheid hat Wunden hinterlassen

Wenig erstaunlich, dass eine Rückkehr in die Schweiz kein Thema für Rene Reiser ist. «Inzwischen bin ich mit meinen Reben und meinem Leben hier so verwurzelt, dass ich mir nichts anderes mehr vorstellen kann.» Südafrika sei ein schönes Land zum Altwerden, hier sei sein Leben, und er bleibe. «Voraussetzung ist natürlich, dass die politische Situation stabil bleibt.»

Natürlich hätte er früher auch mal Zweifel gehabt. Vor allem der Schritt in die Selbstständigkeit sei ein grosses Wagnis gewesen. In Südafrika träfen viele unterschiedliche Kulturen zusammen, die Apartheidzeit habe bis heute viele noch offene Wunden hinterlassen, und die junge Demokratie suche noch nach Stabilität. Schon im Privatleben sei das eine Herausforderung. Es aber auch im Arbeitsleben zu berücksichtigen, sei ein grosser Lernprozess gewesen, betont Rene Reiser. «Sich in die Menschen hineinzuversetzen und zu versuchen, das Leben aus den verschiedenen Blickwinkeln und Lebenssituationen zu sehen und gleichzeitig eine Firma profitabel am Laufen zu halten, kann man mit einem Balance-Akt vergleichen.» Da seien Durchhaltevermögen und Geduld gefragt, aber auch ein grosses Herz und Interesse an anderen Menschen.

Und eine gute Portion Humor helfe immer weiter. Zum Beispiel bei den Streichen, die ihm sein örtlicher Stromversorger so gespielt habe. «Wir hatten für drei Jahre kontrollierte Stromausfälle mit Vorwarnung, da nicht genug Kapazität vorhanden war. Manchmal eben leider auch nicht so kontrolliert, was dazu führte, dass wir unseren Chenin Blanc 2014 ohne Strom und bei Kerzenlicht im Keller pressen mussten.»

Lebensqualität mehr geniessen

Ein- bis zweimal pro Jahr kommt Rene Reiser in die Schweiz, um Familie und Freunde zu besuchen sowie den Verkauf seiner Weine, die bei «Kapweine» in Wädenswil erhältlich sind, zu unterstützen. Auf die Frage, was er vermisse, antwortet er: «Unseren wunderbaren Innerschweizer Käse.»

Seine politischen Rechte, die er als Auslandschweizer in Südafrika hätte, nimmt er kaum wahr. Er sei politisch nicht engagiert und oft auch nicht auf dem Laufenden über die Vorlagen. Deshalb gebe er lieber keine Stimme ab. Aber einen Tipp hat er für die Schweizer schon. «Die Schweiz ist ein wunderschönes Land mit einem extrem hohen Lebensstandard. Ich wünsche mir, dass die Schweizer das auch sehen und vielleicht ab und zu einmal einen Schritt zurücktreten und ihre Lebensqualität etwas genussvoller anschauen können.»

In unserer Sommerserie «Auswanderer» stellen wir Nid- und Obwaldner vor, die in einem Land fernab ihrer Heimat ein neues Zuhause gefunden haben. Bisher erschienene Beiträge finden Sie unter www.nidwaldnerzeitung.ch/serien oder www.obwaldnerzeitung.ch/serien

Winteransicht vom «Holiday Cottage» auf dem Weingut Jacaranda. (Bild: PD)

Winteransicht vom «Holiday Cottage» auf dem Weingut Jacaranda. (Bild: PD)

Bild: Grafik Neue LZ

Bild: Grafik Neue LZ

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