«Talentbühne» lässt Nidwaldner Jungmusiker brillieren

Mit dem neuen Konzertformat können junge Talente Erfahrung auf der grossen Bühne sammeln. Die Premiere in Stans war ein voller Erfolg.

Kurt Liembd
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Das Schwyzerörgelitrio Echo vom Engelbärgertal zeigt sein Können auf der «Talentbühne».

Das Schwyzerörgelitrio Echo vom Engelbärgertal zeigt sein Können auf der «Talentbühne».

Bild: André A. Niederberger (Stans, 7. Februar 2020)

Schülerkonzerte kennt man überall. Was aber am Freitagabend im Chäslager geschah, sprengte den Rahmen üblicher Vortragsübungen in Sachen Niveau und Ambiente. Mit der «Talentbühne» lancierte die Musikschule Stans ein neues Konzertformat, bei dem ausgewählte Musikschüler Gelegenheit erhalten, sich auf einer «grossen Bühne» zu präsentieren und Konzerterfahrung zu sammeln.

Initiant ist Musikschulleiter Michael Schönbächler. «Das Format ist geeignet, musikalische Begabungen zu fördern», sagt er. Hocherfreut zeigte sich René Burrell, Betriebsleiter des Chäslagers: «Ich freue mich riesig, dass unser Haus für dieses Format ausgewählt wurde».

Eine Reise durch die halbe Musikgeschichte

16 Schüler bewiesen im Chäslager ihr Können. Zu geniessen gab’s ein breites Spektrum an Instrumenten und eine Reise durch die halbe Musikgeschichte, von Barock über Klassik/Romantik bis zu zeitgenössischer Experimentalmusik. Das Chäslager war bis auf den letzten Platz besetzt und das Publikum zeigte sich von den jungen Künstlern sehr angetan. Exemplarisch war bereits die Eröffnung mit dem Posaunenkonzert des dänischen Komponisten Launy Gröndahl mit Simon Knüsel als Solist, begleitet am Klavier von Irina Judt. Simon Knüsel gelang es in diesem spätromantischen Werk, viele Nuancen der Posaune zu präsentieren – vom lyrischen Gesang bis zu dramatischen Szenen. Auffallend dabei die grossen Tonsprünge und die komplexen Rhythmen.

Anna Gander an der Harfe.

Anna Gander an der Harfe.

Bild: André A. Niederberger (Stans, 7. Februar 2020)

«Wenn man von Talentförderung in Stans spricht, kommt man an einem Namen nicht vorbei», sagte Michael Schönbächler, der durchs Programm führte. Damit meinte er Anna Gander (17), Harfenistin im 9.Unterrichtsjahr. Wer Anna Gander in den letzten Jahren gehört hat, erhielt den Eindruck, dass sie mit jedem Auftritt musikalisch noch reifer wird. Grossen Mut bewies sie, indem sie sich an experimentelle Musik von Heinz Holliger, einem der bedeutendsten Musiker der Gegenwart, wagte. So schloss mancher Zuhörer die Augen und geriet ob den mystischen Klängen fast in Meditation. Dass Anna Gander auch traditionelle Harfenklänge auf bezaubernde Art beherrscht, bewies sie in ihrem zweiten Vortrag, mit dem sie die Zuhörer ebenso in ihren Bann zog.

Die «Talentbühne» soll fortgesetzt werden

Virginia Paissan, Mandoline (Mitte), wird von Silke Lisko  und Hannah Biermann, Gitarre, begleitet.

Virginia Paissan, Mandoline (Mitte), wird von Silke Lisko  und Hannah Biermann, Gitarre, begleitet.

Bild: André A. Niederberger (Stans, 7. Februar 2020)

Ebenfalls begeistert zeigte sich das Publikum vom Pianisten Joel Dällenbach. Virtuos interpretierte er den «Minutenwalzer» von Chopin sowie die gefühlsgeladene Nocturne «Liebestraum» von Franz Liszt. Zum Geniessen waren auch die Vorträge aller andern Musiktalente: von Zoé Beck (Klavier), Julia Amstutz (Gitarre), Rengin Toprak (Harfe), des Duos Anna Gehrig (Querflöte) und Valentin Zwahlen (Violine), des Rock-Trios Oliver Truttmann (E-Gitarre), Ryan Truttmann (E-Bass) und Diego Mathis (Drums), von Alina Leuthold (Gitarre), Virginia Paissan (Mandoline) und dem Schwyzerörgelitrio «Echo vom Engelbärgertal» mit Sven Odermatt, Matteo Zaugg und Fabian Odermatt.

Auffallend war, dass alle 16 Musikschüler auswendig spielten, sodass ihr musikalischer Ausdruck noch reifer wirkte. Nach der gelungenen Premiere stellt sich die Frage nach der Zukunft der Talentbühne. «Ich hoffe, dass wir dieses Format inskünftig etablieren können», meinte Michael Schönbächler.