Tell stiehlt Winkelried auf dem Stanser Dorfplatz die Schau

Das Luzerner Theater bezieht für eine Neuinszenierung von «Wilhelm Tell» Stans und Sarnen mit in die Vorbereitungen ein.

Christoph Näpflin
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Der Stanser Dorfplatz wird zur Theaterkulisse - und für einmal dominiert dort Wilhelm Tell.

Der Stanser Dorfplatz wird zur Theaterkulisse - und für einmal dominiert dort Wilhelm Tell.

Bild: PD

Im Februar 2021 wird im Luzerner Theater das Stück «Tell – eine wahre Geschichte nach Friedrich Schiller» uraufgeführt. In diesen Tagen reist Regisseur Franz von Strolchen an die Orte in der Zentralschweiz, welche in der Geschichte von Wilhelm Tell eine Erwähnung finden. Am kommenden Donnerstag, 30. Juli, ist er mit drei Ensemblemitgliedern und dem alten weissen Postbus Gast an der Treib am Vierwaldstättersee. Am Tag darauf sind Sarnen und Stans an der Reihe. Am Abend dient der Bus jeweils als Theaterbühne. Das Ensemble vom Luzerner Theater zeigt dann, was sie tagsüber in Gesprächen mit der Bevölkerung erfahren haben über wahre Helden unserer Zeit. Auf diese Weise werden die Bewohner der besuchten Orte in die Entstehung des Stücks miteinbezogen.

Gespräche mit der Bevölkerung

Regisseur Franz von Strolchen verbindet sich mit den Menschen von heute, um ihnen zuzuhören und daraus Geschichten zu erfinden. Die daraus entstehenden Inszenierungen bewegen sich zwischen Dokumentation und Fiktion und setzen sich spielerisch mit den gegenwärtigen politischen Phänomenen auseinander. Die Resultate der Gespräche, wie sie am Mittwoch in Altdorf, am Donnerstag in Seelisberg und am Freitag in Sarnen und Stans stattfinden, sind der Ausgangspunkt für eine «Tell»-Adaption, welche den Schweizer Gründungsmythos, ausgehend vom berühmten Apfelschuss, als eine moderne Vater-Sohn-Beziehung erzählt. Der Autor Christian Winkler überschreibt auf diese Weise das berühmte Werk von Friedrich Schiller und transportiert es so an die Originalschauplätze der Erzählung und zu den Menschen, die hier leben. So entsteht zum Schluss ein Theaterstück, das auf dem Besuch des Ensembles in diesem Sommer vor Ort aufbaut. «Wir sind gespannt, was aus den Gesprächen in Seelisberg herauskommt und wie dies dann im eigentlichen Theaterstück eingebracht wird» freut sich der für Kultur zuständige Seelisberger Gemeinderat André Hafner.

Auf dieser Recherchereise von Küssnacht über Schwyz und Altdorf nach Seelisberg und Sarnen/Stans erhalten die Bewohner die Gelegenheit, sich auszutauschen und gemeinsam Theater in den unterschiedlichsten Spielformen zu erleben. «Wir machen daraus einen geselligen und spannenden Abend in Seelisberg, wenn wir schon einmal das Luzerner Theater bei uns begrüssen dürfen» erklärt André Hafner.

Für den Theaterabend beim idyllischen Haus zur Treib am See fährt am Donnerstag um 18.15 Uhr die Bergbahn von Seelisberg nach Treib. Bei einem Apéro und Grillplausch im Wirtshaus zur Treib bringt Regisseur Franz von Strolchen die Idee des Stücks näher. Um 21 Uhr geht dann der Vorhang auf für die rund 30-minütige Vorstellung «Wie Gessler starb in 3 Minuten». Es bleibt bei Kaffee und Dessert noch genügend Zeit, das Erlebte zu diskutieren und sich mit den Protagonisten auszutauschen, bevor die Bahn die Gäste zurück nach Seelisberg bringt.

Es gibt auch Gründe für Halt in Sarnen und Stans

Ähnlich wird das Projekt am Freitag am Nachmittag in Sarnen und am Abend in Stans ablaufen. Allerdings wird das Theater nur in Stans auf dem Dorfplatz aufgeführt. Obwohl Sarnen und Stans nicht direkt Schauplätze der Tellsgeschichte sind, waren doch auch Protagonisten aus Nid- und Obwalden involviert, beispielsweise beim Rütli-Schwur. Zudem enthält das «Weisse Buch von Sarnen» eine der ältesten Überlieferungen der Geschichte. Also Gründe genug, um auf der Recherchereise auch in Nid- und Obwalden einen Halt einzulegen.

Anmeldungen für den Anlass an der Treib sind nötig bis zum 28. Juli 2020 unter 041 820 15 63.