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THAILAND: «Die Familie hat hier noch einen anderen Stellenwert»

Nach seiner Pensionierung kehrte Walter Muhmenthaler der Schweiz endgültig den Rücken zu. Das Thailand-Virus erfasste ihn schon vor langer Zeit.
Matthias Piazza
Walter Muhmenthaler (Bild: PD)

Walter Muhmenthaler (Bild: PD)

Matthias Piazza

Walter Muhmenthaler geniesst das Bad im Swimmingpool – mitten im Grünen, unter stahlblauem Himmel. Die Aufnahme stammt aber nicht aus seinen Ferien, sondern aus seiner neuen Wahlheimat Thailand. Der Nidwaldner lebt seit seiner Pensionierung im Dezember des vergangenen Jahres in der Provinzhauptstadt Udon Thani im Nordosten Thailands, 50 Kilometer vom Mekong entfernt. Die Hauptstadt Bangkok ist 560 Kilometer entfernt. Er geniesst das Rentnerdasein, fährt seine zehnjährige Stieftochter zur Schule, kauft ein, kocht manchmal das Nachtessen, baut zurzeit gerade eine Fast-Open-Air-Küche.

«Das Alter wird geachtet»

In den vergangenen 15 Jahren besuchte er jeweils ein- bis zweimal pro Jahr für mehrere Wochen Thailand und lernte so das Land und die Leute kennen, hat sich über die Jahre hier eingerichtet, besitzt ein Haus, zwei Autos. «Ich kann mir Dinge leisten, die ich mir in der Schweiz kaum im gleichen Umfang vorstellen kann», erzählt er. An seinem neuen Leben schätze er, dass nicht alles bis ins kleinste Detail geregelt sei. «Zum Beispiel muss nur der Töfffahrer einen Helm tragen, kann aber problemlos noch drei bis vier Passagiere ohne auf den Zweisitzer laden – dem Gesetz ist damit Genüge getan.» Auch Sicherheitslinien, Rotlichter und falsche Fahrbahnseiten seien nicht zu beachten, erzählt er mit einem Augenzwinkern.

Für ihn sei klar, dass er seinen Lebensabend hier verbringen werde: «Die Familie hat hier noch einen anderen Stellenwert. Man behält die alten Leute in der Gemeinschaft und kümmert sich um sie. Das Alter wird geachtet und respektiert. Man landet nicht auf dem Müllhaufen der Zivilisation.»

Aufgewachsen ist der 65-Jährige in Beckenried, wo er die Primar- und Sekundarschule besuchte. Irgendein Gen grossmütterlicherseits habe in ihm schon früh das Interesse an fremden Ländern, Sprachen und Kulturen geweckt. Bereits mit 15 Jahren verliess er zum ersten Mal sein Zuhause und machte eine Lehre als Koch im Berner Oberland.

Anfang der 1970er-Jahre verliess er die Schweiz und fuhr während acht Jahren auf Hochsee-Frachtern in die Welt hinaus – gefolgt von beruflichen Kurzaufenthalten in Neuseeland, Brasilien, Taiwan und bei den Gemeindewerken Beckenried. Er heiratete eine Chinesin aus Taiwan und arbeitete an verschiedenen Orten in Nidwalden, dazu auch noch ein halbes Jahr in Taiwan. Nach der Scheidung vor gut 20 Jahren habe er sich mit dem Reisen etwas zurückhalten müssen – aus wirtschaftlichen Gründen. «Doch die Affinität zum asiatischen Raum hat mich nie verlassen. Mit dem Virus Thailand wurde ich schon bei meinem ersten Besuch 1974 infiziert.»

Das Nomaden-Gen scheint er vererbt zu haben. So habe seine Tochter auch schon in Kanada und der Karibik gearbeitet und ging in Taiwan in die amerikanische Schule.

Mentalität der Gegensätze

Mit seinem Leben in der neuen Heimat habe er sich gut arrangiert. «Ich kenne die asiatische Mentalität, obwohl ich die Sprache nur rudimentär spreche – mit Englisch komme ich aber gut über die Runden.» Vor allem gefragt seien hier Geduld und Respekt gegenüber der einheimischen Bevölkerung. «Ich habe kein Problem, mich anzupassen, aber gewisse Dinge entlocken mir schon manchmal ein Schmunzeln», erzählt er. Und denkt etwa an Gegensätzlichkeiten der Thais. «Auf der einen Seite sind sie rational und geschäftstüchtig – auf der anderen Seite glauben sie an Geister und Übernatürliches, sind medikamentengläubig und erwarten – getreu dem buddhistischen Glauben –, dass im nächsten Leben alles besser wird.» Fatalismus und Geduld erwähnt er als wichtige Eigenschaften. «Gemütsregungen wie Ärger zeigen bewirken genau das Gegenteil. Und niemand verliert gerne das Gesicht.»

1.-August-Feuerwerk verschluckt

Und das Essen? Damit habe er keine Mühe. «Obwohl es sich manchmal anfühlt, als habe man ein 1.-August-Feuerwerk verschluckt.» Doch er hat Grenzen. Und die zieht er bei gerösteten Insekten, gekochten Hühnerfüssen, Termiteneiern, blauem Reis und giftgrünen Nudeln. «Man sagt ja, Asiaten essen alles, was Beine hat – ausser Tische und Stühle.»

Sein Tipp für ein erfolgreiches Auswandern: «Das Wichtigste sind wohl die Kenntnisse der Landessprache und der offene Geist für fremde Kulturen und Gebräuche. Die Einheimischen haben nicht auf uns gewartet. Deren Kultur ist meist Tausende Jahre älter als unsere mitteleuropäische, und das gibt uns kein Recht, auf kolonisatorische Art aufzutreten.» Vom Auswandern aufs Geratewohl hält er ebenfalls nichts. «Man sollte das Land zuerst kennen lernen und sich gut vorbereiten.»

Hinweis

In unserer Sommerserie «Auswanderer» stellen wir Nid- und Obwaldner vor, die in einem Land fernab ihrer Heimat ein neues Zuhause gefunden haben. Bisher erschienene Beiträge finden Sie unter www.nidwaldnerzeitung.ch/serien oder www.obwaldnerzeitung.ch/serien

Walter Muhmenthaler geniesst in Thailand sein Leben als Pensionär. (Bilder PD)

Walter Muhmenthaler geniesst in Thailand sein Leben als Pensionär. (Bilder PD)

Thailand

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