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Theater Buochs lässt Schweizer über sich selber lachen

In einer Bühnenfassung von Paul Steinmann spionieren Rolf Lyssys berühmte «Schweizermacher» erstmals in Nidwalden. Virtuos und aufwendig spielt das Landtheater in der Erfolgskomödie all die vielen Stärken aus, für die es bekannt ist.
Romano Cuonz
Gespräch im Wohnzimmer: Die Schweizermacher Moritz Fischer (David Marty) und Max Bodmer (Kuno Scheuber) sind zu Besuch bei der Tänzerin Milena Vakulic. (Ramona Iten, von rechts). (Bild: Romano Cuonz (Buochs, 12. Januar 2019))

Gespräch im Wohnzimmer: Die Schweizermacher Moritz Fischer (David Marty) und Max Bodmer (Kuno Scheuber) sind zu Besuch bei der Tänzerin Milena Vakulic. (Ramona Iten, von rechts). (Bild: Romano Cuonz (Buochs, 12. Januar 2019))

«Mit der Bühnenuraufführung von ‹Die Schweizermacher› geht für uns ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung», freut sich Präsidentin Katrin Niess im Programmheft zum heurigen Buochser Theater. Und Grund zur Freude hat sie allemal. In einer von Paul Steinmann mit feiner Klinge zugeschnittenen, reich pointierten Bühnenfassung zaubert die Theatergesellschaft die zeitlose Erfolgsstory auf ihre Bretter.

Das Ensemble vor und hinter den Kulissen besinnt sich auf all jene Tugenden, die das Buochser Theater weit über Nidwaldens Grenzen hinaus zu einer eigentlichen Kultbühne gemacht haben. Da fallen der sorgfältige Umgang mit der Nidwaldner Mundart (Alois Gander/Antoinette Petermann) und die wohldosierte Adaptation des Stücks an einheimische Verhältnisse auf. Geradezu begeisternd ist das spektakuläre, sich drehende, schiebende und sogar auch einmal niedersinkende, dabei stets auch passend ausgestattete Bühnenbild von Elionora Amstutz. Und last, but not least ergötzt man sich bei den gut schweizerischen, aber eben oft schräg tönenden, gesungenen oder auf Instrumenten live und witzig interpretierten Musikeinlagen von Rolf Ambauen. Ja, dieses Jahr und bei dieser temporeichen, speziellen Produktion stimmt einfach alles.

Hier die Geschichte der beiden unterschiedlichen Schweizermacher Moritz Fischer (David Marty unbeholfen und pfiffig zugleich) und Max Bodmer (Kuno Scheuber mit ganz eigenen, urschweizerischen Kanten) erzählen zu wollen, hiesse Wasser in den Vierwaldstättersee tragen. Den erfolgreichsten Schweizer Film aller Zeiten haben Millionen Zuschauer gesehen.

Keine Kopie des Films und dessen Charaktere

Doch eben darin gipfelt die Kunst der Regisseurin Eva Mann: Sie kommt gar nicht erst auf den Gedanken, den Film und seine Charaktere zu kopieren. Viel mehr adjustiert sie Paul Steinmanns Bühnenversion nochmals haargenau: für die Buochser Bühne und das ihr längst wohlbekannte Ensemble. Damit kann das Publikum über eine fast schon zu bekannte aber unverwüstliche Geschichte von neuem herzlich und schier ohne Pause lachen. Die Buochser wagen es sogar – im Zuge ihrer durchaus gelungenen Aktualisierung des Stoffes –, eine gewisse Partei mitten in ihrer Hochburg Nidwalden beim Namen zu nennen.

Kleine Pointen noch und noch

Plump oder gar verletzend aber ist der Humor nie. Vielmehr gibt es da noch und noch kleine Pointen. Pointen, bei denen wir senkrechten Schweizer herzhaft über uns selber lachen oder grinsen können. Nur einige von vielen Beispielen, die dies spiegeln: Da ruft der engagierte Italiener und Gewerkschafter Grimolli (Hannes Marty ganz in seinem Element) im Hirthemd samt Armbrust aus: «Eidgenossen sind tapfer!» Oder da schafft es die Bühnenmannschaft, dass die balkanstämmige Tänzerin Milena Vakulic (Ramona Iten ganz einfach zum Verlieben) dem etwas gar unbeholfenen Fremdenpolizisten Fischer tatsächlich ein echtes Schaumbad samt Badeentchen einlassen kann. Urkomisch auch, wie sich der bünzlige Bodmer in einen der für ihn völlig ungewohnten damals modischen Sitzsäcke quetscht. Oder wie das Ehepaar Starke (Elmar Stein und Marion Tostmann ganz und gar deutsch, wie man es sich so vorstellt) redlich ums «Chuchichäschtli» und ein wackeres Schweizer Fondue bemüht ist. Schliesslich noch ein Detail, das mehr als viele Worte zeigt, wie sorgsam die Buochser dieses Jahr zu Werke gehen: Dass die Regisseurin mit Familie Grimolli und ihren überaus «härzigen» Kindern ein geradezu lupenreines Italienisch hinkriegt, ist schon Extraklasse.

Autor Paul Steinmann, Regisseurin Eva Mann und Rolf Lyssy, Erfinder der Geschichte und Regisseur des Films aus dem Jahr 1978 (von links), freuen sich über die Theaterpremiere. (Bild: Romano Cuonz (Buochs, 12. Januar 2019))

Autor Paul Steinmann, Regisseurin Eva Mann und Rolf Lyssy, Erfinder der Geschichte und Regisseur des Films aus dem Jahr 1978 (von links), freuen sich über die Theaterpremiere. (Bild: Romano Cuonz (Buochs, 12. Januar 2019))

Im Ganzen stehen dieses Jahr 28 Darstellerinnen und Darsteller – das geht von den grossen Sprechrollen bis hin zum wortkargen aber dennoch unverzichtbar prächtigen türkischen Putzmann (Christian Niederberger) – auf der Bühne. Trotz dieser Vielzahl und oft kleinen Rollen besitzt jede und jeder im Ensemble eine ganz eigene Ausstrahlung. Ein weiteres Verdienst der Regisseurin und all ihrer vielen Helferinnen und Helfern, die in Buochs Jahr für Jahr mehr als nur ganze und vor allem monatelange Arbeit leisten: mit viel Leidenschaft, wie sie für einen derart durchschlagenden Gesamterfolg eben unerlässlich ist.

Theater Buochs 2019: «Die Schweizermacher». 20 Aufführungen bis zum 3. März. Online Buchung: www.theater-buochs.ch.

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