Theater in Hergiswil: Auf der Alp treffen sich manch kuriose Gestalten

Die Jungmannschaft Hergiswil spielt eine turbulente Geschichte auf der Alp. Die Premiere ist gelungen.

Kurt Liembd
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Auf dem Hof treffen sich kuriose Gestalten, gespielt von Philipp Kaufmann, Gianluca Di Sante, Marina Keiser, Matthias Grimm, Sandra Steffen und Sarah Käser (von links).

Auf dem Hof treffen sich kuriose Gestalten, gespielt von Philipp Kaufmann, Gianluca Di Sante, Marina Keiser, Matthias Grimm, Sandra Steffen und Sarah Käser (von links).

Bild: Kurt Liembd (Hergiswil, 2. Januar 2020)

Ein behäbiger Bergbauer, ein aufgetakeltes Model, eine umtriebige Esoterikerin und zwei Gauner: Allein schon diese Ansammlung ganz unterschiedlicher Figuren lässt erahnen, dass hier beste Unterhaltung geboten wird. So geschehen am Freitag an der Premiere im Loppersaal, wo die Jungmannschaft den turbulenten Dreiakter «Älplerläbe» von Lukas Bühler spielt. Das Publikum zeigte sich begeistert und war des Lobes voll für die mehrheitlich sehr jungen Spieler. Wer aufgrund des Titels ein traditionelles bäuerliches Heimattheater oder einen Bauernschwank erwartete, lag falsch. Es gibt keine der klassischen Klischees und am Schluss wird auch nicht wie üblich geheiratet. Vielmehr lebt das Stück von komödiantischen Szenen und witzigen Wortspielereien.

Erstmals Frauen in Überzahl

Seit 60 Jahren wird im Lopperdorf Theater gespielt. Das Lustspiel von Lukas Bühler bildet eine Premiere gleich in mehrerer Hinsicht. Zum einen wurde dieses Stück erstmals aufgeführt, zum andern wird erstmals ohne Souffleur gespielt. Ein weiser Entscheid, denn die Spieler strotzen nur so von Selbstsicherheit. Eine weitere Premiere in der 60-jährigen Hergiswiler Theatergeschichte ist, dass dieses Jahr mehr Frauen als Männer spielen. Von den acht Schauspielern sind nur gerade drei Jungmannschäftler, die andern fünf sind Frauen und somit ausserhalb der Juma. Das Stück beginnt mit einem friedlichen ruhigen Alltag auf der Alp. Nichts deutet auf die kommenden Turbulenzen hin. Doch der Frieden wird erst durch zwei geschwätzige, liebesbedürftige Schwestern, dann durch ein Model, zwei Gangster und schliesslich durch eine Esoterikerin arg gestört. So gewinnt die Komödie zunehmend Fahrt und bis zum dritten Akt spitzt sich alles immer mehr zu.

Spieler zeigen Herzblut und Leidenschaft

Regisseur Daniel von Rotz aus Kerns, der in Hergiswil bereits zum dritten Mal Regie führt, ist es gelungen, alle acht Rollen optimal zu besetzen. Alle acht Darsteller spielen ihre Rollen gekonnt, mit Herzblut und Leidenschaft. Da ist zum einen der Routinier Gianluca Di Sante als Bergbauer Seppli, zum andern seine Frau Resi (Marina Keiser), aber auch Matthias Grimm, der gekonnt einen etwas tollpatschigen Komplizen des Gauners verkörpert. Bemerkenswert ist auch die Leistung der beiden Neulinge Anja Bissig als liebesbedürftige Jungfer und Philipp Kaufmann als furchteinflössender Gangster. Sie spielen ihre Rollen ebenso köstlich wie Anjna Kasper als geschwätzige Bettlerin für die Berghilfe und Sarah Käser als originelle Esoterikerin «Kalina Luna». Eine Sonderleistung bietet Sandra Steffen als Model mit unzähligen Outfits und einer originellen Mimik und Gestik. Eine Tussi mag sie ja wohl sein, aber letztlich ist sie es, die dem Gauner (Philipp Kaufmann) die Waffe abnehmen kann und diesen in die Flucht schlägt. Gegenüber dem letztjährigen Theater, wo sie ein frivoles Callgirl spielte, konnte sich Sandra Steffen dieses Jahr noch erheblich steigern. Zum guten Gelingen tragen auch viele neben der Bühne bei, so Pascal Allgäuer und sein 13-köpfiges Bühnenteam, Ruedi Wechsler und Adrian Möri (Technik), Chantal Steffen und Jennifer Zrotz (Maske), Küchenchef Fredi Schnider sowie das ganze Theater-OK unter der Leitung von Lars Kaiser.

Weitere sechs Aufführungen im Loppersaal 8./10./11./15./17./18. Januar 2020. Spielbeginn 20 Uhr, Theaterbar ab 19 Uhr geöffnet. Reservationen online unter www.jumahergiswil.ch oder telefonisch 041 632 30 30 (Mo – Fr, 18 – 20 Uhr).