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Theatergesellschaft Dallenwil: Mittendrin am Rande der Gesellschaft

Mit «Uf dä Gass» präsentiert die Theatergesellschaft Dallenwil ein nicht ganz einfach zu verdauendes Stück.
Irene Infanger
Die Theatergesellschaft Dallenwil feierte am Samstag Premiere mit dem gesellschaftskritischen Stück "Uf dä Gass". Lola (Louise Roche) überzeugt den Chef (Reto Gabriel) davon, das neue Mitglied Gina (oben rechts, Silvia Bründler) trotz ihrer Drogensucht bei ihnen aufzunehmen. (Bild: Irene Infanger, Dallenwil, 19. Oktober 2019)

Die Theatergesellschaft Dallenwil feierte am Samstag Premiere mit dem gesellschaftskritischen Stück "Uf dä Gass". Lola (Louise Roche) überzeugt den Chef (Reto Gabriel) davon, das neue Mitglied Gina (oben rechts, Silvia Bründler) trotz ihrer Drogensucht bei ihnen aufzunehmen. (Bild: Irene Infanger, Dallenwil, 19. Oktober 2019)

Mucksmäuschenstill war es, als Pleiten-Kurt (Fredy Joller) plötzlich zusammenbrach und schliesslich in den Armen des Philosophen (Michael Fuchs) seinen letzten Atemzug machte. Der Tod bedeutete gleichwohl das Ende der zweiten Szene. Von den rund 80 Premierenbesuchern vermochte jedoch lange niemand zu klatschen. Die Ergriffenheit über das Gesehene war einfach zu gross.

Die Szene war bezeichnend für das ganze Stück, das die Theatergesellschaft Dallenwil heuer präsentiert. «Harte Kost», wie Regisseur Samuel Christen es treffend umschrieb. Das gesellschaftskritische Stück «Uf dä Gass», basierend auf dem deutschen Stück «Auf Platte» von Rudolf Kühnl, zeigt das Leben von sieben Obdachlosen, die sich miteinander «uf dä Gass» arrangiert haben und irgendwie glücklich scheinen – trotz des täglichen Überlebenskampfes. Das Zusammenleben des «Wolfsrudels» – sie gegen den Rest der Welt – gerät jedoch mit dem Erscheinen der drogensüchtigen Gina (Silvia Bründler) aus den Fugen. Aus Angst vor Repressionen der Polizei und dem Verlust um ihr Plätzchen will der Chef (Reto Gabriel) sie loswerden und lässt sie nur gewähren, weil sie verspricht keine Drogen zu spritzen – was sie natürlich nicht einhält. Wäre das Stück nach der Hälfte fertig gewesen, man hätte fast von einem Happy End sprechen können, wäre dem realen Leben aber kaum gerecht geworden. Deswegen ging es auch für Gina und Ricardo (Jonas Odermatt) nach einer Rückkehr in die «normale» Gesellschaft mit Job und Wohnung wieder bergab und endete wieder auf der Strasse und schliesslich noch schlimmer. Stets auf der Suche nach dem nächsten Schuss zeigt das Stück, wie weit ein Mensch in seiner Sucht zuweilen geht und dabei nicht nur sein Leben, sondern das vieler Beteiligter zerstört.

Überzeugende Leistung aller Beteiligten

Die neun Schauspieler lassen die Zuschauer in die fast schon real wirkende Welt der Clochards eintauchen, inklusive der derben, unschönen Sprache der Strasse. Auch dank der einzigartigen Kulisse in der alten Sägerei in Dallenwil sitzen die Zuschauer – mit Decken, alten Zeitungen und Abfallsäcken gegen die Kälte ausgestattet – mittendrin im Leben «uf dä Gass».

Seit 15 Jahren schon geisterte das Stück in den Köpfen der Dallenwiler Theaterleute herum. «Heuer hat sich die Chance ergeben», sagte am Schluss ein sichtlich gerührter und stolzer Samuel Christen, der seit kurzem nicht nur Präsident ist, sondern erstmals auch als Regisseur wirkte. «Es ist einfach der Hammer gewesen», so Christen. Und das war es tatsächlich. Ein eindrückliches Stück und eine eindrückliche Inszenierung aller Beteiligten. Wer das Stück besucht – die Aufführungen sind grösstenteils ausverkauft – wird das Theater nicht enttäuscht, aber mit Bestimmtheit nachdenklich verlassen.

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