Thomas Zumbrunn bewahrt ein Stück Geschichte der Stanserhorn-Bahn

Wer weiss schon, dass sich bei der Mittelstation Kälti ein Archiv der Stanserhorn-Bahn verbirgt? Auf etwa 16 Quadratmetern sammelt und katalogisiert Thomas Zumbrunn Objekte aus alten Zeiten.

Marion Wannemacher
Drucken
Teilen
Archivar Thomas Zumbrunn reinigt einen Stuhl, auf dem die Bergbahnpioniere Franz Josef Bucher und Josef Durrer anfangs des 20. Jahrhunderts auf dem Stanserhorn ihre Mahlzeiten im Restaurant einnahmen. (Bild Marion Wannemacher, 21. August)

Archivar Thomas Zumbrunn reinigt einen Stuhl, auf dem die Bergbahnpioniere Franz Josef Bucher und Josef Durrer anfangs des 20. Jahrhunderts auf dem Stanserhorn ihre Mahlzeiten im Restaurant einnahmen. (Bild Marion Wannemacher, 21. August)

Für einmal geht es nicht auf den Gipfel des Stanserhorns. An der Mittelstation Kälti heisst es Aussteigen, rechts am Bahngebäude die Treppe hoch und dann durch die Tür in den hinteren Raum. «Hier ist mein kleines Reich», verkündet Thomas Zumbrunn. Rundum befinden sich Gestelle mit unterschiedlichsten Gegenständen. Mittendrin ein Modell der historischen Standseilbahn von 1893, mit dem Noldy von Holzen einen Modellbau-Wettbewerb gewann. In einem Rollkasten hängen unzählige Billette in verschiedenen Farben aus unterschiedlichen Epochen. Bislang erfasst, reinigt und lagert Zumbrunn dort 200 Objekte von den Anfängen der Stanserhorn-Bahn bis zum aktuellen Jubiläumsjahr. Die Sammlung ist noch lange nicht am Ende. «Die Gestelle sind bereits voll, jetzt muss ich Tablare einbauen», sagt er.

Die Idee zum Archiv entstand aus der Bekanntschaft des Direktors der Stanserhorn-Bahn mit Zumbrunn. Beide stammen aus dem Kanton Bern und arbeiteten in den Achtzigerjahren für Schweiz Tourismus in New York. «Das Archiv ist ein Teil der DNA von unserer Herkunft, ein Wert, der ungeheuer bedeutend ist», sagt Bahndirektor Jürg Balsiger. Er freut sich über das Engagement Zumbrunns, von dem der Anstoss für das Archiv kam. «Wenn wir ihn nicht hätten! Er macht das mit grossem Wissen und Können», lobt Balsiger.

«Viele Unternehmen haben kein Geld dafür»

Geschichte fasziniert Thomas Zumbrunn, der seit dreieinhalb Jahren pensioniert ist. In Wilderswil bei Interlaken ist er Präsident des historischen Vereins. Er freut sich über die Unterstützung der Direktion: «Viele Archive laufen nebenher, die meisten Unternehmen haben kein Geld dafür.»

Der 62-Jährige, der sich schon seit seiner Ausbildung zum Postbeamten in den Kopf gesetzt hatte, ins Ausland zu gehen, und dann nach einigen Jahren in Brüssel und New York als Immobilienverwalter bei der Swisscom arbeitete, war am Schluss seiner beruflichen Laufbahn im Museum für Kommunikation tätig, dem ehemaligen PTT-Museum. «Dort baute ich das Sammlungsdepot um und bekam auch Einblick ins Sammlungswesen», erzählt er.

Unter der Veranda oder auf der Hotelterrasse konnten die Gäste in bequemen Korbsessel die herrliche Aussicht vom Stanserhorn geniessen. (Bild: Sammlung Christoph Berger, Postkatenverlag Karl Engelberger)

Unter der Veranda oder auf der Hotelterrasse konnten die Gäste in bequemen Korbsessel die herrliche Aussicht vom Stanserhorn geniessen. (Bild: Sammlung Christoph Berger, Postkatenverlag Karl Engelberger)

Seine Faszination am Historischen begründet Thomas Zumbrunn so: «Wenn du geboren wirst, hinterlässt du Spuren, auch an materiellen Gegenständen. Gewisse Spuren, die das Unternehmen hinterlässt, sollte man konservieren.» Als Beispiele weist er einen Querschnitt eines Schienenteils von 1893 vor. «Das kann man greifen», sagt er.

Ein Wandtelefon von 1890 hing in der Talstation im Billettraum. «Das Telefonieren funktionierte aber nicht direkt, sondern über eine Zentrale», klärt Thomas Zumbrunn auf. Ein mechanischer Wagenstandsanzeiger aus den Anfängen zeigte, wo sich die Bahn gerade befand. Immer mal wieder liegen plötzlich auf dem Tisch des Depotraums Gegenstände, die jemand gebracht habe. «Manchmal sogar ohne Angaben. Das bedeutet dann für mich, dass ich möglicherweise erst langwierig recherchieren muss, um was es geht.»

Natürlich birgt das Archiv auch Gegenstände, an denen förmlich Geschichte klebt. So den Peddingrohrstuhl, auf dem die Bahnpioniere Franz Josef Bucher und Josef Durrer auf dem Stanserhorn ihre Mahlzeiten einnahmen. Sehr fröhlich wirken sie auf dem historischen Foto im Jubiläumsbuch trotz des opulenten Mahls allerdings nicht. Ob sich damals schon spätere Meinungsverschiedenheiten ankündigten?

Nach den Objekten kommen die Papiere dran

Seit mehr als einem Jahr fährt Thomas Zumbrunn in regelmässigen Abständen ins Kälti. Im Spätherbst ist sein Einsatz für dieses Jahr beendet. «Im Winter ist es hier zu kalt zum Arbeiten», sagt er. Nach den Objekten wird er sich den Papieren widmen. Die Arbeit geht vorläufig nicht aus. Für den Archivar heisst es ständig Entscheidungen zu treffen, auch über den Sammelwert von Objekten, die morgen von Interesse sein können. Wer hätte 1990 schon gedacht, dass das erste Natel als riesiger Kasten im Zeitalter von Smartphone und Co. als vorsintflutlich empfunden wird?