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TIEFENLAGER: Nid- und Obwalden wollen Wellenberg als Reserveoption streichen

Der Regierungsrat fordert, dass der Wellenberg endgültig als Option für ein atomares Tiefenlager rausfliegt. Dies verdeutlicht er dem Bund in seiner neuerlichen Stellungnahme. Am 10. Juni kommt diese vors Volk.
Der Wellenberg von Oberrickenbach aus gesehen. (Bild: PD)

Der Wellenberg von Oberrickenbach aus gesehen. (Bild: PD)

Oliver Mattmann

oliver.mattmann@nidwaldnerzeitung.ch

Die Enttäuschung beim Nidwaldner Regierungsrat war gross, als der Bundesrat vor sieben Jahren den Wellenberg als einen von sechs möglichen Standorten für ein geologisches Tiefenlager im Rennen beliess. Dies soll sich in Etappe 2 des Auswahlverfahrens nicht wiederholen. In der gestern veröffentlichten Stellungnahme an den Bund fordert der Kanton Nidwalden neuerlich, der Wellenberg solle nicht als Reserveoption behalten, sondern gänzlich von der Liste gestrichen werden. Die sicherheitstechnischen Bedenken seien jüngst nicht entkräftet worden. Im Gegenteil: Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) komme zum Schluss, dass der Wellenberg eindeutige Nachteile aufweise, argumentiert der Regierungsrat. Dies sei auch von allen Prüfbehörden und weiteren Expertengruppen bestätigt worden, heisst es weiter.

Nur geht dem Regierungsrat die von der Nagra vorgeschlagene Rückstellung zu wenig weit. Und Baudirektor Josef Niederberger macht keinen Hehl daraus: «Wir wären irritiert, wenn der Wellenberg zu einem späteren Zeitpunkt wieder weiterverfolgt würde. Es wäre konsequent, wenn der Bundesrat unsere Forderung berücksichtigen würde.» Nimmt man indes die Medienmitteilung des Bundes zur aktuellen Vernehmlassung zur Hand, würde sich die Überraschung in Grenzen halten. Denn dort steht klar: «Als Standortareale für die Oberflächenanlage werden die Gebiete, die in Etappe 3 weiter untersucht werden, festgelegt: Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost. Die drei übrigen Standortgebiete, darunter der Wellenberg, werden in Etappe 3 nicht weiter untersucht. Sie verbleiben aber bis zur Erteilung der Rahmenbewilligung als Reserveoptionen für ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle im Sachplan.»

Der Bund gibt den Fahrplan vor

Die Stellungnahme des Regierungsrats obliegt der obligatorischen Volksabstimmung. Dies geht auf die Achtzigerjahre zurück, als die Regierung im Gegensatz zu grossen Teilen der Nidwaldner den Plänen des Bundes am Wellenberg positiv gegenüberstand und das Volk sich ein Mitspracherecht sicherte. Doch warum findet die Abstimmung erst am 10. Juni statt und war nicht vor der jetzigen Stellungnahme anberaumt worden? Josef Niederberger: «Abstimmungen brauchen immer eine Vorlaufzeit. Aus zeitlichen Gründen wäre ein früherer Termin nicht dringelegen. Der übergeordnete Fahrplan wird vom Bund vorgegeben.» Der Kanton hat bei Parteien und in der Standortgemeinde Wolfenschiessen inzwischen eine Umfrage lanciert, ob es kritische Stimmen zur Stellungnahme gebe. «Bisher sind mir keine Rückmeldungen in diese Richtung bekannt», hält der Baudirektor fest.

Bereits 2011 hatte sich die Nidwaldner Bevölkerung – damals zur Etappe 1 des Auswahlverfahrens – zum wiederholten Male zum Wellenberg äussern können. Damals stärkten knapp 80 Prozent der Stimmberechtigten der Regierung den Rücken.

Obwaldner Regierung sieht touristische Nachteile

An den Gründen, die für den Regierungsrat gegen den Wellenberg sprechen, hat sich seither nichts Wesentliches geändert. So liege das Standortgebiet «nachweislich in einer Zone mit erhöhter seismischer Aktivität», heisst es in der gestrigen Mitteilung. Auch würden die im Untergrund des Wellenbergs anzutreffenden Mergel-Formationen eine weniger gute Barrierewirkung aufweisen, da sie geklüftet seien und über ein beschränktes Selbstabdichtungsvermögen verfügten. Hinzu käme, dass der Aufbau des Untergrunds sehr durchmischt sei, und dieser nur mit grossem Aufwand erforscht werden könnte. Und selbst ein Sondierstollen würde räumlich nur begrenzte Aussagen zulassen. «Die verbleibenden Ungewissheiten sind somit faktisch nicht reduzierbar», so das Fazit der Regierung.

Die gleichen Töne schlägt die Obwaldner Regierung an, die sich gestern ebenfalls verlauten liess. Sie ortet nebst den sicherheitstechnischen Zweifeln noch ein anderes Problem: Ein Verbleib des Wellenbergs im Verfahren könnte die touristische ­Entwicklung der Region samt Engelberg beeinträchtigen. Angesprochen auf die potenzielle Lagerung radioaktiver Abfälle, «reagieren Investoren wie auch Touristen mit Zurückhaltung», gibt die Regierung zu bedenken.

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