TOURISMUS: Mini-Bähnli warten auf mutige Wanderer

Die kleinen Bähnli von Bergbauern sollen vermehrt Wanderer anlocken. Engelberg-Titlis Tourismus lanciert ein neues Angebot.

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Der Wanderwegverantwortliche Toni Arnold mit der Rugisbalm-Bahn in Grafenort im Hintergrund. (Bild: PD)

Der Wanderwegverantwortliche Toni Arnold mit der Rugisbalm-Bahn in Grafenort im Hintergrund. (Bild: PD)

«Buiräbähnli-Safari» – so nennt sich ein neues Angebot in Engelberg. Die Mehrtages-Rundtour führt durchs weitläufige Hochtal der Region und ist insgesamt 46 Kilometer lang. Speziell daran: Die Wanderer werden explizit ermuntert, die besagten «Buiräbähnli» zu benutzen. Es handelt sich dabei um die kleinen Bahnen, die zwischen 1920 und 1940 von Bergbauern für den Personen- und Materialtransport errichtet worden sind. Früher hingen noch Holzkisten an den Seilen, heute sind es kleine Kabinen. Ist die Sicherheit da überhaupt gewährleistet? «Absolut», sagt Marco Zemp, Marketingchef bei der Engelberg-Titlis Tourismus AG. «Alle sechs Bergbähnli haben die Betriebsbewilligung des Bundes und dürfen öffentlich benutzt werden.»

20 Stunden unterwegs

«Die ‹Buiräbähnli-Safari› ist ideal für Wanderer, die das Engelberger Tal zu Fuss erkunden wollen», heisst es in der Medienmitteilung von Engelberg-Titlis Tourismus. «Je nachdem, wie flott man unterwegs ist, dauert die Tour zwei oder drei Tage.» Die Strecke kann auch in einzelnen Etappen erwandert werden. Ausgangs- und Endpunkt der insgesamt rund 20-stündigen Wanderung ist der Bahnhof Engelberg. Übernachtet wird in einer der sechs Berghütten auf dem Weg.

28 Franken kostet das «Buiräbähnli-Safari»-Ticket. «Jeder Franken geht an die Bauern als Besitzer der Bergbähnli», betont Marco Zemp. «Wir verdienen nichts daran, für uns ist es ein Marketing-Instrument. Wir sind gespannt, wie das Angebot ankommen wird.» Die Route der anspruchsvollen Wanderung: Engelberg, Egendössli, Mettlen, Grafenort, Büelen, Diegisbalm, Wolfenschiessen, Brändlen, Haldigrat, Bannalp, Brunni, Engelberg.

Bähnli mit Selbstbedienung

Neu ist zwar die Vermarktung, die Grundidee allerdings nicht. Schon bisher war es Wanderern möglich, die kleinen Bähnli zu benutzen. Teils funktionieren sie mit Selbstbedienung – einfach einsteigen, Knopf drücken und los gehts. Sobald man angekommen ist, legt man ein paar Franken ins Kässeli. Bei anderen Bahnen kontaktiert man die Besitzer. Zum Beispiel bei der Bahn zur Rugisbalm, wo man den Töngis einen Besuch abstatten kann – «eine von zwölf Familien der Region, die in Aufrüstung und Instandhaltung der urtümlichen Gondeln investiert haben», schreibt Engelberg-Titlis Tourismus. Die Brüder Toni und Paul Töngi betreuen auf der Rugisbalm bis zu 300 Kühe. Bevor die Fahrt losgehen kann, heisst es an der Station den Hörer abnehmen, an der Kurbel drehen und deutlich ins Telefon sprechen. «Erst dann setzt jemand von den Töngis die Seilbahn in Gang, meist ist es die Grossmutter.»

Die Fahrt in einem «Buiräbähnli» sei ein besonderes Erlebnis, sagt Marketingchef Marco Zemp. «Die Gondeln hängen nicht mittig unterm Stahlseil, sondern sind vorne und hinten aufgehängt, neigen sich also entsprechend zur Steigung oder zum Gefälle.» Für Schwindelfreie sei die Fahrt ein Genuss ...

Adrian Venetz

Hinweis

Weitere Infos: www.engelberg.ch