TOURISMUSEXPERTE: Jürg Stettler: «Potenzial an Reichen ist riesig»

Hotelprojekte in Andermatt oder auf dem Bürgenstock seien für die Region ein Segen, sagt Experte Jürg Stettler. Auch bestehende Hotels könnten davon profitieren.

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Jürg Stettler, Professor für Tourismuswirtschaft an der HSW in Luzern. (Archivbild Eveline Bachmann/Neue LZ)

Jürg Stettler, Professor für Tourismuswirtschaft an der HSW in Luzern. (Archivbild Eveline Bachmann/Neue LZ)

Jürg Stettler, die Barwa Real Estate aus Katar übernimmt die Bürgenstock Hotels. Eine gute Nachricht?

Jürg Stettler*: Grundsätzlich spricht das Engagement für den Tourismusstandort Zentralschweiz. Die Investition von 300 Millionen Franken in die Hotelanlagen ist Indiz dafür, dass der Investor bei uns ein grosses Potenzial sieht.

Aber?

Stettler: Bei Investoren aus dem Ausland stellt sich jeweils die Frage nach Heimatschutz und Überfremdung. Man sieht es halt immer noch lieber, wenn unsere Hotels in Schweizer Händen bleiben.

Zu Recht? Wollen ausländische Gäste nicht lieber bei Einheimischen ihre Ferien verbringen?

Stettler: Es interessiert mich als Kunde doch nicht, wer das Hotel besitzt. Entscheidend ist das Produkt. Was nützt es dem Gast, wenn der Investor Schweizer ist, das Angebot aber enttäuscht? Man darf nicht vergessen: Der Tourismus ist eine der am stärksten globalisierten Branchen. Dass es hier zu internationalem Zusammenarbeiten kommt, ist nichts als logisch.

In Andermatt investiert ein Ägypter, auf dem Bürgenstock eine Gruppe aus Katar, in Emmetten ein Holländer etc. Kann die Schweizer Wirtschaft grosse Hotelprojekte nicht selbst finanzieren?

Stettler: In der Tat gibt es in der Schweiz nicht sehr viele Investoren, die für Projekte in dieser Grössenordnung in Frage kommen. Die Kombination aus Know-how im Hotelbusiness, Risikobereitschaft und finanziellen Ressourcen ist in der Schweiz sehr limitiert.

Investiert wird in 4- und 5-Sterne-Hotels. Braucht die Region überhaupt ein derart grosses Angebot in diesem Preissegment?

Stettler: Ich gehe davon aus, dass die Investoren einen seriösen Businessplan erstellt haben und somit die Chancen und Risiken kennen. Fakt ist: Der Tourismus ist weltweit eine Wachstumsbranche, deutlich zulegen wird das Segment wohlhabender Gäste aus Asien, Russland oder dem arabischen Raum. Das Potenzial für Hochpreis-Hotellerie ist also grundsätzlich vorhanden. Die Frage ist nun, ob die Schweiz an diesem Wachstumspotenzial partizipiert. Das kann sie nur, indem sie mit hochklassiger Infrastruktur und Dienstleistung um reiche Gäste buhlt. [...] Das Potenzial an reichen Gästen ist riesig. Luzern Tourismus alleine wäre niemals im Stande, die internationalen Märkte ohne neue Projekte zu bearbeiten.

Interview von Christoph Reichmuth

HINWEIS
* Jürg Stettler ist Professor für Tourismuswirtschaft an der HSW in Luzern.

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Donnerstag im Wirtschaftsteil der Neuen Luzerner Zeitung und ihren Regionalausgaben.