Kolumne

Ich meinti: «Tra tra trallalla ...»

Rechtsanwalt Karl Tschopp über nicht mehr zeitgemässe, weil rassistische Chasperli-Geschichten und seine Lieblingsmohrenköpfe.

Karl Tschopp
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Rechtsanwalt Karl Tschopp aus Stans.

Rechtsanwalt Karl Tschopp aus Stans.

Bild: Nidwaldner Zeitung

«...tra tra trallalla, de Chasperli isch wieder da!» So begrüsste uns der Chasperli, oder besser gesagt: die unverwechselbare Stimme von Jörg Schneider, auf unzähligen Schallplatten und Hörkassetten in den Kinder­stuben meiner Generation. Niemand hat dazumal wohl geahnt, dass der Inhalt dieser Chasperli­-Geschichten teil­weise nicht mehr der aktuellen politischen Korrektheit entsprechen und auch vom Rassismus-Wahn der jüngsten Zeit eingeholt würde.

«Tra tra trallalla, tra tra tral­lalla, mier reised jetzt uf Afrika und lueged det all Neger aah.» So der Beginn der Geschichte zu einer Reise zu den «Kakao­Negern» in Afrika, hin zum «Negerhäuptling Krambambuli», um sich ein «Chruseli­Negerli» anzuschauen und eines sogar mit nach Hause zu nehmen.

Undenkbar, dass solche Kindergeschichten in der heutigen Gesellschaft mit so einer unverkrampften Selbstverständlichkeit so gehört oder als «Chasperli-Theater» so dargestellt werden könnten, wie wir sie in unserer Kindheit erlebt haben. Es ist halt eine andere Zeit heute. Mitten in der Anti-«Mohrenkopf»-Euphorie darf man keine Fehler machen, um nicht an den Rassismus-Pranger gestellt zu werden. Der «Mohrenkopf» ist ein sogenannt belasteter Begriff. Das Gebäck, das alle kennen, gibt es in der Schweiz seit den 1940er-Jahren, und der Begriff hat sich bis heute gehalten. In Deutschland heissen sie seit längerer Zeit «Schokoküsse». Es war denn auch ein deutscher Konditor während des Zweiten Deutschen Kaiserreiches zwischen 1871 und 1918, der den Namen «Mohrenkopf» erfunden haben soll, und zwar mitten in der aggressiven Kolonialzeit, wo Menschen aus Afrika der einheimischen Bevölkerung in sogenannten Völkerschauen vorgeführt wurden.

So betrachtet, ist es schon eine Überlegung wert, wie man diesen «Schoggikopf» anders bezeichnen könnte. Sich in den korrekten Begriffen zurechtzufinden, ist aber auch nicht ganz einfach. «Mohr» und das mit n beginnende Wort sind eben nicht neutral, sondern rassistisch geprägt. Der Begriff «Schwarze(r)» sei neutraler, aber ebenso problematisch, weil man die Hautfarbe in den Vordergrund stelle. «Dunkelhäutige(r)» zu sagen, ist wohl nicht besser, das kann nämlich nach den Ferien jedem passieren. «Menschen mit dunkler Hautfarbe» dürfte dem Anliegen nach neutraler Bezeichnung vielleicht am ehesten genügen.

Ich meinti, man mag sich schon fragen, ob die «Mohrenkopf-Debatte» die Wichtigkeit von anderen aktuellen Sorgen der Bevölkerung übertreffen kann. Strenge Sprachprofes­soren sagen sogar, wer das Wort heute noch verwende, mache damit gleichzeitig ein politisches Statement, indem er oder sie nichts von der Debatte halte und das Wort nicht aus Rücksicht auf Mitmenschen ablegen möchte. Das führt zu weit. Der Begriff «Mohrenkopf» wird im gewöhnlichen Sprachgebrauch in der Schweiz überhaupt nicht bewusst in böser Absicht verwendet. Es geht einzig und allein um dieses süsse Gebäck ... Und die vom Dubler sind die besten!

«Tra tra trallalla, tra tra trallalla, Bireschnitz und Haselnuss, für hüt isch uus und Schluss.»

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