Tribüne
Will man die Kleinen noch?

Unserem Autor fällt auf, dass je nach Grösse eines Unternehmens mit unterschiedlichen Ellen gemessen wird.

Ruedi Wechsler
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Diese Woche traute ich meinen Augen nicht, als ich in der schmucken und erst kürzlich neueröffneten Bäckerfiliale von Christen Beck an der Beckenriederstrasse gleich neben der Posthaltestelle Buochs meinen Einkauf tätigte. Da kratzte eine junge Dame im Auftrag der Beschriftungsfirma die aussen angebrachte Beschriftung vom Schaufenster. Als ich sie und die Angestellten im Laden nach dem Grund der Aktion befragte, erklärten sie mir kopfschüttend den Grund: Die Autofahrer würden durch diese Beschriftung zu sehr abgelenkt.

Ruedi Wechsler ist freier Mitarbeiter unserer Zeitung.

Ruedi Wechsler ist freier Mitarbeiter unserer Zeitung.

Da frage ich mich als einheimischer Geschäftsmann, der selbst seit bald 40 Jahren im Schaufenster an derselben Strasse seine Produkte präsentiert, ob solch Unfug und Aufwand nötig sind. Als Freelancer dieser Zeitung besuchte ich diesen Sommer ein Geschäft im selben Dorf für die Sommeraktion «Hiäsigs». Dort sorgte eine kleine gewölbte Aussenstore zur passenden Schaufensterdekoration für rote Köpfe. Auch in diesem Fall legten Behörden und Polizei ihr Veto ein. Da waren bei der Gemeinde sogar mehrere Eingaben erforderlich, bis die Bewilligung eintraf.

Die Gesetzesflut mit ihren schwer nachvollziehbaren Paragrafen hemmen unsere Wirtschaft immer mehr und die Schlinge zieht sich stetig zusammen. Ich denke, da wäre gesunder Menschenverstand mehr als angebracht. In den grossen Einkaufszentren werden überdimensionale Beschriftungen und Beleuchtungen angebracht und das stört anscheinend niemand. Diese Beispiele bestätigen einmal mehr, dass mit unterschiedlichen Ellen gemessen wird. So nach dem Motto: Die Grossen lässt man gewähren und den Kleinen wird der Stecker gezogen. Mir liegen die einheimischen Fachgeschäfte sehr am Herzen und wir versuchten in all den Jahren, unsere Einkäufe, wenn immer möglich, im Dorf zu erledigen.

Ruedi Wechsler, freier Mitarbeiter der «Nidwaldner» und «Obwaldner Zeitung»