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Buochser Swiss-Pilot: «Über Fehler muss man offen reden»

Fehler sind ärgerlich, kosten Geld, in der Fliegerei im schlimmsten Fall Menschenleben. Wie verhindert man sie? Der Buochser Swiss-Pilot Christian Rohrbach spricht von seinen Erfahrungen und davon, wie bei Swiss damit umgegangen wird.
Matthias Piazza
Christian Rohrbach mit seiner Tochter Nina im Cockpit auf einem Flug von Zürich nach Barcelona. (Bilder: PD)

Christian Rohrbach mit seiner Tochter Nina im Cockpit auf einem Flug von Zürich nach Barcelona. (Bilder: PD)

«Papi arbeitete gar nicht, er drückte nur ein paar Knöpfe», lautete das ernüchternde Fazit seiner damals fünfjährigen Tochter Nina, als sie ihren Vater, den Buochser Swiss-Piloten Christian Rohrbach auf einem Flug begleiten durfte. «Ohne dass sie es wusste, machte Nina der Crew damit ein Riesenkompliment», erzählte Rohrbach kürzlich den staunenden Zuhörern am Geschäftsführer-Lunch der Industrie- und Wirtschaftsvereinigung Unterwalden (IWV) in Beckenried. Der Flottenchef von 33 Flugzeugen der A320er-Familie und von 350 Piloten stellte in seinem rund halbstündigen Referat den Umgang mit Fehlern in der Fliegerei in den Fokus, notabene in einer Branche, wo Fehler besonders schwerwiegende Konsequenzen haben können.

«Dieses Verhalten, wie meine Tochter beobachtet hat, erwarte ich von meinen Piloten: Dass sie ruhig, systematisch und konzentriert arbeiten und nie Hektik aufkommen lassen, auch nicht unter Druck oder in Stresssituationen. Dies wäre der Sicherheit abträglich.» In einem kurzen Abriss erläuterte er die Entwicklung der Fehlerkultur in der Fliegerei. Als kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die Unfallrate noch massiv hoch war, legte man den Fokus auf die Verbesserung des Materials, was sich positiv auf die Unfallraten auswirkte. In einer weiteren Phase ging es um den Menschen. Seit den 1990er-Jahren nimmt man Vorfälle als Schwäche des Systems wahr.

Niemand darf an den Pranger gestellt werden

Der Buochser Swiss-Pilot Christian Rohrbach.

Der Buochser Swiss-Pilot Christian Rohrbach.

Mit einer offenen Fehlerkultur und einer damit einhergehenden systemischen Betrachtung sei die Fluggesellschaft Swiss permanent daran, ihren Sicherheitsstandard hoch zu halten, indem sie sich um die Verbesserung der Abläufe und der Organisation kümmere – und insbesondere um eine offene Fehlerkultur. «Über Fehler muss man offen miteinander reden. Nur so kann man Lehren daraus ziehen und sie künftig verhindern», so Rohrbach. Dabei sei es besonders wichtig, dass niemand Angst haben müsse, an den Pranger gestellt zu werden. «Wenn sich die Leute nicht zu melden getrauen, bleibt eine Verbesserung aus.» Er zieht ein positives Zwischenfazit: Bei den meisten Meldungen würden die Verursacher von Fehlern ihren Namen angeben. Vom Recht, anonym Meldungen einzureichen, würden die Wenigsten Gebrauch machen. Dies sei ein grosser Beweis von gegenseitigem Vertrauen.

Eine Summe vieler kleiner Fehler könne in der Fliegerei schliesslich fatale Folgen haben. Die zwei Flugzeugunglücke in Hergiswil und oberhalb von Flims Anfang August seien ihm nahe gegangen. Über die Ursachen will er nicht spekulieren. «Sicher kamen verschiedene ungünstige Faktoren zusammen. Ein einzelner Faktor wäre wohl folgenlos geblieben.»

«Wir versuchen aus jedem Unfall zu lernen»

Tragische Flugzeugunfälle gehen nicht spurlos am Flottenchef vorbei – weder menschlich noch technisch. «Wir versuchen aus jedem Unfall zu lernen.» Eine direkte Konsequenz für Christian Rohrbach, der auch Militär-Helipilot ist, hat der Absturz eines Super-Pumas der Schweizer Armee vom September 2016 auf dem Gotthard-Hospiz. Der Heli touchierte beim Start wohl ein Stromkabel. Beide Piloten kamen ums Leben. «Das Unglück machte mir noch bewusster, wie wichtig es auch vor dem Abflug ist, die Kabelsituation in allen Sektoren noch einmal detailliert zu überprüfen.»

Allen tragischen Ereignissen zum Trotz: Fliegen sei im Verhältnis sicher. «Die Gefahr, dass man einen Unfall auf der Strasse hat, ist viel höher», sagt der 49-Jährige, der seit 20 Jahren bei der Swiss (vormals Swissair) als Linienpilot fliegt.

Er sei mit einem Flieger-Gen auf die Welt gekommen. Sein Vater habe als Werkspilot auf dem damaligen Militärflugplatz Buochs gearbeitet. Seine eigene fliegerische Karriere begann im Alter von 17 mit dem Segelfliegen. Auch nach fast 30 Jahren in der Luft habe das Fliegen für ihn nichts von seiner Faszination eingebüsst. «Das Zusammenspiel von Technik und Natur, der Anblick der Gegend, das macht es für mich aus», schwärmt er.

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