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Um keinen Preis wollte sie das Wirzweli fürs Welschland verlassen

Wie keine andere hat Margrit Niederberger-Odermatt die Geschichte der Alp Wirzweli geprägt. Bei vielen Neuerungen hatte sie die Finger im Spiel. Heute wird sie 90. Und blickt zurück. Auch auf eine spezielle Hochzeit.
Simon Mathis
Margrit Niederberger feiert diesen Dienstag den 90. Geburstag. (Bilder: Boris Bürgisser, Wirzweli, 11. April 2019)

Margrit Niederberger feiert diesen Dienstag den 90. Geburstag. (Bilder: Boris Bürgisser, Wirzweli, 11. April 2019)

Sie hat einen festen Händedruck, einen klaren Blick und ein verschmitztes Lächeln: Margrit Niederberger-Odermatt steht fest im Leben, auch wenn sie heute 90 Jahre alt wird. Die Dallenwilerin wohnt auf der Alp Wirzweli in einem Haus direkt neben der Seilbahnstation.

Das Wirzweli ohne Niederberger – kaum vorstellbar. Denn sie spielte eine tragende Rolle dabei, die Alp als Tourismus-Ort zu etablieren. Nebenbei war sie auch noch Bäuerin, Gastwirtin, Sigristin und Oberrichterin. Wir haben die Frau, die fürs Wirzweli lebt, besucht. An einem nebligen Morgen erzählte sie Geschichten aus ihrem arbeitsamen Leben.

Heirat mit Segen der Regierung

Geboren wurde Margrit Niederberger am 16. April 1929 in Uffikon. Sie war ein «Mittelkind». Sechs Geschwister kamen vor ihr, sechs nach ihr. Als Niederberger fünf Jahre alt war, zog die Familie nach Stans. Mit fünfzehn fällte das Mädchen eine Entscheidung, die ihren ganzen Werdegang bestimmen sollte. Ihre Mutter Julia Odermatt hatte eine Stelle für sie in der französischsprachigen Schweiz organisiert. Doch die junge Margrit wehrte sich gegen diese Pläne. «Ich will im Wirzweli bleiben!», sagte sie der Mutter. Denn schon damals war sie als Hilfskraft auf der Alp tätig. «Ich arbeitete gerne, war eine Bauernfrau durch und durch», erzählt Niederberger.

So blieb Margrit im Wirzweli. Es dauerte nicht lange, da verliebte sie sich – in den Bauern, dem sie tatkräftig zur Seite stand. Sie und Walter Niederberger heirateten. Da Margrit damals erst sechzehn war, benötigten sie für die Hochzeit die Einwilligung des Regierungsrats. «Die haben wir problemlos erhalten, da wir seriös waren», schmunzelt Niederberger.

«Mein Mann war 27 Jahre älter als ich, aber ein sehr lieber Mensch.»

Margrit, die erste Tochter des Paares, verstarb 1947 als nur zwei Monate altes Baby. Die neun restlichen Sprösslinge verlebten auf dem Wirzweli eine strenge, aber schöne Kindheit.

Nationalrat hilft der Familie in Not

Um 1945 – die finanzielle Lage der Familie war karg – hätte Walter das Wirzweli beinahe verkauft. Der Vertrag war bereits unterschrieben, da überlegte er es sich anders. Der damalige Obwaldner Nationalrat Hans Ming (1904 –1986) stand der Familie rechtlich zur Seite. Zwei Mal gelangte man vors Bundesgericht, bis das Wirzweli wieder offiziell den Niederbergers gehörte.

Die Familie Niederberger 1960: Margrit Niederberger mit ihrem Mann Walter gemeinsam mit den Kindern Walter, Marie, Sepp und Agnes. (Bild: PD)

Die Familie Niederberger 1960: Margrit Niederberger mit ihrem Mann Walter gemeinsam mit den Kindern Walter, Marie, Sepp und Agnes. (Bild: PD)

In den folgenden Jahren entdeckten immer mehr Skifahrer die Alp für sich. Bald kam das alte Bähnli von 1936 den Besucherströmen nicht mehr bei. Und es wurde klar: Das Wirzweli brauchte eine neue Luftseilbahn. Die Familie Niederberger veräusserte Land, auf dem diverse Ferienhäuschen entstanden. Die Bahngenossenschaft Dallenwil-Wirzweli entstand, das Ehepaar Niederberger hielt davon die Aktienmehrheit. So erhielt das Wirzweli 1965 eine neue Seilbahn, die in einer Kabine 25 Personen befördern konnte.

Wirtin, Sigristin und Oberrichterin

Margrit Niederberger musste wegen des frühen Todes ihres Mannes die Kinder früh in die Arbeit zu Hause einbinden.

Margrit Niederberger musste wegen des frühen Todes ihres Mannes die Kinder früh in die Arbeit zu Hause einbinden.

Ein Jahr später eröffnete das Bergrestaurant. Margrit Niederberger absolvierte die Wirteschule, um die Besucher in den nächsten 18 Jahren zu versorgen. 1977 kam es zu einem tragischen Unglück: Auf dem Weg in die Gummenalp rutschte Walter aus, stürzte ab und erlag nach mehrtägigem Kampf im Krankenhaus seinen Verletzungen. Fortan war Margrit Niederberger für alles alleine verantwortlich. «Es gab viel zu tun», erinnert sie sich. Ihre sechs Töchter und drei Söhne hat sie darum früh in die Arbeit eingebunden.

1980 wurde die Bergkapelle auf dem Wirzweli eingeweiht. Auch dies geht auf eine Idee Niederbergers zurück. «Die Wirzweli-Bewohner waren je zur Hälfte katholisch und reformiert», sagt sie. Deshalb habe man sich für ein ökumenisches Haus entschieden. Niederberger hielt die Kapelle als Sigristin instand. Heute wird die Kapelle selbst bei Gottesdiensten nur noch spärlich besucht, was Niederberger traurig stimmt. «Aber das ist etwas, das jeder für sich ausmachen muss», sagt sie mit einem leisen Seufzer.

Auf Reisen liess sich Margrit Niederberger inspirieren. Die Doppelkabinen, die seit 2003 aufs Wirzweli fahren, sah sie zum ersten Mal im Tessin. Und die Bobbahn entdeckte sie in der Ostschweiz für sich. «Jeder Mensch sollte die Welt gesehen haben», sagt sie nicht ohne Melancholie.

«Wäre ich jünger, würde ich wahrscheinlich aus der Schweiz auswandern.»

Auch auf kantonaler Ebene spielte Margrit Niederberger eine Rolle. Drei Jahre lang gehörte sie dem Obergericht Nidwalden an. Eine lehrreiche Erfahrung: «Da musste man einige schwierige Entscheide fällen», berichtet sie. «In dieser Zeit habe ich gelernt, noch offener und ehrlicher mit den Leuten zu reden.» Überhaupt betont Niederberger mehrfach, wie entscheidungsfreudig sie sei: «Wer A sagt, muss auch B sagen. Ich habe in meinem Leben zwar auch Nein gesagt. Aber wenn ich Ja gesagt habe, meinte ich es so.»

Mit 90 Jahren gehören harte Arbeit und strenge Entscheidungen nicht mehr zur Tagesordnung. Ihre Tochter Hanny Odermatt führt heute die Geschäfte der Wirzwelibahn. Die Katze Chresänzi leistet Margrit treu Gesellschaft – und natürlich ihre Kinder. Am Geburtstagsfest zu Ostern werden ausserdem die zahlreichen Nachkommen anreisen: 25 Grosskinder und 33 Urgrosskinder gehören dazu. «Ich werde ihnen allen Jasskarten schenken», verrät Niederberger mit einem Lachen. «Damit sie anständig spielen lernen.»

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