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... und der Himmel weinte Tränen in Hergiswil

Am Samstag ging auf der Hergiswiler Rössliwiese zum letzten Mal das Lakeside Festival über die Bühne. Ein Abschied mit drei Bands, 700 Gästen und einem Platzregen.
Christian Hug
Bilder wie dieses gehören der Vergangenheit an. Am Samstag fand in Hergiswil zum letzten Mal das Lakeside Festival statt. (Bilder: pd, Hergiswil, 14. Juli 2018)

Bilder wie dieses gehören der Vergangenheit an. Am Samstag fand in Hergiswil zum letzten Mal das Lakeside Festival statt. (Bilder: pd, Hergiswil, 14. Juli 2018)

So. Das war’s. Traurig nehmen wir zur Kenntnis, dass das Lakeside Festival von Hergiswil seit letztem Sonntag, 00.20 Uhr, Geschichte ist. Wo doch alles so hoffnungsfroh angefangen hat. Vor 17 Jahren, 2001, stellten ein paar unternehmungslustige Jungs und Mädels zum ersten Mal das zweitägige Festival im Rösslipark auf die Beine und waren überrascht, auf wie viel Interesse und wie wenige Nachtruhestörungsreklamationen das Angebot stiess.

So wuchs und professionalisierte sich das Lakeside, es gab zusätzliche Film-Abende für Kurzfilmfreunde, es gab das Lakejump für Spinner, die mit dem Velo in den See sprangen. Es gab einen weiteren Zusatztag mit Musik für fortgeschrittene Semester. Plus den Sonntag für einen Buurä-Zmorgä. Und es gab gute Konzerte, das blieb immer das Wichtigste am Lakeside. Manche Highlights wirken bis heute nach: Die Hergiswiler Schrägrapper Pflegeleicht machten hier ihre ersten Live-Erfahrungen. Die legendären Skate-Roker Toenails rockten die Wiese. Der smarte Latin-Chef Mangu ignorierte die Nachtruhe. Art Brut brachten den Existenzialismus nach Hergiswil. The Peacocks dissten die Hipster. Und wie Sens Unik im Groove wummerten! Das Lakeside war grossartig. Mit jeweils weit über 2000 Besuchern und der vollen Unterstützung der Gemeinde.

Schlechtes Wetter brach dem Festival das Genick

Es überstand einen Generationenwechsel bei den Organisatoren unbeschadet. Aber dann kam der Knick. 2014 hat es durchgehend geregnet – 70000 Franken «hindersi» gemacht. Der organisierende Verein hat 2015 auf das Lakeside verzichtet und stattdessen sämtliche Schulden zurückgezahlt. 2016 gab’s wieder ein Festival, aber inzwischen waren so viele Leute aus dem Verein ausgetreten, dass den Verbliebenen viel zu viel Arbeit übrig blieb. 2017 war folglich sozusagen das Burn-out-Jahr ohne Lakeside. «Und obwohl neue Leute im Verein nachgerutscht waren, zeigte sich, dass wir rein vom Aufwand her das Festival in dieser Form nicht mehr halten können», erzählt Raphael Adam, der Vereinspräsident. Man beschloss, das Lakeside zu beerdigen. Das geschah letzten Samstag.

Noch ein letztes Mal Party vor der Bühne.

Noch ein letztes Mal Party vor der Bühne.

Drei Abschieds-Konzerte zum Schluss

Es spielten die Nidwaldner Funkrapper Criga et ZRA, die werden zwar immer besser, aber für die neue CD ist es leider noch viel zu früh. Das eigenwillige Stanser/Luzerner Trio One Lucky Sperm unterhielt die 700 Lakeside-Gäste mit abtrünnig intellektueller Popmusik. Und das Nidwaldner Rumpelrock-Duo Wolf Wolf, eben noch am Akzena-Festival in Bilbao zu Gast, schrammelte auf Stehschlagzeug und E-Gitarre wunderbar gefürchigen Garagen-Bluespunk.

Ist der Abschied bitter?, fragen wir Raphael Adam. «Logisch ist er das», antwortet er, «aber all die tollen Erlebnisse der letzten Jahre versüssen uns die Erinnerung.» Und während er das sagt, bricht tatsächlich ein Platzregen über das Festival. «Siehst du», sagt Adam, «passender könnte es nicht sein». Tatsächlich: Der Regen prasselt nieder, der Wind tobt, aber Wolf Wolf auf der Bühne rocken weiter, das Publikum verkriecht sich kreischend ins Zelt oder tanzt im Regen, die Party geht weiter. Bis zum bitteren Ende. Der Verein Lakeside wird an seiner nächsten Sitzung aufgelöst. Vielleicht, so hoffen Lakeside-Fans, fangen die Neuen mit einem neuen Verein ganz von vorne an. Und geben der Rössliwiese irgendwann Ruhm, Rock und Zweiräder zurück.

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