Und plötzlich ist die Schule zu: Zwei Familien aus Ob- und Nidwalden erzählen

Die Klassenzimmer sind leer, Kinder bleiben daheim. Wie reagieren Eltern in so einer Situation? 

Adrian Venetz
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Monika Rohrer-Hochuli mit ihren Kindern Niklas (10) und Lisa (7).

Monika Rohrer-Hochuli mit ihren Kindern Niklas (10) und Lisa (7). 

Bild: Adrian Venetz (Sarnen, 16. März 2020)

«Etwas erschrocken bin ich schon, als ich am Freitag erfahren habe, dass die Schule ausfällt», sagt Monika Rohrer-Hochuli aus Sarnen. Gemeinsam mit Niklas (10) und Lisa (7) sitzt sie am Montagmittag am Esstisch im Wohnzimmer. Ihr Mann Mike Rohrer hat sich gerade verabschiedet – er muss wieder zur Arbeit. Monika Rohrer arbeitet in einem 20-Prozent-Pensum als Kommunikationsfachfrau in Sarnen. Sie muss also nicht gleich ihren ganzen Alltag umkrempeln, weil die Kinder daheim bleiben. «Trotzdem gibt es einiges zu organisieren.» Normalerweise arbeitet sie am Donnerstag im Büro. Die Arbeit daheim zu erledigen – also Homeoffice – wäre für sie eigentlich problemlos möglich. «Aber wenn die beiden Kleinen auch hier sind, kann man das praktisch vergessen», sagt sie und schmunzelt. Niklas und Lisa lachen verschmitzt.

«Für ein Kind in Lisas Alter ist es gar nicht so einfach, zu begreifen, was da abläuft.»

Gar nicht nach Lachen zumute war Lisa aber noch am Wochenende. «Ich war sehr traurig, weil die Schule abgesagt wurde und ich all meine Gspänli nicht sehen kann», erzählt sie. Und ihre Mutter ergänzt: «Überall hört und liest man über diese Corona-Krise. Und plötzlich werden auch die Schulen geschlossen. Für ein Kind in Lisas Alter ist es gar nicht so einfach, zu begreifen, was da abläuft. Man merkt zwischendurch schon, dass sie verunsichert ist.»

Ebenfalls verunsichert war die Familie Rohrer, als sie hörten, dass sich Grosseltern und Enkelkinder besser nicht mehr treffen sollten. «Niklas und Lisa sind oft bei meinen Schwiegereltern in Sachseln zu Besuch oder sie bei uns.» Auch die in Bern wohnhaften Eltern von Monika Rohrer passen hin und wieder auf die beiden Kinder auf. «Wir dürfen sehr oft auf die Hilfe der Grosseltern zählen. Sie sind fit und gesund – da fragen wir uns schon, ob man wirklich auf jegliche Kontakte verzichten muss.» Beschäftigt sind die Kinder für die nächsten Tage: Niklas hat bereits Aufgaben von seinem Lehrer erhalten, die er auf dem Tablet erledigen kann. «Und morgen machen wir eine kleine Familiensitzung und verteilen Ämtli, damit die Kinder auch im Haushalt mithelfen», erzählt Monika Rohrer.

Mit den Kindern ins Stanser Architekturbüro

Ebenfalls ratlos war am Wochenende die 40-jährige Alexandra Oswald aus Hergiswil. Die alleinerziehende Mutter arbeitet in einem 80-Prozent-Pensum als Bauzeichnerin im Stanser Architekturbüro Linear Projekt AG. Ihre Kinder Elena (7) und Davide (13) sind dann normalerweise in der Schule, bei der Tagesmutter oder hin und wieder auch bei ihrer Grossmutter. «Aber der Mann der Tagesmutter gehört zur Gruppe der Risikopatienten. Und meine Mutter ebenfalls», erzählt Alexandra Oswald. Also telefonierte sie am Sonntag mit ihrem Chef und fragte ihn, ob sie ihre Kinder ein paar Tage mit zur Arbeit nehmen könne.

Davide (13) und Elena (7) mit Mutter Alexandra Oswald im Architekturbüro.

Davide (13) und Elena (7) mit Mutter Alexandra Oswald im Architekturbüro. 

Bild: Adrian Venetz (Stans, 16. März 2020)

Der Chef zeigte vollstes Verständnis und gab grünes Licht. Und so nahm Alexandra Oswald ihre beiden Kinder am Montagmorgen mit ins Büro. Sie dürfen sicher mal bis am Mittwoch hier sein. «Am Donnerstag ist ja Seppitag, am Freitag habe ich frei – dann sehen wir mal, wie es nächste Woche weitergeht.» Zu langweilen scheinen sich die Kinder nicht im Architekturbüro. «Elena kann sich sehr gut allein beschäftigen, zum Beispiel mit Malen und Basteln», sagt Alexandra Oswald. Davide, der die 1. Klasse des Kollegium St. Fidelis in Stans besucht, hat bereits per E-Mail von seinem Klassenlehrer Aufgaben erhalten. «Auch Elenas Lehrerin hat angekündigt, dass sie den Schülern einige Aufgaben schicken wird.»

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