Leserbrief
Unsere Volksvertreter sollen sich solidarisch zeigen

«Am Titlis droht Kurzarbeit» und «Von Viren, LKW und Meilensteinen», Ausgabe vom 16. März, «Dividenden geraten in Verruf», Ausgabe vom 1. April

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Auf die Massnahme des Bundesrates vom Freitag, 13. März, alle Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen zu verbieten, hat Hans Wicki auf seine eigene Art und Weise reagiert. Der FDP-Ständerat und Verwaltungsratspräsident der Titlis-Bahnen hat mitgeteilt, dass Skifahren aus seiner Sicht keine Veranstaltung ist und der Skibetrieb bis Ostern unverändert weiterläuft. Warum er aus der Anordnung des Bundesrates geschlossen hat, dass das Virus nur an Anlässen, die als Veranstaltung deklariert sind, übertragen werden kann, erschliesst sich dem Normalbürger nicht. Während der Bundesrat bittend die Bevölkerung versucht zu überzeugen, ihren Anweisungen zu folgen, macht Hans Wicki das Gegenteil. Er fordert die Menschen auf, die Anweisungen des Bundes nicht ernst zu nehmen. Das Ganze in der grössten Krise seit 75 Jahren. Solidarität sieht anders aus. Bundesrat Berset hat unserem Volksvertreter tags darauf nochmals erklärt, was er genau zu tun und lassen hat. Bis am Samstagmittag hat es dann auch Herr Wicki begriffen und sein Skigebiet geschlossen.

Am Montag, 16. März, die Krise ist in vollem Gang, der Bundesrat ruft den Notstand aus und wir dürfen die «Stimme aus Bern» lesen. Da ist zu erfahren, dass Hans Wicki wegen des Virus nicht alle Geschäfte im Bundeshaus wie gewünscht erledigen kann. Im zweiten Teil macht er noch etwas Werbung in eigener Sache. Aufmunternde Worte an die Bevölkerung, Fehlanzeige. Ein Aufruf, sich an die Anweisungen des Bundes zu halten und die älteren Menschen zu schützen, nix da. Dankesworte an Helfer, Ärzte, alle die Solidarität zeigen, sind ihm leider nicht in den Sinn gekommen.

1. April: Die Titlis-Bahnen haben in der Zwischenzeit verständlicherweise Kurzarbeit angemeldet. Nun werden sie also von einer Versicherung unterstützt, die nach dem Solidaritätsprinzip funktioniert. Der Verwaltungsrat der Titlis-Bergbahnen schüttet gleichzeitig die volle Dividende von 6,4 Millionen Franken an die Aktionäre aus. Herr Wicki meint dazu: «Mit einem Dividendenverzicht hätten wir ein falsches Signal ausgesandt.» Das meint er wirklich!?

Pierre-Yves Maillard, Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes sagt: «Wenn eine Firma einerseits massive Dividenden auszahlt und anderseits ein Gesuch für Kurzarbeit einreicht, dann können wir in etwa die Skrupellosigkeit gewisser Kreise abschätzen.» Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen, wobei ich eher in Richtung der Meinung von Herrn Maillard tendiere.

Es ist schade, dass sich Hans Wicki offensichtlich mehr um sich als um die Bedürfnisse und Probleme der Bevölkerung kümmert. Erwarten würde man natürlich, dass sich auch unsere Volksvertreter solidarisch zeigen und für einmal ihre Partikularinteressen hintanstellen würden.

Als Letztes noch: Wickis Vorschlag, die Gemeinden könnten in Zukunft die Beschneiungen der Pisten von Wintersportorten bezahlen, steht auch noch im Raum.

Ich danke allen von Herzen, die sich in dieser Zeit und auch in Zukunft selber etwas zurücknehmen, den Bedürftigen helfen und Solidarität zeigen. Haltet zusammen, wir schaffen das!

Christof Schuler, Wolfenschiessen