«Unüberbrückbare Differenzen»: Nidwaldner Polizeikommandant geht per sofort

Seit dem 1. Dezember 2018 war Jürg von Gunten Kommandant der Kantonspolizei Nidwalden. Nun wird er per sofort durch Reto Berchtold ersetzt. Die Trennung erfolge im gegenseitigen Einvernehmen – am Sonntag.

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Jürg von Gunten war seit Dezember 2018 Polizeikommandant.

Jürg von Gunten war seit Dezember 2018 Polizeikommandant.

Bild: Corinne Glanzmann, Stans, 14. Januar 2020

Es ist nicht lange her, da fand der Nidwaldner Polizeikommandant Jürg von Gunten nur gute Worte über seinen Job. Gegenüber unserer Zeitung sprach er von einem «familiären Umgang, so wie ich das selber auch mache und sehr schätze» (wir berichteten). Weiter sagte er: «Bei uns herrscht ein offener Austausch» – «Ich spüre von meiner Vorgesetzten eine grosse Unterstützung».

Wie Jürg von Gunten zu diesen Einschätzungen gekommen ist, ist aus heutiger Sicht fraglich. Denn seit Sonntag ist er nicht mehr Polizeikommandant. Er ist von seiner Vorgesetzten, Regierungsrätin Karin Kayser-Frutschi (CVP), per sofort freigestellt worden. «In gegenseitigem Einvernehmen», wie die Justiz- und Polizeidirektion in einer Mitteilung schreibt.

Kader zweifelte Führungsverhalten des Kommandanten an

Auf Nachfrage unserer Zeitung präzisiert Kayser: «In den letzten Wochen wurde das Verhältnis zwischen Jürg von Gunten und dem mittleren Kader der Kantonspolizei zunehmend schwierig. Das Führungsverhalten von Jürg von Gunten wurde angezweifelt. Das hat zu Konflikten innerhalb des Kaders geführt.» Sie selber habe keine Konflikte mit dem Kommandanten gehabt. Ein strafrechtlich relevantes Verhalten liege nicht vor, betont Kayser.

Das Klima im Kader der Kapo Nidwalden habe sich in den letzten Monaten zusehends verschlechtert, so die Justiz- und Sicherheitsdirektorin. «Ein solcher Konflikt entwickelt sich schleichend und steht plötzlich mit aller Vehemenz vor der Tür.» Weshalb von Gunten noch im Januar gegenüber unserer Zeitung von einem familiären Umgang gesprochen hat, kann sich Kayser nicht erklären. «Es wäre falsch, darüber zu spekulieren.» Jürg von Gunten war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Wie heftig die Konflikte gewesen sein müssen, zeigt die Tatsache, dass auch ein externes Coaching erfolglos geblieben ist. Wie hoch die Kosten dafür waren, sagt Karin Kayser nicht. Auch über eine allfällige Abgangsentschädigung äussert sie sich nicht. Darüber sei Stillschweigen vereinbart worden.

Neue Leiter für kantonalen Krisenstab

Für die Justiz- und Sicherheitsdirektorin hat das reibungslose Funktionieren der Kantonspolizei oberste Priorität. Ein rascher Entscheid sei nötig gewesen. Am Freitag einigte sie sich mit von Gunten über die Vertragsauflösung. Am Sonntag wurde der Schritt vollzogen – ein aussergewöhnlicher Zeitpunkt. Karin Kayser begründet dies damit, dass Jürg von Gunten auch Leiter des kantonalen Führungsstabs war. «Dieser musste am Montag wieder funktionieren.»

Interimistischer Polizeikommandant ist nun der bisherige Stellvertreter Reto Berchtold. Der Krisenstab wird von Ruedi Wyrsch (Abteilungsleiter Zivilschutz) und Toni Käslin (Feuerwehrinspektor) geführt.

Jürg von Gunten war seit Ende 2018 Polizeikommandant. Sein Abgang ist nicht der erste mit Nebengeräuschen unter Karin Kayser. 2014 und 2018 trennte sie sich jeweils vom Vorsteher des Amts für Bevölkerungsschutz. 2018 wurde die Funktion abgeschafft und die Leitung des Krisenstabs dem Polizeikommandanten übergeben. Kayser betont, von Guntens Abgang habe keinen Zusammenhang mit der Leitung des Krisenstabs.

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