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URTEIL: Durch den Kirchenwaldtunnel mit 144 km/h

Das Kantons­gericht verurteilte einen Raser. Teilweise fuhr dieser bis zu 69 km/h zu schnell. Doch ins Gefängnis muss er nicht.
Der nun verurteilte Raser fuhr notorisch viel zu schnell – und wurde wiederholt geblitzt. (Bild: Werner Schelbert / Neue LZ)

Der nun verurteilte Raser fuhr notorisch viel zu schnell – und wurde wiederholt geblitzt. (Bild: Werner Schelbert / Neue LZ)

Kurt Liembd

Die Anklage von Staatsanwalt Erich Kuhn wiegt schwer: «Mehrfache qualifizierte grobe Verkehrsregelverletzung durch besonders krasse Missachtung der signalisierten Höchstgeschwindigkeit.» So die amtliche Formulierung. Konkret hat der italienische Autofahrer folgendes getan: Am 19. November 2013 fuhr er um 1.51 Uhr in Hergiswil im Kirchenwaldtunnel 144 km/h und damit 64 km/h schneller als die erlaubten 80. In der gleichen Nacht wurde er im Sonnenbergtunnel Luzern mit 149 km/h geblitzt und damit 69 km/h zu schnell. In Gurtnellen fuhr er 45 schneller als erlaubt, in Emmenbrücke 43. Zwei Monate vorher hatte es ihn zudem in Amsteg mit 29 km/h zu viel erwischt. Doch angehalten werden konnte er nie, denn die Raserei erfolgte meist mitten in der Nacht, und der Italiener hat die Schweiz immer nur zwischen Italien und Deutschland und umgekehrt durchquert. Passiert ist nie etwas.

Kaution 10 000 Euro in bar

Die Staatsanwaltschaft erliess am 14. August 2014 einen Haftbefehl gegen ihn. Bereits nach sechs Tagen konnte «der schnelle Italiener» in Basel verhaftet werden. Nach nur einer Nacht wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen. Zuvor musste er eine Kaution von 10 000 Euro in bar leisten. Am Dienstag sollte sich der Mann vor dem Kantonsgericht Nidwalden für seine Raserei verantworten, liess sich aber dispensieren, weil der Prozess im abgekürzten Verfahren stattfand. Das heisst, dass das Urteil im Vorfeld von den Parteien ausgehandelt worden ist. Im Gegenzug ist es in einem abgekürzten Verfahren nicht anfechtbar. Entschuldigt für den Prozess haben sich nebst dem Angeklagten auch Staatsanwalt Erich Kuhn sowie der amtliche Verteidiger.

Urteil vor leeren Rängen

So sass denn das dreiköpfige Gericht ganz allein im Saal mit Gerichtspräsidentin Livia Zimmermann, den Kantonsrichtern Reto Geiser und Walter Zimmermann und Gerichtsschreiber Reto Rickenbacher. Auch Zuhörer waren keine da, obwohl die Verhandlung öffentlich war. So fand denn die Urteilsverkündung vor fast leeren Rängen statt mit einem einzigen Journalisten als Zuhörer. Gerichtspräsidentin Livia Zimmermann verwies bei der Urteilsverkündung auf den «Raserartikel» im Gesetz und sagte, dass das Gericht wenig Ermessen habe. Sie erwähnte, gemäss Gesetz handle es sich um ein «schweres Verschulden und eine schwere Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer».

Das Urteil: Für die kleineren Geschwindigkeitsüberschreitungen erhielt der Italiener eine Busse von 500 Franken, für seine schweren Tempoexzesse eine Freiheitsstrafe von 21 Monaten bedingt auf vier Jahre. Interessantes Detail: Die Kosten für die zwei Tage Untersuchungshaft sowie die Übersetzung muss er nicht zahlen, das übernimmt der Staat. Allerdings muss er die Kosten des amtlichen Verteidigers selber zahlen wie auch die Verfahrenskosten von rund 1500 und die Gerichtskosten von rund 500 Franken. Weiter gab das Gericht bekannt, dass sein Auto nicht beschlagnahmt wurde und auch, dass man ihm den Führerausweis nicht entziehen könne, denn dafür wäre der italienische Staat zuständig.

Das Verkehrssicherheitszentrum Nidwalden hätte aber die Möglichkeit, ihm das Fahren auf Hoheitsgebiet der Schweiz für eine gewisse Zeit zu verbieten. Damit könnte er aber die Schweiz einfach grossräumig umfahren. Beim Verurteilten handelt es sich um einen sonst unbescholtenen Bürger, der in einem grossen deutschen Zirkus in Köln in leitender Stellung arbeitet. Weil er in seiner Freizeit regelmässig Verwandte in Italien besucht, brettert er jeweils nachts durch die Schweiz.

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