URTEIL: Lawinenunglück hätte verhindert werden können

Ein Mitarbeiter der Stanserhornbahn hätte den Lawinentod eines Baggerführers 2012 verhindern können. Das Obergericht Nidwalden hat ihn der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen. Ein ebenfalls angeklagter Forstwart wurde freigesprochen.

Drucken
Teilen
Rot eingezeichnet ist die Stelle, wo sich am 24. Februar 2012 am Stanserhorn die Lawine gelöst hatte. Es ist das Gebiet Bluematt/Chalcherli. (Bild Kantonspolizei Nidwalden)

Rot eingezeichnet ist die Stelle, wo sich am 24. Februar 2012 am Stanserhorn die Lawine gelöst hatte. Es ist das Gebiet Bluematt/Chalcherli. (Bild Kantonspolizei Nidwalden)

Das Kantonsgericht hatte im September 2013 die beiden Beschuldigten freigesprochen. Der Staatsanwalt zog das Urteil an das Obergericht weiter und erhielt nun teilweise Recht.

Das Obergericht kam zum Schluss, dass der Sicherheitsverantwortliche der Stanserhornbahn sich pflichtwidrig verhalten habe. Seine Kommunikation zur Lawinengefahr per E-Mail am späten Vorabend sei ungenügend gewesen.

Der Sicherheitsverantwortliche habe nicht sichergestellt, dass die mit den Bauarbeiten an der Bahn beschäftigten Personen rechtzeitig von der nicht signalisierten Sperrung der Forststrasse erfahren würden. Das Unglück wäre ohne diese pflichtwidrige Unterlassung vermeidbar gewesen, schreibt das Gericht.

Das Obergericht sprach den Sicherheitsverantwortlichen deshalb der fahrlässigen Tötung schuldig. Es verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 135 Franken.

Das Gericht bestätigte aber den Freispruch für den Forstwart der Genossenkorporation Stans. Dieser hatte die E-Mail des Sicherheitsverantwortlichen nicht erhalten.

Der Forstwart habe aufgrund seiner Kenntnisse und Fähigkeiten nicht pflichtwidrig die Sorgfaltspflichten verletzt, schreibt das Gericht. Der Staatsanwalt habe hier einen zu strengen Massstab angelegt.

Parteien warten Urteilsbegründungen ab

Ob das Urteil von den Parteien akzeptiert wird, ist offen. Es liegt erst im Dispositiv mit einer summarischen Begründung vor.

Die Stanserhornbahn werde mit grösster Sicherheit ein begründetes Urteil verlangen, sagte Verwaltungsratspräsident Heinz Keller auf Anfrage. Er zeigte sich vom Schuldspruch «enttäuscht».

Staatsanwalt Alexandre Vonwil begrüsst das Urteil gegen den Kadermann der Bahn. Die zweite Instanz habe bei diesem ein mittelschweres Verschulden erkannt, sagte Vonwil.

Ob hingegen die Staatsanwaltschaft auch mit dem Freispruch für den Forstwart einverstanden ist, liess Vonwil zunächst offen. Er werde vom Obergericht ebenfalls die Begründung des Urteils verlangen und einen Weiterzug prüfen.

Zwei Lawinen an derselben Stelle

Das Lawinenunglück geschah am 24. Februar 2012 am Stanserhorn zwischen Bluematt und Chalcherli. Der 33-jährige Baggerführer war dort mit zwei anderen Arbeitern daran, eine Zufahrtsstrasse zu einem Masten der neuen Cabrio-Bahn aufs Stanserhorn von einer Lawine vom Vortag zu räumen. Zwei Lawinenbeobachter überwachten den Hang.

Um 10.20 Uhr löste sich am selben Ort wie am Vortag erneut eine Lawine. Der Baggerführer versuchte, sich in Sicherheit zu bringen, er wurde aber von der Lawine erfasst und verschüttet. Über eine Stunde später konnte er geortet und geborgen werden. Der Arbeiter starb kurz darauf im Spital.

sda