VCS zeichnet ehemaligen Nidwaldner Mister ÖV für sein Lebenswerk aus

Der öffentliche Verkehr holt Hanspeter Schüpfer wieder ein. Der Verkehrs-Club der Schweiz ehrt den pensionierten Fachstellenleiter öffentlicher Verkehr Nidwalden. Auch wenn die beiden nicht immer gleicher Meinung waren.

Matthias Piazza
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Hanspeter Schüpfer erhält die VCS-Auszeichnung 2020 für sein Arbeitslebenswerk.

Hanspeter Schüpfer erhält die VCS-Auszeichnung 2020 für sein Arbeitslebenswerk.



Bild: Boris Bürgisser (Stansstad, 13. November 2020)

Fast drei Jahrzehnte befasste er sich mit den echten Postautos. Am Freitag durfte Hanspeter Schüpfer ein Modell entgegennehmen. Auf dem Mittelperron beim Bahnhof Stansstad ehrte Daniel Daucourt, Präsident der VCS-Sektion Ob- und Nidwalden, Hanspeter Schüpfer mit der VCS-Auszeichnung 2020 für Mensch und Umwelt für sein Lebenswerk. Seit der studierte Betriebsökonom und gebürtige Luzerner 1993 zum Kanton Nidwalden kam, liefen beim Abteilungsleiter Strategie und Planung im Amt für Mobilität, wie seine Funktion zum Schluss hiess, die Fäden des öffentlichen Verkehrs in Nidwalden zusammen.

«Mit Hanspeter Schüpfer hatten Verkehrsteilnehmer, die nicht Auto fahren, insbesondere Velofahrer und Fahrgäste des öffentlichen Verkehrs, einen kompetenten Vertreter in der Kantonsverwaltung», sagte Daniel Daucourt in Anwesenheit von Vertretern einiger Transportunternehmungen und Vorstandsmitgliedern des VCS Ob- und Nidwalden. Auch habe sich Hanspeter Schüpfer stets dafür eingesetzt, dass die Grundsätze der Verkehrsplanung zur Anwendung kommen, so auch die 3-V-Strategie «Verkehr vermeiden, Verkehr verlagern, Verkehr verträglich gestalten». Eine Strategie, die in Nidwalden immer noch nicht selbstverständlich sei, obwohl in der Fachwelt seit Jahrzehnten unbestritten.

Nidwalden verfüge heute über ein zeitgemässes und rege genutztes ÖV-Angebot mit einer ÖV-Strategie, gesetzlichen Grundlagen, Informationsveranstaltungen, regelmässigen Überprüfungen und Angebotserweiterungen. Dies sei nur dank dem Einsatz von Hanspeter Schüpfer möglich geworden. «Über Jahre hat er sich im Dienste der Bevölkerung engagiert und auf unterschiedlichen Ebenen, inklusive der strategischen, gewirkt. Für das beachtliche Arbeitslebenswerk bedankt sich der VCS im Namen von Fahrgästen sowie Umwelt und Klima sehr.»

Der öffentliche Verkehr holte in Nidwalden auf

Daniel Daucourt sprach von einer bemerkenswerten Entwicklung des öffentlichen Verkehrs in Nidwalden. «Nidwaldner benützen oft das Auto, doch wurden 2015 täglich fast 10 Prozent weniger Kilometer mit dem Auto zurückgelegt als 10 Jahre zuvor.» Im selben Zeitraum habe sich in Nidwalden auch der Anteil des öffentlichen Verkehrs am Gesamtverkehr von 8 auf 18 Prozent erhöht. Somit wurde die Tagesdistanz 2015 zu etwa einem Fünftel mit Bahn und Bus zurückgelegt. «Wir gehören hier zwar im Schweizer Vergleich zu den Schlusslichtern, aber die Entwicklung war gewaltig: In 10 Jahren hat sich die mit dem ÖV zurückgelegte Distanz mehr als verdoppelt.»

«Die Auszeichnung ist eine Anerkennung für meinen Einsatz im Spannungsfeld zwischen der ÖV-Lobby, den Politikern, der Verwaltung und der Bevölkerung», sagte Hanspeter Schüpfer dazu, der Ende März pensioniert wurde. «Auch mit dem VCS focht ich einige Sträusse aus. Umso mehr freut mich die Anerkennung von dieser Seite.» Als eines seiner grössten Vermächtnisse aus seiner Zeit als Nidwaldner Mister ÖV bezeichnet Hanspeter Schüpfer, dass es mit den Jahren gelungen sei, den Nidwaldner ÖV nicht einfach «wild», sondern systematisch auszubauen.