Vergoldetes WC-Papier und rätselhafte Collagen im Kulturraum Buochs

Im Kulturraum Buochs lassen die Künstler Guido W. Zelger und Rainer Otto Hummel gleichermassen staunen wie schmunzeln.

Romano Cuonz
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Guido E. Zelger und Rainer Otto Hummel im Kulturraum.

Guido E. Zelger und Rainer Otto Hummel im Kulturraum.

Bild: Romano Cuonz
(Buochs, 24.10.2020)

«Erstaunlicherweise hat man sich während des Lockdowns in der Schweiz tatsächlich um Toilettenpapier und Gold gestritten», stellt der Hergiswiler Künstler Rainer Otto Hummel fest. Und präsentiert den Besuchern im Buochser Kulturraum dazu demonstrativ drei WC-Papierrollen. Ungewöhnliche allerdings! Die eine ist in prächtigem Dukatengold gefasst, die beiden andern glänzen in Reichbleich- und Silbergold. Schmunzelnd erklärt Hummel: «Das Vereinen dieser beiden Gegensätze, Toilettenpapier und Gold, beides ja nicht wirklich notwendig zum Überleben, soll zum Vor- und Nachdenken anregen, was es wirklich braucht in grosser Not!» In Toiletten, am Eingang und vor allem auf einem hölzernen Steg, der den ganzen Raum in der Mitte durchquert, hat der Künstler glitzernde Klopapierrollen platziert. Im Ganzen nicht weniger als 133! Eng beieinander, aber luftig erhöht liegen sie da und entlocken den Besuchern manch «Ah» und «Oh».

Reaktion auf den Lockdown

«Lebenswichtigkeiten» titelt Hummel diese Installation. Nicht ohne ein Augenzwinkern! Und dazu setzt er in für ihn bekannter Manier auch knappe, eigenwillige Sprüche. Etwa: «Das schwere, funkelnde Gold noch immer ungeniessbar – das leichte papierene Abwischen des holden Anus in der Not ist wohl die Nebensache!» Weil Hummel gerne auf die Wirklichkeit um sich herum reagiert, drängte sich eine Reaktion auf den Covid-19-Lockdown auf. Das «güldene» Toilettenpapier – auch in fantasievoller Edition fürs Wandern erhältlich – ist eine augenzwinkernde Antwort darauf.

Ganz anders verhält es sich mit den «Wochenblättern 2020», die sich wie ein riesiges Leporello über den Galerieboden dahinziehen. Auf ihnen herrschen graue und schwarze Töne vor. Nur sehr spärlich sind die Blätter mit zerrissenen, teils farbigen Papierfetzen, ÖV- Tickets, Textmakulaturen, Termin-Visitenkarten, Worten oder Gedanken beklebt und beschriftet. Hummels Erklärung dazu: «Ich habe seit längerer Zeit nicht genügend Geld zur Verfügung, um Farben zu kaufen.» Jedes einzelne Bild umfasst sieben Tage einer Woche. Da hält ein Künstler mit einer horizontalen Linie fast pingelig fest, wie er dieses denkwürdige Jahr erlebt. Ja, Hummel erstellt seinen eigenen «Rainer Otto Hummel Index» und spielt damit auf die unzähligen Indexe an, mit denen man jetzt regelrecht überschüttet wird. Mit einer durchgehenden, wässrig schwarzen Linie zeichnet er auf, wie er die Welt um sich erlebt und wie sein Inneres darauf reagiert. Die Besucher können die Bilder auch begehen. Hummels Geheimtipp in Coronazeiten: «Wenn man die Blätter umgekehrt anschaut, zeigt die Linie nach oben und wird zu einer positiven, hoffnungsvollen Erscheinung.»

Guido W. Zelgers kraftvolle Männerakte

Dass Rainer Otto Hummel die Galerie mit dem in Stans geborenen und in der Nähe von Klagenfurt (Kärnten) lebenden Guido W. Zelger teilt, ist kein Zufall. Die beiden kennen sich seit gut 20 Jahren. Zelger ist ein brillanter Zeichner. Oder sollte man besser sagen «Überzeichner»? Was er nämlich im Kulturraum zeigt, sind männliche Aktzeichnungen, die ursprünglich vom bekannten österreichischen Spätexpressionisten Anton Kolig stammen. Aber man muss schon sehr gut hinschauen, wenn man Koligs Bilder wiedererkennen will. «Ich verwende zwar die Originale, dann aber zerschneide, überzeichne und überklebe ich sie», erklärt Zelger. «Remix» nenne man dieses Verfahren. In der Tat: Dem «Nidwaldner in Österreich» gelingt es, mit Bleistift, Farbstiften und sehr sparsam benutzter Acrylfarbe komplett neue Konstruktionen der Akte zu kreieren. Collagen. Verschachtelt, verschoben, gespiegelt und auch umgedreht wird die Vorlage von ihm. Oben und Unten sind relativiert, die Struktur der Fläche wird geradezu verwirrend verändert.

Mittels Vervielfältigungen, Vergrösserungen und Verkleinerungen wendet sich Zelger vom Urbild Koligs völlig ab. Schafft neue, rauschhafte Fabelwesen, die einen mit ihrer Gewalt und Kraft erschrecken und andererseits mit ihrer Schönheit begeistern. Was man in Zelgers Bildern sieht, steht als Symbol für das oft Rätselhafte und Irrationale in unserem Dasein. Oder, wie es an der Vernissage Laudator Otto Odermatt sagt: «Durch Vervielfältigungen und durch verschiedene Positionierungen im Bild hat Guido W. Zelger den männlichen Akt in andere Dimensionen geführt und damit das vielfältige männliche Wesen dargestellt.»

Ausstellung 2020 von Guido W. Zelger und Rainer Otto Hummel im Kulturraum am Seeplatz 10 Buochs. Noch bis zum 15. November. Öffnungszeiten: Freitag 18 – 21 Uhr. Samstag und Sonntag 14 – 19 Uhr.