Verkehrschaos beim Lopper: Autobahnausfahrten bleiben offen – weniger Verkehr soll in Dörfer fliessen

Ein Verkehrskollaps wie am Sonntag soll nicht mehr vorkommen – die Behörden wollen mit neuen Massnahmen reagieren.

Martin Uebelhart und Philipp Unterschütz
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Stau Sonntag auf der Autobahn A2 bei Beckenried. (Bild: Leserreporter)

Stau Sonntag auf der Autobahn A2 bei Beckenried. (Bild: Leserreporter)

Am vergangenen Sonntagabend lief auf dem Nidwaldner Strassennetz in Richtung Luzern nicht mehr viel, weder auf der Autobahn noch auf den lokalen Strassen. Der Kanton Nidwalden, das Bundesamt für Strassen (Astra) und die Polizei verständigten sich daraufhin über Massnahmen, die die Situation verbessern sollen.

Die von Gemeindevertretern und in den sozialen Medien geforderten Sperrungen der Autobahnausfahrten für Durchreisende gehören nicht dazu. Zwar sei die Massnahme geprüft worden, doch die Kantonspolizei, das Nidwaldner Amt für Mobilität und das Astra teilten die Auffassung, das dies aktuell nicht zum gewünschten Erfolg führe, schreibt der Kanton in einer Mitteilung. «Auf den ersten Blick mag das als eine gute Idee erscheinen. Doch jeder Eingriff in den Verkehr führt zu einer Verlangsamung. Jedes Auto, das man aufhält, hält hinter sich weitere auf. Das würde den Stau wohl eher verlängern.» Und es bestehe die Gefahr, dass er sich in den Kanton Uri ausdehne.

«Was wir unbedingt vermeiden wollen, ist ein Stau im Tunnel», hält Polizeikommandant Jürg von Gunten fest. So müsste der Verkehr bereits auf der Urner Seite des Seelisbergtunnels reguliert werden.

Tropfensystem und Hinweistafeln

Zudem sei eine solche Triage auch in Sachen Sicherheit eine Herausforderung für den Polizisten, der die Einheimischen herauswinke und den Transitverkehr auf der Autobahn behalten soll. «So etwas führt auch immer zu Diskussionen, wie die Erfahrung zeigt», so von Gunten. Polizei und Astra setzen zunächst auf Hinweistafeln. Diese sollen vor jeder Ausfahrt aufgestellt werden und die Automobilisten darauf hinweisen, dass sie keinen Zeitgewinn haben, wenn sie die Autobahn verlassen. Die Information darauf wolle man möglichst einfach und leicht verständlich halten, sagt Jürg von Gunten. «Wir suchen auch nach Möglichkeiten, vermehrt Verkehrsmeldungen über die Lage auf den Kantonsstrassen abzusetzen.» Das soll einerseits über das Radio geschehen. «Wir suchen aber auch die Zusammenarbeit mit den Anbietern von Verkehrsdaten für Navigationsgeräte.» Es zeige sich, dass gerade ausländische Autofahrer sich eher auf ihr Navi verliessen als auf Hinweise am Strassenrand zu achten.

Stau auf der Autobahn A2 bei der Ausfahrt Buochs. (Bild: Leserreporter)

Stau auf der Autobahn A2 bei der Ausfahrt Buochs. (Bild: Leserreporter)

Bei den Autobahnausfahrten sollen Ampelanlagen den Verkehr nur dosiert auf das lokale Strassennetz loslassen. «Unser Ziel ist, nach jeder Ausfahrt eine solche Dosieranlage zu platzieren», sagt von Gunten. Wo genau sie zu stehen kämen, werde derzeit abgeklärt.

Rückreiseverkehr, Baustelle und Sperrung am Axen

Abklären muss die Polizei auch, wie sie die Geräte auftreiben kann. «Diese Lichtsignalanlagen und auch die Hinweisschilder sind sehr gefragt», weiss der Polizeikommandant. Diese müssten über Drittanbieter bezogen werden. «Am kommenden Wochenende werden wir genau beobachten, wie der Verkehr läuft und wenn nötig noch einmal über die Bücher gehen.» Die grosse Verkehrsbehinderung hatte am vergangenen Sonntagabend nach 17 Uhr ihren Lauf genommen. Zuerst staute es wie üblich am Nadelöhr vor der A2-Baustelle am Lopper bei Hergiswil. Der Ferien- und Ausflugsverkehr und zusätzlich Tausende von der gesperrten Axenstrasse umgeleitete Fahrzeuge brachten das System in Kürze praktisch zum Erliegen. Und nachdem die Lenker von ihren Navis geleitet in Scharen die A2 verliessen, um den Stau zu umfahren, war das Chaos perfekt. Bis am späten Abend ging auf der Autobahn ab dem Seelisberg und auf der Kantonsstrasse ab Beckenried bis zur Luzerner Kantonsgrenze wegen der Verkehrsüberlastung weitgehend nichts mehr.

Direkt von einem Kollaps will Jürg von Gunten nicht reden: «Da würde in meinem Verständnis der Verkehr gar nicht mehr laufen. Am Sonntag war er zugegebenermassen sehr zähflüssig, aber es ging doch immer noch vorwärts.»

«Staus auf der Autobahn sind nicht nur in Nidwalden eine Realität», sagt Landammann Alfred Bossard gegenüber unserer Zeitung. «Was wir möglichst verhindern wollen, ist, dass sich das auf Kantons- und Gemeindestrassen auswirkt.» Laut Meinung der beteiligten Stellen sollten die geplanten Massnahmen ausreichen, um die Ausfahrten nicht sperren zu müssen. «Das wäre dann die letzte Lösung, die wir prüfen würden», so Bossard. Ob die Situation am kommenden Wochenende besser wird, wisse er zwar noch nicht. «Doch gehen wir davon aus, dass es auf den lokalen Strassen nicht zu einem dauernden Stau kommt.» Zum unter anderem in sozialen Medien geäusserten Vorwurf, die Behörden seien untätig gewesen und hätten mangelnde Voraussicht gezeigt, räumt Bossard ein, man hätte die zusätzliche Verkehrskumulation nach der Sperrung der Axenstrasse vielleicht voraussehen können. Doch nach Gesprächen mit dem Astra sei man davon ausgegangen, dass der Verkehr bewältigbar sei. Das habe nicht funktioniert. Untätig sei man nicht gewesen: «Wir haben schnell reagiert und nach Lösungen gesucht. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit den getroffenen Massnahmen eine Entschärfung der Situation erreichen werden.»

Bringt gesperrte Axenstrasse ein Chaos am Lopper?

Die Axenstrasse bleibt vorläufig zu. Die Nidwaldner Polizei befürchtet mehr Staus auf der A2 und mehr Ausweichverkehr. Mehr Verkehr gibts auch auf der Autofähre, die aber nur bedingt den Fahrplan ausbauen kann.
Martin Uebelhart und Zeline Odermatt